Pfarrkirche St. Michael

Baugeschichte von St. Michael

Pfarrkirche St. Michael

Über die Gestalt der Pfarrkirche vor dem Neubau im 18. Jh. geben die Quellen keine näheren Auskünfte. Auch einige spärliche Grabungsbefunde von 1970/73 brachten nur fragmentarische Erkenntnisse über vermutlich zwei mittelalterliche Bauphasen. Erhalten blieb allein der im 16. Jh. in noch gotisierenden Formen aufgeführte Turm. Die alte Kirche, ein bescheidener Bau mit Holzdecke und drei Altären, wurde im 17. Jh. verschiedentlich umgestaltet und erweitert. Da sie trotzdem der angewachsenen Pfarrgemeinde nicht mehr genügte und Zeichen von Baufälligkeit aufwies, wurde schon um 1730 ein Neubau erwogen. Erst um die Jahrhundertmitte konnten die nötigen Mittel aufgebracht werden.

Den Auftakt zum Kircheneubau bildete die Erhöhung des Turmes, der als einziger alter Bauteil erhalten blieb. Nach einer 1970 im Turmknopf gefundenen Urkunde wurde der Turm 1750 zusammen mit Aufsetzen einer neuen Kugel und eines Kreuzes gedeckt, repariert und renoviert. 1751 begannen die Abbrucharbeiten an der alten Kirche, am 5. Juli wurde der Grundstein gelegt, und bereits 1752 war der Bau im Wesentlichen vollendet. Das Südportal und das große Deckengemälde tragen das Datum 1752. Am 10. August 1753 konsekrierte der Augsburger Weihbischof Adelmann die Kirche und drei Altäre in Anwesenheit der Reichsprälaten Joseph Seitz vom Prämonstratenserkloster Ursberg und Melchior Gast von Wettenhausen. Die Ausstattung der Kirche erfolgte zügig im Zusammenhang mit den Bauarbeiten; als Hochaltar erwarb Pfarrer Friedrich Günzer 1751 einen erst 1707 augestellten Altar aus der Abteikirche des Reichsstifts Roggenburg, der dort wegen des Kirchenneubaus entbehrlich geworden war. Er tat seine Dienste am neuen Ort bis um 1775, als er stilistisch der Kirche angepasst wurde. 1819 wurde die Orgel vom rechten Seitenchor auf die obere Westempore verlegt. 1853, 1897/98, sowie 1970 außen und 1972/73 innen, wurde die Kirche restauriert. Die letzte Innenrestaurierung 2001/02 hat die Künstlerische Wirkung des Raumes zu neuer Geltung gebracht.

 

Zur Bedeutung von St. Michael

Pfarrkirche St. Michael

Unter den Pfarrkirchen des schwäbischen Rokoko – die in ihren Abmessungen natürlich nicht mit den großen Abteikirchen vergleichbar sind – nimmt die Krumbacher St.-Michaels-Kirche aufgrund ihrer markanten Stellung im Ortsbild, ihrer gediegenen-repräsentativen Außengliederung und des von ersten Kräften ausgestatteten, weiträumigen Inneren einen hervorragenden Platz ein. Entwicklungsgeschichtlich ist sie bemerkenswert als Bindeglied zwischen dem Schaffen Simpert Kraemers und dem seines Sohnes Johann Martin. In der Verbindung von tektonisch nüchterner Raumform und verschwenderischer Fülle der Ausstattung äußert sich eine typisch schwäbische Eigenart.

Dr. Heinrich Habel

 

Die Künstler von St. Michael

Die erwähnte Urkunde im Turmknopf nennt als Baumeister der Turmerhöhung den 70jährigen Simpert Krämer und als Zimmermeister Karl Klughammer, beide von Edelstetten.
Als Baumeister des Kirchenbaus von 1751/52 ist Johann Martin Kraemer (1713-1782) aus Edelstetten überliefert. Die mehrfach geäußerte Vermutung, sein Vater Simpert Kraemer habe den Plan entworfen, ist weder zu beweisen noch eindeutig zu widerlegen. Von 1740 an, als der Sohn in Deubach seinen ersten Kirchenbau aufführte, bis zum Tode des Vaters 1753 ist das Schaffen beider Meister kaum voneinander zu unterscheiden. Gemäß den Kirchenrechnungen dürfte Simpert Kraemer für den Turmbau, sein Sohn für den weiteren Kirchenbau verantwortlich gewesen sein; letzterer wird ausdrücklich auch als Stuckator genannt. Die Decken- und Emporengemälde, sowie die Kreuzwegstationen schuf einer der Hauptmeister des schwäbischen Rokoko, Franz Martin Kuen (1719-71) aus Weißenhorn, der hier erstmals – wie später noch mehrfach- mit J. M. Kraemer zusammenarbeitete.

Den Auftrag für den neuen Hochaltar erhielten 1775 die aus der namhaften Türkheimer Schreinerfamilie stammenden Brüder Johann Bergmüller und Franz Joseph Bergmüller, der gerade bankrott war und in der Werkstatt seines Bruders mitarbeitete. Die Fassung des Altars besorgten 1779 die Krumbacher Maler Lukas Schott und Jakob Fröschle (1742-82). Vielleicht stammen auch Kanzel und Gestühl aus der Bergmüllerwerkstatt. Den Zyklus der Apostelfiguren fertigte laut Kirchenrechnungen 1752 ein Bildhauer aus Babenhausen, die Fassung besorgte Schott. – Im Zuge der Kirchenrenovierung des mittleren 19. Jh. schuf Johann Baptist Dollenbacher (1815-66) aus Unterbleichen neue Altarbilder, der Krumbacher Bildhauer Joseph Hilber nach 1890 das Antependium und die Michaelfigur am Hochaltar, sowie Chorgestühl und Pietà. – Bei der letzten Innenrestaurierung 2001/02 hatte die Oberleitung Restaurator Johannes Amann aus Weißenhorn.

 

Die Orgel von St. Michael

Orgel in St. Michael

 

Die Glocken von St. Michael

 

Aktuelles Video des vollen Geläuts (zunächst Bilder der Kirche, dann Beginn des Geläuts bei ca. 2 Minuten):

https://www.youtube.com/watch?v=1oqF30uk_W8

 

Hörprobe volles Geläut (freier Download):

Bauplan des Glockenturms

 

 

 

 

 

Glocke 1:

 

Bild:

Hlg. Dreifaltigkeit

Text:

Herr, unser Gott, schütze unsere Stadt und alle Bewohner. Gib uns Frieden, Eintracht und Harmonie.

Rückseite:

Br. Michael Reuter goss mich am 18. April 2008 als Benedikt XVI Papst in Rom, Walter Mixa Bischof in Augsburg und Josef Baur Stadtpfarrer in Krumbach waren.

Im Kranz:

Gestiftet von Josef und Karin Mayer und den Kindern Josef, Christian, Markus und Jürgen.

Ton:

Gewicht:

3050 kg

Gußjahr:

2008

Gießer:

Br. Michael, Maria Laach

 

 

Glocke 2

Bild:

Michael

Text:

Du aber hl. Michael, stoße den Satan und alle bösen Geister hinab in den Abgrund der Hölle. Amen.

Rückseite:

Verleihe, o Herr, allen Wohltätern um deines Namens Willen das Ewige Leben. Amen.

Im Kranz:

Wir Schwestern wurden gegossen 1.3.1949 v. E. Gebhard als K. Weiss Stadtpfr., J. Baumgärtner Kirchenpfleger, F. Aletsee Bürgermstr. waren.

Ton:

d'

Durchmesser:

1375 mm

Gewicht:

1600 kg

Gußjahr:

1949

Gießer:

Gebhard, Kempten

 

Glocke 3

Bild:

Hl. Maria

Text:

Segne, du Maria, alle, die mir lieb. Deinen Muttersegen ihnen täglich gib. Deine Mutterhände breit auf alle aus, segne alle Herzen, segne jedes Haus.

Rückseite:

Gestiftet von den Frauen der Stadt Krumbach

Ton:

f'

Durchmesser:

1123 mm

Gewicht:

850 kg

Gießer:

Gebhard, Kempten

 

Glocke 4

Bild:

Jesus am Kreuz

Text:

Eine grössere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.

Rückseite:

Dem Andenken der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege 1914-18, 1939-45

Ton:

g'

Durchmesser:

1024 mm

Gewicht:

650 kg

Gußjahr:

1949

Gießer:

Gebhard, Kempten

 

Glocke 5

Bild:

Hl. Josef

Text:

Hl. Josef bitte für uns.

Rückseite:

Wir zwei Schwestern wurden im Jubeljahr 2003 von Bruder Michael in Maria Laach gegossen.

Im Kranz:

Gestiftet von Wilhelm Reiner

Ton:

b'

Durchmesser:

860 mm

Gewicht:

350 kg

Gußjahr:

2003

Gießer:

Br. Michael, Maria Laach

 

Glocke 6

 

Bild:

Hl. Johannes vom Kreuz

Text:

Hl. Johannes vom Kreuz - bitte für uns

Im Kranz:

Gestiftet von Pepi und Hans Diem

Ton:

c''

Gewicht:

230 kg

Gußjahr:

2007

Gießer:

Br. Michael, Maria Laach

 

Glocke 7

Bild:

Hl. Georg

Text:

Hl. Georg schütze und leite unsere Jugend

Im Kranz:

Gestiftet von Georg und Maria Hofmeister

Ton:

d''

Durchmesser:

690 mm

Gewicht:

150 kg

Gußjahr:

2003

Gießer:

Br. Michael, Maria Laach

 

Glocke 8

Bild:

Auferstandener

Text:

Tod wo ist dein Stachel, Tod wo ist dein Sieg?

Im Kranz:

Gegossen 1927 als Ersatz für die im Weltkrieg 14-18 abgegebene Glocke. Gebrüder Radler Lauingen.

Ton:

f''

Durchmesser:

567 mm

Gewicht:

120 kg

Gußjahr:

1927

Gießer:

Gebrüder Radler, Lauingen

 

Somit ergibt sich die Disposition: b° - d’ – f’ – g’ – b’ – c'' - d’’ – f’’