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Nacht der offenen Kirchen in Mindelheim

22.03.2011 12:55

In den verschiedenen Kirchen, Kapellen und kirchlichen Räumen unserer Mindelheimer Innenstadt gab es am 25. März 2011 von 19.30 bis 23.00 Uhr ein vielfältiges geistliches, musikalisches und kulturelles Programm, an dem sich die unterschiedlichsten Gruppen unserer Pfarrei beteiligten.

Hier finden Sie das Programm im Überblick:

Das Projekt „ERleuchtet“ der katholischen Pfarrgemeinde lockte am Samstag Scharen von Menschen an und brachte Licht ins Dunkel der Nacht und der Herzen Von Eva-Maria Frieder

An einem ganz normalen Märzabend ist die Kreisstadt normalerweise wie ausgestorben. Sobald es dunkel wird, werden die Bürgersteige hochgeklappt. Anders am Samstag. Zum einen wurde es nicht wirklich dunkel in der Altstadt, weil auf Plätzen, Stufen und in vielen Eingängen Kerzen flackerten und Fackeln leuchteten. Zum anderen waren bis Mitternacht Scharen von Menschen unterwegs, darunter auch auffallend viele junge, um sich von der „Nacht der offenen Kirchen“ verzaubern zu lassen.

Nicht einmal Stadtpfarrer Andreas Straub, ein erklärter Optimist, hatte einen solch grandiosen Erfolg der Veranstaltung erwartet. Begünstigt wurde sie durch den ersten warmen Frühlingsabend im Jahr. Was geboten wurde, war außergewöhnlich. Sieben Kirchen und Kapellen sowie das Pfarrheim hatten ihre Pforten weit geöffnet. Überall flimmerten die Lichtspuren vieler hunderter kleiner Kerzchen – allein in St. Stephan 900 Stück – , die den Weg wiesen zu geistlichen, musikalischen und kulturellen Events.

„Da musst Du unbedingt hin!“

Immer wieder stieß man auf Leute, die sich – nachdem sie sich in der Dunkelheit erkannt hatten – freudig begrüßten: „Warst du da/dort schon? Musst du unbedingt hin!“ Eltern mit Kindern waren unterwegs, unter mancher Laterne standen Leute, die das Programm zu entziffern und sich zu entscheiden versuchten, wo es jetzt etwas zu erleben gab, weil sie nichts verpassen wollten.

Am Eingang zur Frundsberggruft warteten geduldig ganze Menschentrauben auf die nächste Führung. Vor der Gruftkapelle prasselte ein Feuerchen, um das sich ebenfalls Wartende scharten.

Dort unten bot der Philosophiekurs des Maristenkollegs eine szenische Lesung mit Texten eines Mystikers aus dem 16. Jahrhundert; untermalt von dunkel vibrierenden Celloklängen, ging es darin um die Nacht und das Dunkel der menschlichen Seele, die – ebenso wie das Holzscheit im Feuer – bis in die Tiefe hinein durchbrannt werden kann, um gereinigt und erleuchtet daraus hervor zu gehen. Zauberhaft präsentierte sich die Pfarrkirche: Sie war erfüllt von einem feinen, zwischen tiefem Blau und rosigem Rot changierenden Nebel. An den Decken und Wänden wanderten zarte Lichtspiele herum. Flirrende, blinkende Lichterwege zogen sich durch die ganze Kirche.

Dazu sangen (ähnlich wie in der Jesuitenkirche) wechselnde Chöre, begleitet von Orgel und Violine. Es gab Betrachtungen zum eindrucksvollen Fastentuch, das den Hochaltar in der Fastenzeit verhüllt. Besonders spannend waren die Einblicke in Räume, die sonst kaum zugänglich sind: In die Ignatiuskapelle der Jesuitenkirche, ein wahres Kuriositätenkabinett voller Heiligen- und Engelsfiguren; in die Michaelskapelle, wo Musik und nachdenkliche Texte sich ergänzten; oder in das Heilig-Kreuz-Kloster, wo zwar die Kapelle nicht geöffnet war, aber seelsorgliche Einzelgespräche angeboten und auch vielfach angenommen wurden. Im Pfarrheim war der Tisch, an dem Kinder Osterkerzen verzieren durften, ständig umlagert, während man im Vorraum mit Tee und Kuchen bewirtet wurde. Überall herrschten Gedränge und ein ständiges Kommen und Gehen, aber jeder bemühte sich, leise zu sein und die Veranstaltungen nicht zu stören. Schlusspunkt war die musikalische Lichtfeier in St. Stephan gegen 23 Uhr, wo sich die Besucher noch einmal zusammenfanden, um gemeinsam das Dunkel der Nacht, des Kummers und der Sorge aus den Seelen zu vertreiben und der Hoffnung auf Erleuchtung Ausdruck zu verleihen.

Von Eva-Maria Frieder, Mindelheimer Zeitung

MZ-Fotos von der Nacht der Kirchen

mindelheimer-zeitung.de/bilder