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Pfarrei

„Für die Menschen der Pfarrei immer ein Ansprechpartner“ - Hildegard Miller ist seit 40 Jahren Pfarrhaushälterin

29.07.2016 13:50

Heute gibt es Pfarrer Gomms Lieblingsgericht: Fleischküchle mit Kartoffelsalat. Ein gewöhnlicher Mittwochvormittag Ende Juli in Sonthofen im Oberallgäu. Ausgerüstet mit einem silbernen Pfannenwender rettet Hildegard Miller die kleinen Frikadellen vor dem Anbrennen in der Pfanne.

„Das Kochen ist meine Lieblingsbeschäftigung“, sagt Pfarrhaushälterin Hildegard Miller. Aber ihr Beruf beinhaltet weitaus mehr als nur Kochen und Putzen. (Foto: Maria Steber/pba)

Heißes Fett spritzt dabei auf, genau auf das hellblaue Schürzl von Frau Miller, das mit der feinen Spitzenbordüre oben und den kleinen Blumenornamenten unten. Unbeirrt davon redet die Pfarrhaushälterin einfach weiter, denn solche Dinge wie mit dem Fett stören Hildegard Miller längst nicht mehr. Seit vierzig Jahren ist sie nun schon Pfarrhaushälterin vom inzwischen pensionierten Pfarrer Gebhard Gomm, hat ihn auf seinen unterschiedlichen Stationen durch die ganze Diözese begleitet: „Mindelheim, Pfaffenhausen, Nördlingen, Wiggensbach und jetzt eben Sonthofen“, erzählt sie. „Als Pfarrhaushälterin hat man ganz unterschiedliche Aufgaben. Waschen, Bügeln, Einkaufen und Putzen“, zählt Frau Miller auf. „Das Kochen ist meine Lieblingsbeschäftigung“, sagt sie schmunzelnd. Bereut habe sie ihre Berufsentscheidung nie, der Haushalt habe ihr immer Spaß gemacht. „Ich hätte es nicht besser treffen können“, sagt sie heute noch voller Überzeugung.

Und dennoch: Nicht immer sei alles eitel Sonnenschein, die vielen Ortswechsel nicht immer einfach gewesen, sagt Hildegard Miller. Aber auch das sei normal, findet sie. „Ich habe mir jeden Ort zum Zuhause gemacht“, das sei ihre und auch Pfarrer Gomms Devise immer gewesen. „Man muss einfach raus gehen zu den Leuten, offen sein“, sagt Miller, „dann fühlt man sich überall schnell heimisch“.

Den vielen Kontakt, den sie als Pfarrhaushälterin zu den Menschen all die Jahre über haben durfte, schätzte sie dabei besonders. „Wenn im Pfarrbüro keiner mehr da war, haben die Menschen bei mir geklingelt“, erinnert sich Hildegard Miller und an die vielen Bekanntschaften, die daraus entstanden seien. Gerne denkt sie auch an die vielen Ministranten-Zeltlager, die Pfarrer Gomm betreut hat, zurück. „Ich war dann immer als Köchin dabei, meistens für über siebzig Jugendliche. Das war eine nette Zeit.“

Pfarrer Gomm ist Hildegard Miller für ihre Dienste als Pfarrhaushälterin dankbar: „Ich wollte an jedem Ort, an den ich neu gekommen bin, immer ein Zuhause haben. Außerdem war mir wichtig, dass für die Menschen der Pfarrei immer ein Ansprechpartner da war. Das ist einfach persönlicher als ein Anrufbeantworter“, findet der Pfarrer und verschwindet wieder in die Küche. Dort ist Hildegard Miller immer noch mit den Fleischküchlein beschäftigt. Ob da auch Knoblauch drin ist? Wohl kaum. „Knoblauch und Kässpatzen sind ein rotes Tuch für Pfarrer Gomm“, das weiß Hildegard Miller nach vierzig Jahren.                

Maria Steber