Marienkapelle auf dem Westfriedhof

Anlass zum Bau der Kapelle

aus einem alten Bericht:

Friedhofskapelle

Maria Anna Schaible, Bürgerskind von Krumbach, 18 Jahre alt, war in Jettingen beim sogenannten Schmollerwirt im Dienst. Dort hat sie schreckliche Schmerzen am linken Fuß bekommen und hat den Dienst verlassen.
Auf dem Heimweg über Edelstetten, erkrankte sie und wurde mit den heiligen Sakramenten versehen. Nachhause gebracht, bekam sie einen Schlagfuß, die linke Seite und der ganze Fuß wurden unbrauchbar, ein Vierteljahr lag sie elendig zu Bett, dann ging sie auf zwei Krücken, um ihren Fuß biegen zu können. In großer Kleinmut ging sie zu dem etwa 100 Schulte von ihrem Hause, an der Landstraße nach Babenhausen in einer Bildsäule stehenden Muttergottes Bild. Das war am 4. Mai 1733. Da betete sie mit vielem Weinen und machte das Gelübde, daß sie ein ganzes Jahr lang an diesem Orte mit einem Rosenkranz die Muttergottes verehre, wenn sie wieder gesund wäre.

   
   

Innenraum der Friedhofskapelle

Dann fühlte sie auf einmal kraft, hing die Krücken auf und ging zu dem 40 oder 50 Schritte weiter entferntem Kreuz. Sie betete immer wieder und das Stehen wurde immer besser. Darüber Verwunderung der Bevölkerung Krumbachs und Umgebung. Wohltäter wollten dort eine große Bildsäule (Bildstock) von 6 Schuh anbringen.
Pfr. Zell berichtet deswegen am 3. Juni 1733 ans Ordinariat, es fand eine eidliche Vernehmung statt, von Bürgermeister Steichele und drei andren Zeugen, auch des Vaters des Mädchens mit neuen Fragen, das Ordinariat erklärte darnach, es sei nur eine "singulare beneficium", kein "miraculum", nur eine besondere Wohltat, kein Wunder, und genehmigte nur die Bildsäule, keine Feldkapelle. Allein die Pfarrangehörigen wollten eine Bildsäule, wo das Muttergottesbild geschützt ist, gegen Regen und Schnee, mehr als bisher; weil rechts der Straße kein Platz, soll sie 50 Schritte von der Straße auf die Linke Seite zu stehen kommen, neu gebaut werden so, daß die Hälfte mit einem Dach geschützt sei, der andere Teil soll für die Andacht der Vorübergehenden offen bleiben. Man brauchte aber notwendig ein neues Gotteshaus; seit Pfr. Zell da war, hat es die Bürgerschaft immer wieder verlangt. Letzterer hielt diese Gegend des Ortes für einen bequemen Platz zu einer Kirche oder einer Gottesackerkapelle. Um 7. Oktober 1733 schrieb er nach Augsburg, die Bildsäule sei schon angefangen, aber es werde kein Altar errichtet. Wenn nicht Kriegstrubeln und Winterquartiere im Markt zu befürchten sind, würden auf künftiges Jahr Veranstaltungen zu einem neuen Gottesacker gemacht, dann könnte das Gebäulein zu einer gewöhnlichen Kapelle benutzt werden.

 

Schwierigkeiten wegen des Baus
Nun machte aber Franz Josef Freiherr von Freiberg auf Raunau Schwierigkeiten wegen seiner Raunauer und Haupeltshofer Wallfahrt, es könnte ihr Abtrag geschehen. Pfr. Zell schrieb am 19. Dezember 1733 ans bischöfliche Ordinariat, es möchte doch die Sache mit der Krumbachischen Bildsäule zu einem gewünschten Ende kommen. In Krumbach sei ein Gottesacker höchst notwendig. Ein anderer Platz sei nicht zu haben, der dem sein Vorgänger urgiert habe, sei nicht zugegeben worden, diese Bildsäule gebe jetzt einen willkommenen Anlaß (motivum impellens). Übrigens geschehe der Nachbarschaft gar kein Nachteil, Raunau soll es doch aus Liebe zum Frieden passieren lassen.
Der Bau werde nicht aus eigenen Mitteln, sondern aus freiwilligen Gaben ausgeführt. Sonderbarerweise wollte der Baron von Raunau kein Plattendach dulden, beschwerte sich wiederholt bei der Herrschaft Krumbach und beim Ordinariat. Mit eichenen Schindeln zu decken, da war der Unkosten zu groß, sie waren auch in Krumbach nicht zu bekommen. Darum sollte der Bau mit einem hölzernen Gewölblein weiß angeworfen und mit einem hölzernen Bretterdach versehen werden, wenn er auch großen Schaden dadurch leide. Die Pfarrkinder in Krumbach wurden ziemlich ungeduldig und wenn es ihnen nachgegangen wäre, so wäre ohne Wissen des Pfarrers ein Plattendach gemacht worden. Kammerer Falk in Hasberg teilte mit, es gebe für die Krumbacher Bürgerschaft keinen besseren Platz zu einem neuen Friedhof, es soll wegen Raunau kein Altar errichtet werden, ob das Dach aus Ziegel oder Holz, das machte doch nichts. Raunau reichte sogar einen Grundriß für den Bau ein. Im März 1734 wehrte sich Pfr. Zell nochmals dagegen und schrieb es sei ihm erlaubt, für dieses Bildnis eine Bildsäule zu errichten – ante et retro der alten Bildsäule gehe aber die Landstraße, daher sei er genötigt, sie an einem bequemeren Orte aufzurichten. Er wolle keine Feldkapelle errichten, sondern nur unter den drei großen Schwibbögen, die offen stehen, dem anwesenden Volk einen Schirm gegen das Unwetter machen. Der Bau ist angefangen, 3 Schuh über den Boden, das Ordinariat habe ihn zwar kurze Zeit eingestellt, jetzt sei ihm erlaubt den Bau fortzuführen so, daß er von vorne offen stehe und mit einem hölzernen Dache versehen werde. Die Bürgermeister Johann Georg Rassler und Johann Georg Steichele und der Gerichtsschreiber Andreas Kötzle sprachen sich auch für den neuen Friedhof aus, wenn sie auch für die Errichtung bei diesen Kriegszeiten wenig Luft zeigten. Der Pfarrer von Krumbach hatte manches zu leiden und wurde pöbelhaft schimpflich behandelt, nochmals protestiere Freiberg gegen die neuangelegte Feldkapelle. Das gute brach sich Bahn, wie immer, unter Opfern; aus der Bildsäule wurde eine Kapelle und einen Altar sollte diese auch noch bekommen.

 

Vergrößerung der Kapelle
1717 wurde vom Ordinariat die Erlaubnis erteilt in der Feldkapelle die hl. Messe zu lesen. Dadurch wurde die Andacht so vermehrt, daß die gesamte Bürgerschaft sich entschloß, auf eine einige Kosten das Langhaus, das vom Holz gebaut war von Steinen zu bauen und künftig zu unterhalten. Doch sollte die Bürgerschaft für diese Verbindlichkeit ein schriftliches Dokument ausstellen. Dagegen trugen sie Bedenken. Daraufhin entschloß sich, solches zu leisten, ein Verehrer der Mutter Gottes, Eusebius Anton Laminet, Bauherr in Krumbach. Er stellte für sich und seine Nachkommen eine Obligation aus 2 Jauchert Aecker in den Deschen und 1 ¼ Tagwerk Wiesen. Damals wurde der Chor erhört, das Langhaus erweitert, das ganze mit Platten gedeckt. Bei Erteilung der Erlaubnis, hl. Messe zu lesen, 1777 bemerkt, daß die Kapelle neu restauriert und mit zwei anderen Altären versehen ist. 1791, während der Zeit des Josephinismus mußte das Muttergottesbild entfernt werden und wurde in die Pfarrkirche gebracht, 1791 berichtet Pfr. Mietinger: seit einiger Zeit ist der Zulauf zur Kapelle gering, hi und da wird auf Verlangen der Bürger heilige Messe daselbst gelesen. 1781 hat Jakob Fröschle ein schönes Gemälde in die Kapelle angebracht – Maria, Heil der Kranken. Im Jahre 1796 wurde das Muttergottesbild auf Wunsch der Bürgerschaft eigenmächtig wieder in die Friedhofskapelle gebracht, auch wieder Erlaubnis erteilt zur hl. Messe, doch darf sie dort nicht während des Pfarrgottesdienstes gehalten werden. 1819 schuf Konrad Huber von Weißenhorn ein Deckengemälde in die Kapelle, Anbetung der Hirten, auch ein schöner Kreuzweg ziert die Kapelle. 1820 hat Pfr. Biber wieder um die Erlaubnis zu zelebrieren „in campo ad beatissimam virginem nominato, cui adjacet coemiterium parochiale grande“ - in der Feldkapelle der seligsten Jungfrau, bei welcher der große Pfarrfriedhof liegt. Pfarrvikar Augustin Hotz berichtete 1878 er habe von der Jungfrau Maria Anna Beck ein testamentales Legat von 200 fl. erhalten zur Errichtung eines neuen Altares in der Gottesackerkapelle. Der jetzt dort stehende Altar war schon von mehreren Jahren so gebrechlich, daß vom damaligen Pfarrer Russer der Bau eines neuen beschlossen und deshalb der Abbruch des alten vollführt wurde. Der Plan scheiterte an Mangel an Kapitalien.
Der abgebrochene Altar mußte aufs Allerseelenfest wieder zusammengefügt werden; er war so morsch, daß man ihn mit Sicherheit kaum betreten konnte. Darum sollte ein neuer gemacht werden, um obige 200 fl. Es stand aber durch private Wohltätigkeit ein solch bedeutendes kapital zur Verfügung, daß die ganze Kapelle geziemend hergerichtet werden konnte. Zur Erneuerung gab Kreszenz Beck, Handelsmannstochter, weitere 600 fl. Der neue Altar sollte ganz aus Marmor und bis Allerseelen gefertigt sein. Er stammte von Gostner, Steinhauer in Füßen, und wurde am 22. Oktober 1848 aufgerichtet. 1850 erwies sich die Erweiterung des Gottesackers bei der Kapelle als unumgängig notwendig. es wurde das erforderliche Ackerland angekauft und teilweise mit einer mauer umfangen. Der Gottesacker wurde zu Familiengrabstätten nach Losen verteilt; für die aktive Geistlichkeit wurde zunächst in der Kapelle ein Platz vorbehalten, fürs Pfarrhaus hat aber jeder sich wie die anderen Bürger eine Grabstätte nach Losen zu erwerben, solche Grabstätte kostete zwischen 11-12 fl. Die Benediction wurde von Pfr. Zanker vorgenommen. Auf dem früheren Gottesacker bei der Pfarrkirche wurde ein Monument errichtet, fürwelches die Kreszentia Beck 300 fl. spendete. Die Statue der Muttergottes mit Sternenkranz befindet sich in der Kapelle und wurde, wie die ganze Kapelle, von Pfr. Hampp sehr würdig renoviert.