18:19:20
18:19:20
18:19:20

Augsburg, Hoher Dom

Die historischen Glocken

Das Glockenpaar im Nordturm

Der Glockenstuhl im Nordturm des Augsburger Doms birgt zwei sehr seltene, altehrwürdige Glocken aus dem 11. Jahrhundert. Sie sind in Bienenkorbform gegossen und werden in der Fachsprache auch als Theophilusglocken bezeichnet, da sie entsprechend den Glocken-Beschreibungen des Benediktinermönchs Theophilus, die um 1100 verfaßt wurden, gestaltet sind. Die Glocken besitzen als Besonderheit auf der Haube vier Öffnungen, die sogenannten Foramina. Die Bestimmung der Foramina wurde zunächst als Verbesserung des Schlagtons, später als Erzeugung schellenhafter Nebengeräusche gedeutet. Die erste Erwähnung des Augsburger Domgeläuts findet sich in den Aufzeichnungen des Bischofs Thietmar von Merseburg, der berichtet, daß während seiner Bischofsweihe in der Kapelle des Bischofs Bruno von Augsburg (1006-1029) im Dom alle Glocken zur Messe geläutet haben. Es läßt sich allerdings nicht definitiv entscheiden, ob die beiden Bienenkorbglocken damals schon existiert haben. Sie stammen eher aus der Zeit der zwischen 1070 und 1075 durchgeführten Erhöhung der Domtürme.

Im Volksmund werden diese Glocken "Silberglocken" genannt. Der Name rührt daher, daß sie nicht nur zu den Gottesdiensten, sondern auch zur Empfangnahme der Präsenzgelder der Domherren geläutet wurden. Das historisch sehr bedeutsame Glockenpaar wird bis heute von Hand geläutet. Es erklingt nur sehr selten zu besonderen Anlässen und hohen Festtagen.


Technische Daten:

Glocke 7 (Nordturm)

Durchmesser 915 mm
Gewicht ca. 400kg
Schlagton b' -3/16

Glocke 8 (Nordturm)

Durchmesser 895 mm
Gewicht ca. 390 kg
Schlagton a' +2/16

Domglocke Nord 1
Domglocke Nord 1
Domglocken
Domglocken
 

Glockengeläut

audio/mpeg
kurz (mpeg / 157,82 kB)
audio/mpeg
länger (mpeg / 845,16 kB)

Die Glocke "St. Maria" im Südturm

Von historischer Bedeutung ist ferner die große Glocke im Südturm des Domes. Sie trägt den Namen "St. Maria" und wurde 1652 zur Zeit des Bischofs Sigismund Franz, Erzherzog von Österreich und Markgraf von Burgau, von den lothringischen Wandergießern Jean Gerard und Tobi de la Paix de La Mothe gefertigt, die diesen bedeutenden Auftrag trotz des Einspruchs des einheimische Gießers Johannes Herold erhielten. Die Glocke besitzt eine sehr schöne Bildzier, deren Model zum Teil speziell für diesen Guß neu gefertigt wurden. Klanglich bildet sie die Grundglocke des heutigen Hauptgeläuts, dessen fünf weitere Glocken 1946 in der Gießerei Wolfahrt in Lauingen hergestellt worden sind.

Technische Daten:

Glocke 1 (Südturm)

Glocke "St. Maria"
Durchmesser 1695 mm
Gewicht ca 2850 kg
Schlagton h0 -6/16

Domglocke Südturm 1
Domglocke Südturm 1
Domglocke Südturm 2
Domglocke Südturm 2

Glocke 2 (Südturm)

Chorglocke "St. Ulrich"
gegossen 1946 von der Gießerei Wolfart / Lauingen
Durchmesser 1385 mm
Gewicht 1594 kg
Nominal d' -3

Glocke 3 (Südturm)

Angelusglocke "St. Petrus Canisius"
gegossen 1946 von der Gießerei Wolfart / Lauingen
Durchmesser 1235 mm
Gewicht 1151 kg
Nominal e' +1

Glocke 4 (Südturm)

Messglocke "St. Gualfardus"
gegossen 1946 von der Gießerei Wolfart / Lauingen
Durchmesser 1096 mm
Gewicht 846 kg
Nominal fis' +2

Glocke 5 (Südturm)

Vaterunserglocke
gegossen 1946 von der Gießerei Wolfart / Lauingen
Durchmesser 925 mm
Gewicht 494 kg
Nominal a' +2

Glocke 6 (Südturm)

Sterbeglocke
gegossen 1946 von der Gießerei Wolfart / Lauingen
Durchmesser 818 mm
Gewicht 348 kg
Nominal h' -3