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Schule und Religionsunterricht

„Das Herz junger Menschen bilden“ - Die Schule ist ein wichtiges Feld, um den Glauben zu vermitteln

31.07.2015 12:00

Ursula Weismantel und Anja Müller, Tobias Lachenmayr und Raphael Hupe haben eines gemeinsam: Sie zählen zu den mehr als 100 Religionslehrern/-innen, denen Weihbischof Anton Losinger vor kurzem in einem festlichen Gottesdienst die „Missio canonica“ verliehen hat. Die Überreichung der kirchlichen Lehrerlaubnis bedeutete zugleich das Ende einer jahrelangen Ausbildung an der Universität und im Bistum Augsburg.

Von links: Tobias Lachenmayr, Raphael Hupe, Anja Müller und Ursula Weismantel. (Foto: Karl-Georg Michel/pba)

Warum Sie dieses Fach unterrichten wollen? Was das Besondere an diesem Beruf ausmacht? Karl-Georg Michel hat mit den vier „Neuen“ gesprochen. Lange überlegen müssen sie dabei nicht. Es sprudelt förmlich aus ihnen heraus – schließlich haben alle vier bereits erste Erfahrungen an verschiedenen Schulen gesammelt. „Im Religionsunterricht besteht die große Herausforderung darin, den Lehrplan mit dem Leben der Schüler zu verknüpfen“, meint Ursula Weismantel. Sie ist Lehrerin an einer Grund- und Mittelschule und erklärt das am Thema Asyl. „Das betrifft meine Schüler, da ist Spannung drin.“ Deshalb sei der Religionsunterricht auch ein Fach, das alle Schüler ins Boot holen könne, meint Realschullehrer Tobias Lachenmayr, und zwar jenseits des Leistungsdrucks, der sonst oft in der Schule herrsche.

An Berufsschulen – aber sicher nicht nur da –, kommt noch etwas anderes dazu. Das hat Raphael Hupe in seinem schulischen Umfeld erfahren, wenn er vom Mut spricht, heiße Eisen mit offenem Visier zu behandeln. Es sei wichtig, dabei eine christliche Perspektive zu vermitteln, Orientierung und ein Gerüst fürs Leben. „Dann kommen die Schüler zu einem eigenen Urteil“, ist er überzeugt.

Um sein rechtes Handgelenk hat er eine Kette mit vielen bunten Perlen. „Das ist eine Glaubenskette“, erklärt er. Jede Perle stehe für ein bestimmtes Gebet. So könne jeder seine eigene Kette zusammenstellen. Er sei von Schülern schon gefragt worden, ob er ihnen auch so eine Kette „bauen“ könne. Oder ob er ein „Vater Unser“ mit ihnen betet. „Haben Sie mal zwei Minuten für mich“, sei oft die Frage von Schülern, wenn sie mit Problemen zu ihm kämen. „Manchmal sind wir als Religionslehrer auch einfach nur Sozialarbeiter.“

Außerdem seien Religionslehrer oft die einzigen, die den Schülern überhaupt noch den Glauben vermitteln, berichtet Gymnasiallehrerin Anja Müller von ihren Erfahrungen. Und Raphael Hupe ergänzt: „Wir stellen den Schülern dabei die Frage, in welcher Welt sie leben wollen.“

Genau aus diesem Grund sei sie auch Religionslehrerin geworden, unterstreicht Ursula Weismantel. „Um den Blick der jungen Menschen zu weiten und ihr Herz zu bilden. Damit sie ihre Augen und Ohren offen halten für die Dinge, die in unserer Leistungsgesellschaft die eigentlich wichtigen sind.“

Dabei sei es entscheidend, auch selber die Botschaft Jesu zu leben und ein Vorbild für die Schüler zu sein, ist Anja Müller überzeugt. „Wenn die eigene Persönlichkeit damit nicht übereinstimmt, merken die Schüler das sofort.“ Ursula Weismantel nennt dafür einen zentralen Dreh- und Angelpunkt: „Den eigenen Gottesbezug, den man immer lebendig halten muss. Gott lieben, jeden Tag neu“. Raphael Hupe hat dafür einen ganz besonderen Begleiter gefunden: den Heiligen Geist. „Er hilft mir, den Glauben in meinem Leben zum Klingen zu bringen.“

Ausführliche Informationen zum Berufsbild von Religionslehrern/-innen gibt es in der Abteilung Schule und Religionsunterricht.