Benedikt Bonelli an der historischen Hindelang-Orgel der Pfarr- und Stiftskirche St. Peter und Paul in Oberstaufen
"Echoklänge auf Bach und Händel" ist der Titel einer neuen Orgel-CD, die Benedikt Bonelli, Chordirektor und Kirchenmusiker an St. Lorenz in Kempten hat einer der bedeutendsten spätromantischen Orgeln unserer Diözese Augsburg und wohl auch darüber hinaus eingespielt hat - an der Hindelang-Orgel der Pfarr und ehemaligen Stiftskirche St. Peter und Paul in Oberstaufen im Allgäu:
Das 1919/1920 erbaute Instrument zählt zu den wenigen, fast unverändert erhaltenen Großorgeln aus der Zeit des Ausklangs der Spätromantik in Süddeutschland. Ob seiner klanglichen und handwerklichen Qualität ist es nicht vermessen, bei diesem Instrument von einer hochbedeutenden Denkmalorgel zu sprechen. Mit 47 Registern, die sich auf drei Manuale und Pedal verteilen, ist das Werk zudem das wohl größte erhaltene Instrument der heute nicht mehr existierenden Orgelbauwerkstatt Hindelang aus Ebenhofen im Ostallgäu. Die kathedralartige Akustik der Oberstaufener Pfarrkirche bringt den Klang dieser Orgel wunderbar zur Geltung. Orgelmusik aus der Zeit der Spätromantik kann hier auf fantastische Weise und sehr authentisch interpretiert werden. Die Orgel auf der Westempore der Kirche ist mit ihrem relativ schlichten Freipfeifenprospekt gestalterisch sehr geschickt als dezent akzentuierende Umrahmung der westlichen Fensterrosette der Kirche konzipiert.
Der Interpret der CD, Bendikt Bonelli, hat ein interessantes Literaturprogramm für die CD zusammengestellt: Spätromantische Reminiszenzen verschiedener Komponisten auf die barocken Großmeister Bach und Händel erklingen auf dem Oberstaufener Instrument in vielfältiger, farbenreicher und virtuoser Interpretation. Diese Literaturauswahl kommt dem Instrument sehr entgegen, da die Disposition einerseits durch eine große Vielfalt an grundtönigen Registern einerseits noch über den romantischen Klangfundus verfügt, andererseits weisen nicht wenige helle Stimmen, Aliquoten und Mixturen, zurück in die Barockzeit und gleichzeitig voraus in die um 1920 anhebende Phase des Neobarocks im Orgelbau und in der Orgelkomposition:
Sigfrid Karg-Elert: Variationen E-Dur „Der harmonische Grobschmid“ aus der Suite Nr. 5 für Klavier HWV 430 von Georg Friedrich Händel
Georg Friedrich Händel: Konzert B-Dur für Orgel und Orchester op. 4/2 für Orgel allein bearbeitet von Samuel de Lange (1840–1911)
Tempo ordinario e staccato – Allegro - Adagio - Allegro, ma non presto
Arno Landmann: 5 Variationen über ein Thema von Georg Friedrich Händel, op. 29
Ottorino Respighi: aus: Tre pezzi per organo: Nr.6 Preludio in Re Minore, Nr. 7 Preludio in La Minore sopra un Corale di Bach (Ich hab mein Sach’ Gott heimgestellt
Sigfrid Karg-Elert: Zwei Bach-Bearbeitungen für Orgel: Echo aus der Partita für Klavier h-moll BWV 831, Adagio (Air célèbre) aus der Orchester-Suite D-Dur BWV 1068
Franz Liszt: Präludium und Fuge über B-A-C-H (Fassung 1870)