Göttliche Momente mitten im Urlaub - Seit fast 20 Jahren ist Josef Hofmann Touristen- und Kurseelsorger im Allgäu
Die Menschen hat Josef Hofmann immer im Blick. Sein Schreibtisch ist ausgerichtet auf die belebte Hauptstraße im Herzen von Oberstaufen, ein beschaulicher Urlaubsort mitten im Allgäu, umsäumt von Berghängen und grasenden Kühen, die mit ihren Glocken auch in der Mittagshitze den leisen Takt des Ferienortes vorgeben. Rund um die Pfarrkirche gegenüber von Hofmanns Büro zeichnen Häuser mit schweren, hölzernen Fensterläden und Balkonkübeln voller Sommerblumen ein buntes, heiteres Bild: Postkartenidylle.
Seit 1998 ist Josef Hofmann als Kur- und Touristenseelsorger für das Wohl der Urlauber in Oberstaufen zuständig, will ihnen Möglichkeit geben, ihrem Glauben nachzuspüren: „Wir möchten den Reisenden Gutes tun, wir wollen Kraftorte sein für die Menschen.“ Berggottesdienste, Kirchenführungen, Wanderungen auf dem Kapellenweg, spirituelle Mondscheinspaziergänge oder Walderlebnisse – das Angebot, das die ökumenische Kur- und Touristenseelsorge in Oberstaufen auf die Beine stellt, reicht weit. Auch an den drei anderen Standorten der diözesanen Kurseelsorge ist dies der Fall: in Oberstdorf, Bad Wörishofen und im Füssener Land.
Die Schöpfung Gottes und ihre Schätze zu erkennen und zu nutzen seien dafür besonders wichtig, sagt der Pastoralreferent. Den Kapellenweg mit fast 30 Kirchen in der Umgebung führt er als Beispiel an: „Auf kürzeren und längeren Wegstrecken machen wir uns gemeinsam mit den Touristen auf den Weg, geben Erklärungen zu den Kapellen und setzen Impulse zu Themen wie Aufbruch, Pilgern oder den Heiligen“.
Das Gewicht liege auf der Gemeinschaft, dem gemeinsamen Sprechen und Schweigen. „Die meisten Teilnehmer haben einen wahnsinnigen Gesprächsbedarf, sind sehr offen“. Von der Partnerschaft über besondere Lebenssituationen bis hin zu Glaubens- und Sinnfragen reichten die Probleme. „Hebammenkunst“, nennt Hofmann es, die Menschen darin zu begleiten, entsprechende Fragen zu stellen und dabei nicht indiskret zu sein, „einfach Seelsorger sein“. Auf seiner blauen Couch, die einladend in der Ecke seines Büros steht, hätten schon so einige reinen Tisch machen wollen, „mehrere wollten schon eine Generalbeichte bei mir ablegen“, schildert er, erfreut über die Offenheit der Touristen, die vielfach auch Kirchendistanzierte seien.
Auf den Erfolg seiner Veranstaltungen ist Josef Hofmann heute stolz, fast von Null hätte er 1998 angefangen: „Wie wichtig Werbemaßnahmen, Marketing und die Vernetzung mit der Gemeinde, dem Tourismusbüro oder den Bergbahnbetrieben für den Erfolg ist, habe ich erst im Laufe der Zeit gelernt.“ Bis zu fünfzehn Urlauber gehen heute bei den Kapellenwanderungen mit und auch die anderen Angebote laufen gut. Warum? „Die Menschen erleben Kirche hier mal ganz anders als gewohnt. Und im Urlaub haben sie auch einfach Zeit, über Gott und ihr Leben nachzudenken“, sagt Hofmann, der in dieser Art von Seelsorge ein großes Potenzial erkennt.
Josef Hofmann will Gott den Menschen näher bringen. In seinem Büro hängt Michelangelos Bild „Die Erschaffung Adams“. Die göttliche und menschliche Hand berühren sich darauf.
Maria Steber
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