„Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“ Bericht zum 17. NGL-Workshop des Bistums Augsburg in Meran vom 26.6.-29.6.2025
Bericht zum Workshop
„Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“
17. NGL-Workshop des Bistums Augsburg in Südtirol vom 26. - 29. Juni 2025
„Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“
Wenn innerhalb weniger Stunden der schwäbische, allgäuerische oder bayerische Dialekt in der Stimmenvielfalt unter den Gästen im Kolpinghotel Meran die Oberhand gewinnt – dann kann man sicher sein, dass der Beginn des NGL-Workshops unmittelbar bevorsteht.
Fast 90 Sängerinnen und Sänger waren wieder mit freudiger Erwartung angereist und fieberten den neuen Liedern der anwesenden Komponisten Robert Haas, P. Norbert M. Becker und Stefan Nerf entgegen.
Gemeinsames Singen braucht als Vorbereitung stets ein gutes Ankommen, Da-Sein der Sänger*innen, nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit Seele und Geist. Mit einer wunderschönen und gleichsam nachdenklich machenden Erzählung stimmte uns P. Norbert M. Becker ein:
In einem ehrwürdigen Haus der Worte trafen sich die großen Worte der Welt (wie Gerechtigkeit Freiheit, Liebe, Trauer, Hass, Ehre, Stolz, Sicherheit, Stille, Frieden usw.) zu ihrer Jahreskonferenz: Frieden war in diesem Jahr ganz bedrückt und müde. „Überall werde ich gerufen – aber niemand wartet wirklich auf mich. Alle reden sie von mir und über mich“, sagte der Frieden, „doch nur so, wie sie es sich halt vorstellen. Wahrer Friede beginnt doch nicht mit einem Vertrag, einer Verpflichtung oder Schweigen. Frieden beginnt mit Innehalten, mit einer Pause.“ Da redeten die großen Worte alle durcheinander. Doch der Frieden bat alle um ein paar Minuten Stille. Und für einen Moment – genau drei Minuten – war es ganz still im Haus der großen Worte. Da durchbrach Liebe die Stille und sagte leise, doch mit großer Klarheit: „Das ist es. Wir sollten diese Erkenntnis zu den Menschen tragen: Dass schon eine kleine Zeit des Verzichts – auf Rechtbehalten, auf Macht, auf Vorsprung – und Zeit der Besinnung auf Wesentliches ein Weg sein kann, dem Frieden zu seiner Wirklichkeit zu verhelfen.“ Die großen Worte nickten oder lächelten still. Etwas ganz Besonderes war entstanden:
Ein Raum. Ein Innehalten. Ein Anfang.
Mit der richtigen Haltung kann in wenigen Minuten etwas wachsen, das – verbunden mit dem, was andere in sich tragen – den Frieden lebendig werden lässt.
Diese berührende Erzählung begleitete mich durch den Chorworkshop. Irgendwann kam mir folgender Satz von Wolfgang Amadeus Mozart in den Sinn: „Die Stille zwischen den Noten ist genauso wichtig wie die Noten selbst.“ Die Stille, die Pausen zwischen den Noten, sie geben dem Musikstück erst eine ganz besondere Spannung und Einzigartigkeit. Da musste ich schmunzeln. Mit welcher Freude und Inbrunst habe ich doch schon so manche, eigentlich kurze Note lang gesungen, auch über ein Pausenzeichen hinweg. Ganz nach dem Motto: Ist die Note richtig getroffen und klingt, dann freut sich das Sängerherz und kostet es eine Weile aus. Aber das nimmt dem Stück viel von seinem Ausdruck, seiner Lebendigkeit.
Die Erzählung von P. Norbert aber auch der Satz von W. A. Mozart sind für mich gute Impulse: „Achte auf die Stille, die Pausen“ – im Gesang wie im alltäglichen Leben“.
Kriege, Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen z.B. in Palästina, in der Ukraine und an so vielen anderen Orten der Welt machen deutlich, wie sehr der Friede bedroht ist. Was können wir dagegen tun? Was ist unsere Haltung? Können Lieder dagegenhalten, sensibilisieren oder ermutigen? Ich meine: JA. In verschiedenen Liedkompositionen von P. Norbert M. Becker und Robert Haas wird die Sehnsucht nach Frieden, nach notwendiger Veränderung spürbar. So heißt es in Liedtexten: Wenn lärmende Parolen die Menschenwelt durchdröhnen – auf leise Worte setzen. Wenn durch das blinde Wüten, die Brücken weithin bersten – gleichwohl auf Freundschaft setzen. Oder: Unsere Kraft ist Gemeinschaft, die verbindet und trägt, wo aus allen Kulturen ein starkes Netz entsteht.
Deshalb ist es immer wieder von neuem ein großes Geschenk, wenn Robert Haas und P. Norbert mit uns ihre Gedanken zur Entstehungsgeschichte ihrer Lieder und Liedtexte teilen. Dies hilft, die so verstandenen Lieder noch bewusster, klarer und tiefgründiger zu singen.
Dadurch wird Musik und Gesang zu echter Friedensarbeit.
Dass Musik die Menschen verbindet, das wurde in diesen Tagen immer wieder spürbar. Die Gesangsstimmen fanden immer mehr zusammen, erfüllten den Raum mit einem wunderschönen, vielfarbigen Klang. Sehr persönliche Gespräche unter den Sänger*innen, Ausgelassenheit und Lebensfreude verbunden mit gegenseitiger Achtsamkeit prägten diese so beseelten Tage. Mit dieser Haltung und Dynamik lief alles auf den Höhepunkt - den gemeinsamen Gottesdienst mit unseren Liedern in der Kirche St. Joseph in Algund - zu.
Das Halleluja von Stefan Nerf ließ mit Stimmenklang und -freude der Sänger*innen spürbar werden, was das Lied ausdrücken will: Ich will den Herrn loben.
Wie hat es Stefan Nerf nach dem Gottesdienst ausgedrückt? „Mit eurem Gesang ist der Funke auf die Gottesdienstbesucher übergesprungen. Euer Gesang hat die Menschen berührt.“
Ganz erfüllt nach diesem Gottesdienst wurden wir – von den engagierten, freundlichen Mitarbeitern des Kolpinghotels - mit einem für Augen und Gaumen wunderbaren Buffett überrascht. In froher Runde haben wir den Abend natürlich nicht zu früh ausklingen lassen.
Gestärkt durch diese schönen Chortage gingen wir beschwingt und ermutigt in unseren Alltag zurück:
„Gehen wir nicht nur im Frieden – sondern singen wir für den Frieden“.
Doris Schwarz
Der Chorworkshop war von A bis Z wunderbar organisiert. Tolle Menschen, tolles Essen, und darüber hinaus wurden neue Freundschaften geknüpft und Wiedersehen gefeiert.
Es ist faszinierend, wie 90 Individuen, die sich teilweise nicht kennen, am Schluss zusammenklingen – einfach magisch.
Carina Pusch
Ein musikalisches Wohlfühlwochenende!
Der NGL Workshop in Meran war für mich ein rundum Wohlfühlpaket:
Herrliches Ambiente, nette Menschen, neue, zu Herzen gehende Klänge und motivierte, fröhliche Dozenten.
Ich freue mich schon auf den 18. NGL Workshop im Kolpinghotel Meran 2026.
Elisabeth Butscher-Reck