Kirche "St. Andreas" Prettelshofen

Kirche St. Andreas Prettelshofen

 

Geschichtliches

Der Domkapitular Konrad von Biberbach überließ 1260 das Besetzungsrecht für den Pfarrer der Augsburger Domcholasterie, Domschola, welcher die Pfarrkirche 1530 inkorporiert, einverleibt, wurde. Im 17. Jahrh. ist der Ort zur Fuggerherrschaft Biberbach gekommen zu sein. Eine Vorgängerkirche, wurde im Jahre 1700 durch den heutigen völligen Neubau ersetzt. Baumeister war Valentin Brenner aus Günzburg. Doch die Ausstattung der Kirche dauerte noch Jahrzehnte, so dass die Kirche erst 1783 eingeweiht werden konnte. Sie ist reich an Kunstschätzen, die zum Teil auch später dem Gotteshaus gespendet wurden. Wir werden alle erwähnen und Kurzbiographien der entsprechenden Heiligen beifügen. Denn sie haben auch heutigen Menschen Wichtiges zu vermitteln. Sie sind die gelebte Botschaft Jesu Christi.

 

Der Chorraum

Der barocke Hochaltar ist aus Holz, gefaßt von Balthasar  Aman aus Wertingen, 1709. Das Unterteil des Altares, ebenso der Tabernakel. sind allerdings neubarock, 1890. Im Tabernakel werden die Heiligen Hostien für die Krankenkommunionen aufbewahrt. Dort weilt Christus Tag und Nacht in unserer Mitte. Um diese ständige Gegenwart sichtbar zu machen, brennt immer die rote Ewiglichtlampe.

In der Aussetzungsnische des Tabernakels ist ein in Gold gefaßtes Holzrelief vom Abendmahl Jesu zu sehen. In die Seitenteile des Altars  ist je ein kostbarer Reliquienschrein eingelassen. Reliquien sind, wie das Wort sagt, Überreste der Heiligen. Das können Teile der Gebeine sein, aber auch Kleidungsstücke, die die Heiligen getragen haben. Sie sollen den frommen Verehrern in eine noch nähere Beziehung zum Heiligen bringen, da gleichsam der Heilige handgreiflich da ist.

Das Altarblatt zeigt die Himmelfahrt Jesus inmitten der Apostel. Unser Kirchenpatron der Hl. Apostel Andreas, ist durch das Andreaskreuz aus der Schar der Apostel auf der linken Seite zu finden,  Öl auf Leinwand 1891 wohl von J. Fischer.

Der Hl. Andreas war Bruder des Hl. Petrus und stammte aus Bethsaida. Von Beruf war er Fischer. Er wird der Erstberufene genannt, denn zunächst war er Jünger des Täufers Johannes. Auf dessen Hinweis hin folgte er Jesus und führte dem Herrn seinen BruderPetrus zu. Nach Pfingsten soll er indas Gebiet des Schwarzen Meeres gegangen sein und predigend auch Griechenland bereist haben. Unter Kaiser Nero wurde er 60 n. Chr. des Glaubens willen zum  Tode am schrägen Kreuz (Andreaskreuz) verurteilt. Er wird vor allem in der Orthodoxen Kirche hoch verehrt, ähnlich wie bei uns Petrus und Paulus.

Vor der rechten Altarsäule steht die Figur des Hl. Johannes Nepomuk, 1729, von J. Höchstetter., in der Kleidung eines Geistlichen, mit Birett, liebevoll ein Kreuz umfassend.

Er war Generalvikar in Prag, ein hochgebildeter und berühmter Prediger, Beichtvater der Königin. Doch König Wenzel IV war nicht nur ein jähzorniger, grausamer, tyrannischer Herrscher, sondern auch überaus eifersüchtig. Er wollte von Johannes Nepomuk erfahren, was die Königin gebeichtet habe. Als der Priester, getreu dem Beichtgeheimnis, jede Aussage verweigerte, wurde er grausam gefoltert. Der König soll selbst mit brennenden Fackeln ihn gepeinigt haben. Schließlich ließ er ihn gefesselt von der Karls-Brücke in Prag in den Fluß Moldau werfen, wo er ertrank. Das war im Jahre 1393. Auf wunderbare Weise fing der Leichnam des Heiligen zu leuchten an und wurde an Land gespült. In einer feierlichen Prozession führte das Volk Nepomuk zum Dom, wo er seine letzte Ruhe fand. Er gilt als der Patron der Schiffer, Müller und ist bei uns vor allem als Brückenheiliger bekannt.

Teile seines Lebens werden in den 4 Medaillons im Chorgestühl, um 1750, geschildert. Auf der rechten Seite, Südseite, Nepomuk hört die Beichte der Königin. Gegenüber auf der linken Seite, Nordseite, Nepomuk predigt den vielen Leuten, wieder auf der rechten Seite, Nepomuk wird mit Feuer gequält, in Hintergrund die Karls-Brücke in Prag, wieder auf der linken Seite, Nepomuk in der Glorie des Himmels als Märtyrer des Beichtgeheimnisses. Daher trägt er die Siegespalme in seiner Hand.

Vor der linken Altarsäule steht die Figur des Hl. Franz Xaver, ebenfalls 1729 von J. Höchstetter.

Der Heilige  Franz Xaver war einer der ersten Männer, die sich dem Hl. Ignatius von Loyola als Jesuit angeschlossen haben. Er wurde  von Ignatius 1540 zur Mission nach Indien geschickt und gilt als Begründer der Mission des Fernen Ostens. Er missionierte unermüdlich und soll in den 10 Jahren seiner Tätigkeit 30.000 getauft haben. Daher die Taufmuschel in seiner Hand.  Er kam auch bis Japan und wollte sogar in China die Botschaft Christi bringen. Doch auf der Reise dorthin verstarb er auf der einsamen Insel Sancian vor Kanton 1552. Er gilt neben dem Hl. Paulus als der größte Vökerapostel.

Im oberen  Teil des Altares, Auszug, flankieren Engel, 1709, die Initialen JesuChristi, die auf dem Herzen ruhen, Zeichen dafür, dass Jesus Christus das Herz Gottes, die Liebe, in dieser Welt sichtbar gemacht hat. Nach seinen Worten: Wer mich sieht, der sieht den Vater.

Das Antipendium des Hochaltares zeigt die Anbetung der Hl. Drei Könige,    1917, von P. Kronwitter.  Im Tabernakel ist Jesus als ganzer Gott und Mensch in unserer Mitte. Wie die Könige sollen auch wir Jesus verehren und anbeten, denn nie ist ein Mensch größer, als wenn er vor Gott niederkniet und Gott anbetet.

Das Deckenfresko, im Stil der Nazarener  1891, zeigt Mariä Verkündigung, der Engel Gabriel brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist. Vier Medaillons, um 1750, der im Volk beliebten Heiligen umgeben das Bild: links  westlich der Hl. Antonius, links östlich der Hl. Nepomuk,, rechts östlich der Hl. Franz Xaver, rechts westlich der Hl. Leonhard.

Der Hl. Antonius von Padua,  wurde in Lissabon geboren, wollte in Nordafrika bei den Muslims missionieren. Ein Seesturm verschlug sein Schiff an die Küste Italiens. Der Hl. Franziskus entdeckte seine großen geistlichen Fähigkeiten, und berief ihm zum Lehrer seiner Mönche. Zugleich war Antonius ein überaus berühmter Prediger. Seine Kräfte waren aber erschöpft, so dass er bereits im Alter von  36 Jahren im Jahre 1231 starb und in Padua bestattet wurde.  Das Volk verehrt ihn vor allem als Helfer, Verlorenes wieder zu finden.

Der Hl. Leonhard lebte im  6.Jahrhundert und stammte aus einem edlen fränkischen Geschlecht.  Er wurde Priester. und Bischof. Zog sich jedoch in die Einsamkeit bei Limoges zurück. Aus seiner Einsiedelei entstand dieses berühmte Kloster, dem er als Abt vorstand. Den Bauern in seiner Umgebung half er bei den Viehkrankheiten. Daher wurde er der Patron der Tiere, besonders der Pferde. Ihm lagen auch die Gefangenen sehr am Herzen. Den Entlassenen gab er Land, so dass sie resozialisiert wurden. Die Kette, das Attribut des Heiligen, verweist darauf, wurde allerdings später als zerbrochene Tierkette mißverstanden. Er starb im Jahre 559. Beliebt sind die Tiersegnung und Pferdeumritte an seinem Festtag.

Auf der rechten Chorwandseite  das Fresko von Pfingsten: die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Jünger, Maria in ihrer Mitte, um 1750. Im Fenster des Oratorium stehen die beiden Statuen, links der Hl. Andreas  rechts der Hl. Sebastian, mit Pfeilen durchbohrt.  In der Nähe des Altares an der Südwand steht die Statue des Hl. Antonius, 1750.  Er trägt das Jesuskind und in der anderen Hand die Lilie, als Zeichen der Lauterkeit. Gegenüber auf der linken Chorseite, Nordseite, steht die Statue des Hl. Leonhard, 1750. Er hält den Stab des Abtes und in der anderen Hand die Kette. Auf der gleichen Seite sehen wir das Fresko: das Abendmahl Jesu. Jesus im Kreise seiner Jünger bricht das Brot. In jeder Hl. Messe wiederholt sich auf geistige Weise dieses Wunder der Selbsthingabe Gottes an die Menschen.   

Das Chorgestühl, 1978, bietet den liturgisch Mitwirkenden Platz zur tätigen Mitfeier der Liturgien. Auf der Rückenseite des Chorgestühls wurden vier sehr wertvolle barocke Medaillons, 1750, mit Szenen aus dem Leben des Hl. Nepomuk angebracht, wie oben schon erwähnt.

Auf dem Chorgestühl stehen Figuren, die hochherzige Spender der Pfarrkirche überlassen haben: auf der rechten Seite: die Muttergottes mit Kind, ähnlich dem Gnadenbild von Altötting,  links daneben die Figur des segnenden Herrn Jesus Christus,  vielleicht um 1750.  Davor am Chorgestühl das wertvolle Vortragekreuz, um 1750.

Auf der gegenüberliegenden Seite steht die Figur eines Papstes, vielleicht des Kirchenlehrers Gregor der Große, um 1750, der sich uns zuneigt, und den wir auch auf der Decke des Langhauses wieder finden.

Vom Chorbogen hängt herab die besonders wertvolle Mutter Gottes im Strahlen-, Wolken- und Rosenkranz, umgeben von vier Puten, Holz gefaßt um 1710. Oberhalb am Chorbogen die Wappen links des Hochstiftes Augsburg, und rechts der Fugger von Biberbach, der einstigen Herren von Prettelshofen.

In den Nischen im Chorbogen stehen die Statuen der Heiligen rechts, südliche Seite, eine Heilige mit der Siegespalme des Martyriums, vielleicht die Heilige Afra, Diözesanpatronin von Augsburg. Auf der gegengenüberliegenden Seite, linke Nordseite, eine Heilige trägt ein Ölgefäß in der Hand, vielleicht die Heilige Maria Magdalena. Beiden Frauen ist gemeinsam, dass sie zunächst dem sündigen Gewerbe nachgingen, dann aber sich zu Christus bekehrten und ihr Leben grundlegend änderten.

Den Abschluß des Chores bilden der Volksaltarund derAmbo., Emil Vogel 1976. Nach der Liturgiereform des Vaticanum II wurden sie nötig. Sie sind die wichtigsten liturgischen Orte der heutigen Liturgie. Denn vom Ambo wird das Wort Gottes verkündet, auf dem Altar das Lebensopfer Jesu bei jeder Heiligen Messe gefeiert. Der Volksaltar zeigt einige Szenen aus dem Leben Jesu und in der Mitte auf einem Flachrelief die wunderbare Brotvermehrung. Ein Junge bringt dem Herrn die 5 Brote,  Johannes 6,1-14. In jeder Hl. Messe reicht uns Jesus seinen Leib zur Speise. Obwohl so viele den Leib des Herrn empfangen, ist es bei jedem Jesus Christus persönlich, der im Brot zu ihm kommt. Umgeben ist dieses Relief von angedeuteten Szenen aus dem Leben Jesu.

Das Langhaus

Das Mittelbild der Langhausdecke  zeigt das jüngste Gericht, 1750. Jesus kommt mit Macht und Herrlichkeit, rechts vom Jesus Christus seine Mutter Maria, links der Täufer Johannes, der sein erstens Kommen angekündigt hat.

Engel und Heilige begleiten den Herrn. Posaunenengel  rufen die Lebenden und Toten vor das Gericht. Die Toten kommen aus ihren Gräbern hervor, die zur

Rechten Jesu sind die Geretteten, Matthäus 25,24ff.Diese gewaltige Szene ist umgeben von den Medaillons der vier lateinischen Kirchenväter, um 1820. Kirchenväter sind bedeutende Theologen, die die Botschaft Jesu, vom Heiligen

Geist erfüllt, authentisch auslegen und lehren. Beginnen wir linke Seite, Nordseite, Nähe der Emporen:

Der Heilige Ambrosius war Bischof von Mailand. In seinen Predigten und Schriften verteidigte er die wahre Lehre gegen die damals herrschenden Irrlehren. Er reformierte die Liturgie, so dass auch die Gläubigen rege daran sich beteiligen konnten. So schuf er wunderbare Lieder, die zum Teil auch heute noch gesungen werden. Dem Kaiser gegenüber vertrat er die Lehre, der Kaiser steht nicht über den Glauben, sondern im Glauben. Er bekehrte auch den Augustinus, der von der wortgewaltigen Faszination der Predigten angezogen war. Ambrosius starb  397. In unserem Bild ist er dargestellt als Bischof. Seine lehrende Hand legt er auf die Heilige Schrift.

Linke Seite, vorne gegen den Chor, der Heilige Augustinus. Er war Bischof von Hippo in Nordafrika. Sein Vater war ein Heide, seine Mutter die Hl. Monika. In seinen Studien entfremdete er sich vom Glauben seiner Mutter und neigte Irrlehren zu. Als Professor der Rhetorik lernte er die Predigten des Hl. Ambrosius kennen. Er erkannte das Christentum als die ewige Wahrheit und ließ sich in der Osternacht 387 von Ambrosius taufen. Anschließend kehrte er in seine Heimat nach Nordafrika zurück und führte mit einigen Gleichgesinnten ein strenges klösterliches Leben. Seine Regeln dienten später auch anderen Ordensgründern als Maßstäbe.  Vom Volk wurde er aber zum Bischof von Hippo gewählt. In zahlreichen Schriften erklärte und verteidigte er den wahren christlichen Glauben. Vor allem verkündete er die Liebe Gottes. Während der Belagerung  von Hippo durch die Vandalen unter Geiserich starb er im Jahre 430. Unser Medaillon zeigt ihn als Bischof, seine Hand auf dem Worte Gottes und das Symbol der Allerheiligsten Dreifaltigkeit mit drei brennenden Herzen.

Gegenüber auf der rechten Seite, Südseite, der Heilige Papst Gregor I. der Große. Er stammte aus einem angesehen römischen Adelsgeschlecht. Nach dem Tode seines Vaters gründete er im elterlichen Hause ein Kloster, wurde dann aber gegen sein Widerstreben zum Papst gewählt. Er leitete die Christianisierung Englands ein, stellte mit den anrückenden Germanen ein gutes Einvernehmen her, baute die Armenpflege aus und erneuerte die Liturgie. Seine zahlreichen Schriften begründeten seinen Ruf als Kirchenlehrer. Er starb 604. Auf der gleichen Seite gegen die Emporen der Hl. Hieronymus  ebenfalls einer der führenden Theologen seiner Zeit. Er wirkte zunächst in Rom als Sekretär des Papstes Damasus I. Nach dessen Tode zog er nach Betlehem, wo er Klöster für Männer und Frauen gründete. Er lebte als Einsiedler und übersetzte die gesamte Heilige Schrift ins Lateinische. Er zählt zu den bedeutenden Kirchenlehrern und starb 420.

Zwischen den Medaillons der Kirchenväter  finden wir weitere in je einer Himmelsrichtung, die das christliche Leben interpretieren, um 1820.

Rechte Seite, nördlich: Wie die Taub das Ölzweig brach – Hast du mit Gott frid gemacht. Arche Noah auf welliger Flut,  im Himmel Taube mit Ölzweig.

Gegenüber südlich: Wann die Wellen umher schlagen – so dich ehren nit verzagen: befestigter Rundturm mitten im tobenden Meer. Wie Jesus sagt: Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute, Matthäus 7,24

ÖstlichWas bezwingen nit die Waffen – Fürbitt doch kann alles schaffen, im Himmel Hand mit Waage, in der rechten, sinkende Waagschale Buch und Rosenkranz, in der rechten steigenden Waagschale Hellebarde und Schwert. Darin wird die christliche Erfahrung der Macht der Fürbitte bestätigt.

WestlichMein Junge fliegen nach – Bis zum blauen Himmelsdach: Vogel mit Jungen zum Himmel emporfliegend. Die Heimat der Seele ist droben im Licht.

Die Seitenaltäre im Langhaus

Linker Seitenaltar

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Nordseite, um 1709 , wohl von B. Amann, gefaßt von L. Strauß, der Marienaltar.  Die wunderschöne Figur zeigt die Gottesmutter. Sie trägt das Jesuskind auf dem Arm. Als Himmelskönigin gekrönt mit dem Zepter in ihrer Rechten. An der Altarsäule auf der linken Seite ihr Vater, der Hl. Joachim, um 1709. Er trägt die Heilige Schrift des Alten Bundes. Darauf zwei Tauben, als Symbol des Friedens, der Unschuld und des Opfers der Armen. Denn in seiner Tochter Maria sollen sich die Weissagungen erfüllen, beginnend nach dem Sündenfall, als Gott sagte:  Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. Genesis 3,15. Vom Hl. Joachim ist nichts in der Bibel berichtet. Auf der rechten Seite die Statue der Mutter Mariens, der Hl. Anna, 1709. Auch sie trägt das Wort Gottes, das sie als gute Mutter ihrer Tochter Maria gelehrt hat. Sie führte Maria in die Geheimnisse des Wortes Gottes ein, das sie in ihrem Leib Wohnung geben durfte. Die Bibel berichtet nichts von ihr und ihrem Manne, dem Hl. Joachim. Anna heißt übersetzt aus dem Hebräischen: Gnade, Liebe, Gebet. Die Legende berichtet, zusammen mit ihrem Manne haben sie ihr Vermögen in drei Teile aufgeteilt: je ein Teil für den Tempel, für die Armen und für ihren Lebensunterhalt. Das gläubige Volk verehrt die Hl. Anna vor allem als Patronin der Mütter. Auf dem Sockel des Altaraufbaus steht das Bild des Hl. Aloisius um 1770. Er hält die Lilie der Unschuld in der Hand und eine Geißel als Zeichen seines asketischen Leben, der engelreine Jüngling aus dem Fürstenhause des Markgrafen von Gonzaga bei Mantua. Er entsagte sowohl dem damals luxuriösen  Hofleben als auch seiner glänzenden Karriere und wurde Jesuit. Dort verrichtete er die niedrigsten Hausarbeiten, obwohl seineGesundheit angegriffen war. Alsdann im Jahre 1591 die Pest in Rom ausbrach, pflegte er Pestkranke mit ganzer Kraft. Er steckte sich dabei an und starb noch im gleichen Jahre. Im Auszug des Altares Gottvater, Öl auf Leinwand um 1709, bekrönt durch die Figur des Erzengels Michael, 1719.

Rechter Seitenaltar um 1709. Neu marmoriert um 1762. Der Wendelinusaltar zeigt die Figur des Hl. Wendelin, um 1709. Zu seinen Füßen die Königskrone und ein Schaft und ein Rind. Zwei Engel blicken auf ihn herab. Der Hl Wendelin,  war ein irischer oder schottischer Königssohn. Doch er entsagte dem Luxusleben und ging in die Einsamkeit der Vogesen. Das Wort Gottes und Gebet waren seine geistliche Nahrung. Durch Viehhüten verdiente er seinen Lebensunterhalt und die Tiere blieben gesund und gediehen prächtig. erinnert daran. Die Leute kamen zum Einsiedler, wenn ihr Vieh krank war oder Tierseuchen sich ausbreiteten. Er wurde Abt im Kloster  Tholey, wo er 617  starb. Daraus entstand das heutige St. Wendel im Saarland. Er wurde bei uns als großer Nothelfer in Tiernöten angerufen Am Wendelinsfest findet in Prettelshofen die vielbesuchte Tiersegnung statt.

Auf der rechten Seite steht die Figur des hl. Sebastian, neubarock um 1890, an einem Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt.Er war Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers Diokletian. Als solcher hatte er Zugang zu den Christen in den Gefängnissen, die wegen ihres Glaubens eingekerkert waren. Das erfuhr der Kaiser. Weil Sebastian nicht den Göttern opferte, ließ der Kaiser ihn durch Erschießen im Jahre 303 hinrichten. Sebastian gilt als der Schutzpatron der Soldaten, der Schützen und Helfer gegen Pestkrankheiten.

Auf der linken Seite steht die Figur des Hl.Joseph, um 1709. Er trägt das Jesuskind und  die Lilie, ein Zeichen seiner Lauterkeit und Reinheit. Er war der Mann Mariens. Die Bibel berichtet kein einziges von ihm gesprochenes Wort. Doch als Nährvater des Jesuskindes bewährte er sich in Betlehem, bei der Flucht nach Ägypten. Von ihm lernte Jesus das Zimmermannshandwerk, er gab ihm seinen Familiennamen, so dass er als Sohn desZimmermanns imVolke galt. Da Joseph ein Nachkomme des berühmten Königs David war, galt Jesus ebenfalls als Sohn Davids. Joseph starb wahrscheinlich noch zu Lebzeiten Jesu, weil Jesus vom Kreuz herab seine Mutter dem Hl. Johannes anvertraute. Erst im 14. Jahrhundert begann seine Verehrung. Er gilt als Patron für eine gute Sterbestunde..

Der Altaraufbau trägt einen Tabernakel, um 1760, den wir vor allem zur Übertragung des Allerheiligsten am Ende der Liturgie des Gründonnerstags verwenden. In der kleinen Nische der Tabernakeltür die Figur der Muttergottes, um 1750, die uns ihr Kind entgegenhält, der im Tabernakel gegenwärtig ist zur Anbetung.

Das Bild im Auszug des Altares zeigt die  Verlobung Mariens mit dem Hl. Joseph, Öl auf Leinwand um 1709. Darüber die Figur des Erzengels Gabriel, um 1719, der Maria die Botschaft brachte, sie soll die Mutter Gottes werden.

 

Die Wandseiten des Langhauses

Die rechte Seite

Vor dem Wendelinaltar in die Mauer eingelassen der Taufstein. Die Abdeckung trägt die Schüssel mit dem Haupt des Täufers Johannes, um 1750. den der König Herodes auf Veranlassung seiner zweiten Frau Herodias enthaupten ließ. Wie das Markusevangelium berichtet 6, 21-25.

Nun folgen die Statuen der Apostel, um 1750.

Hl. Petrus mit dem Schlüssel in seiner Hand. Der Herr sprach: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben.

Der Hl. Paulus, mit dem Schwert in der Hand. Er wurde unter Kaiser Nero des Glaubens willen mit dem Schwert hingerichtet, da er römischer Bürger war.

Der Hl. Thomas mit dem Buch und einer Lanze in der Hand. Er durfte die Wundmale des auferstandenen Herrn berühren und bekannte: Mein Herr und Gott. Er hat in Indien missioniert und ist mit einer Lanze hingerichtet worden. Seine Grabstätte soll in Mailapur / Patras sein.

Der Hl. Jakobus Minor mit der Bibel und einer Stange in der Hand. Er wurde auch der „Herrenbruder“ genannt, denn er dürfte der Cousin Jesu gewesen sein Er war der Sohn des Alphäus und Bruder des Hl. Judas Thaddäus. Als Bischof von Jerusalem wurde er um 62 n.C. gesteinigt, da er nicht tot war,  von einem Walker mit einer Walkerstange erschlagen.

Der Hl. Johannes mit der Bibel und dem Kelch in der Hand. Der Lieblingsjünger des Herrn. Er schrieb das vierte Evangelium, wurde auf die Insel Patmos verbannt. Verfaßte dort die Offenbarung anhand von Visionen. Er durfte nach Ephesus zurückkehren und starb im hohen Alter von etwa 100 Jahren. Der Kelch in seiner Hand ist Zeichen der Johannesliebe.

Der Hl. Simon mit Bibel und Säge in der Hand. Er wird der Eiferer genannt. Er soll bis Persien gezogen sein und dort missioniert haben. Nach einer Überlieferung wurde er zum Tode durch Zersägen hingerichtet

Der Hl. Philippus mit Bibel und Kreuzesstab in der Hand. Er war zuerst Jünger des Täufers Johannes, dann aber von Jesus zum Apostel berufen. Er wirkte später in Phrygien bändigte mit dem Kreuzesstab die Dämonen und wurde des Glaubens wegen gekreuzigt.

Der Hl. Matthäus mit Bibel in der Hand. Er schrieb ein Evangelium. Er soll in Äthiopien gewirkt haben und um seines Glaubens willen durch Verbrennen oder durch Steinigung hingerichtet worden sein.

Auf der gleichen Wandseite hängt das Kreuz, um 1740, umgeben von einem gemalten Baldachin, der von Puten gehalten wird.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite, Nordseite:

Der Hl. Jakobus Maior mit Pilgerstab und Pilgerhut. Er war der jüngere Bruder des Hl. Johannes, mit stürmischem Temperament, daher Donnersöhne, er zählte zum inneren Kreis der Apostel, und war bei der Verklärung des Herrn dabei. Er war erster Bischof von Jerusalem und wurde von Herodes im Jahre 44 hingerichtet. Auf wunderbare Weise kam sein Leichnam nach Galizien, in Spanien, daraus entwickelte sich die berühmte Wallfahrt Campostella. Daher trägt er Pilgerhut und Pilgerstab.

Der Hl. Thaddäus mit Bibel und Keule in der Hand. Er war ebenfalls ein Cousin des Herrn. Er missionierte in Messopotamien und Persien. Um 70 wurde er von den heidnischen Mithraspriestern mit einer Keule erschlagen.

Der Hl. Mathias mit Buch und Beil in der Hand. Er wurde an Stelle von Judas Iskariot als Apostel gewählt. Er missionierte in Äthiopien mit großem Erfolg und soll von seinen Feinden im Jahre 63 mit einem Beil erschlagen worden sein. Seine Reliquien ruhen in Trier.

Der Hl. Bartholomäus mit Messer in der Hand. Er soll als Missionar  bis Indien, Messopotamien und Armenien gezogen sein. Er wurde des Glaubens willen zum Tode durch Abziehen seiner Haut verurteilt, daher das Messer in seiner Hand.  

Auf der gleichen Seite die Kanzel, 1709, diente ehemals der Verkündigung des Wortes Gottes und wird in der heutigen Liturgie durch den Ambo ersetzt. Daher trägt sie die Figuren der vier Evangelisten: Der Wand zugekehrt der Hl. Markus,mit dem Attribut des Löwen, den sein Evangelium beginnt mit dem Rufer in der Wüste ( Johannes der Täufer) symbolisiert durch einem brüllenden Löwen, dann der Hl.Matthäus mit einem Menschen zu seinen Füßen, denn er beginnt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu, Hl. Lukas mit einem Stier zu seinen Füßen, denn er beginnt sein Evangelium mit dem Tiefopfer des Zacharias, und schließlich der Hl.  Johannes. mit einem Adler zu einen Füßen, denn sein Evangelium schwebt gleichsam in den hohen Lüften der Geistigkeit..

Auf der Rückseite das Gemälde Öl auf Leinwand: Petrus bereut seinen Verrat, um 1740. Eingedenk dieses Verrates soll der Prediger das Wort Gottes verkünden, sei es gelegen oder ungelegen. Er darf nichts ändern, wie Jesus sagte:

Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wir im Himmelreich der Kleinste sein. Markus, 5,10. Dazu befähigt ihn der Beistand des Hl. Geistes, der im Symbol der Taube über ihn schwebt. Jesus muß verkündigt werden. Daher ist die Kanzel bekrönt mit der Figur des SalvatorMundi, des Erlösers der Welt, Jesus Christus.

Auf der gleichen Seite unter der Empore steht in einer Nische das spätgotische Vesperbild oder die Pieta., um 1550, Jesus wird nach der Kreuzesabnahme der lieben Mutter Maria in den Schoß gelegt. Das Vesperbild stammt aus der früheren  Rieblinger Kapelle. Gleich daneben hängt das barocke Kreuz, um 1750, das ebenfalls aus dieser Kapelle stammt.

Gegenüber auf der Südseite unter der Empore das Bild der Hl. Ottilia. Zu Füßen der Heiligen die Szene ihrer Taufe.  Die Hl. Ottilia wurde blind geboren. Bei der Taufe durch Bischof Erhard von Regensburg wurde sie auf wunderbare Weise von ihrer Blindheit geheilt Sie ist daher Nothelferin in Augenleiden und wurde vor allem im Nahen Asbach verehrt. Daneben das Bild des Seligen Albert von Wörleschwang. Das Schriftband sagt: Du wirst meinem Gehör Freud geben. Der Heilige hütet die Schafe und Rinder und studiert in der Heiligen Schrift.

Die Emporen

Auf der Vorderseite der unteren Empore werden einige Stationen aus dem Leben des Kirchenpatrons, des Hl. Andreas, geschildert. Von links nach  rechts :

1. Bild, die Berufung des Heiligen Andreas durch Jesus. Andreas war Jünger des Täufers Johannes. Auf seinen Hinweis hin folgte er Jesus.

2. Bild: Der hl. Andreas verkündet den Menschen die Frohe Botschaft des Erlösers

3. Bild: Der Hl. Andreas am Krankenbett: Jesus sagt: Geht, verkündet das Evangelium, heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus.

4. Bild: Der Hl. Andreas wird um des Glaubens willen verhaftet.

5. Bild: Der Hl. Andreas feiert die Hl. Messe und zeigt die Hl. Hostie: Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.

6. Bild: Der Hl. Andreas wird gegeißelt.

7. Bild: Der Hl. Andreas hängt am Kreuz.

8. Bild: Der Leichnam des Hl. Andreas wird von Gläubigen zu Grabe getragen.

Auf der Vorderseite der oberen Empore wieder von links nach rechts:

1. Bild: die Heilige Taufe: una salus = ein Heil

2. Bild: die Heilige Firmung: der Bischof firmt  einen vor ihm knienden Mann. mit der  Überschrift: impingasti oleo caput meo: eingeprägt mit Öl mein Haupt.

3. Bild: die Heilige Eucharistie, angebetet von zwei Engeln. Überschrift: mors est malis ita bonis: der Tod ist vom Bösen, so (der Leib Christi) vom Guten

4. Bild: Das Bußsakrament, mit Beichtstuhl und zwei Schlüsseln, einen goldenen und einen metallenen.  secunda post nafragium: folgt nach der Sünde

5. Bild: die Hl. Cäcilia, an einer Orgel spielend sitzend. Überschrift: laudate deum in cor et organo. Lobet Gott mit Herz und Orgel.

6. Bild: Die Heilige Krankensalbung: Ein Priester spendet einer Kranken die Heilige Salbung. Überschrift: munitur pugnaturus: gefestigt für den Kampf

7. Das Sakrament der Priesterweihe. Priestergewänder liegen am Kredenztisch bereit. Überschrift: ab ordine decus: Mit der Weihe geschmückt.

8. Bild: Das Sakrament der Ehe. Zwei Brautleute stehen vor einem Priester. Überschrift: sit sine labe fide: seid ohne Fall durch Treue

9. Bild:  vierteiliges Bild: Überschrift: momorare novissima: Gedenke der letzten Dinge

oben links: Totenschädel mit Lampe = der Tod

oben links: Trompete und Totenschädel: Trompeten rufen zum Gericht

unten links: Totenschädel von einer Schlange durchschlungen: die Hölle

unten rechts: Totenschädel mit Blumen und Strahlen: der Himmel

Die Botschaft dieses Bildes: Mensch, denk an den Tod. Du wirst vor das Gericht gerufen. Dann entscheidet sich dein Leben, Himmel oder Hölle. Noch hast du die Wahl!

Über das Leben der Hl. Cäcilia ist historisch wenige Sicheres bekannt. Sie soll aus dem edlen römischen Adel der Cäcilier stammen. Sie machte ohne das Wissen der Eltern das Gelübde, immer jungfräulich zu bleiben. Die Eltern verheirateten sie mit dem vornehmen Valerian, dem sie am Hochzeitstag bekannte, dass sie Christin sei und Jungfräulichkeit gelobt habe. Dieser bekehrte sich zum Christentum mit seinem Bruder Tiburius. Sie bekannten in der Öffentlichkeit, dass sie Christen seien und wurden deshalb unter Kaiser Marc Aurel zum Tode verurteilt.  Der Henker hieb dreimal auf sie ein, konnte das Haupt nicht vom Rumpf trennen. So lebte sie noch drei Tage. Sie bat die herbeieilenden Christen durch Zeichen,  ihr Habe an die Armen zu verteilen. Während bei der Hochzeitsfeier die Musikinstrumente erklangen, bat sie Gott, er möge ihr Herz und ihren Leib rein halten. Von daher kommt es, dass die Heilige Patronin der Kirchenmusik ist uns meist eine kleine Orgel in den Händen trägt.

Auf der Nordseite an der Empore die Statue des Hl. Georg, 1750,  wie er auf einen Drachen einsticht.

Auf der gegenüberliegenden Südseite die Figur des Hl. Martin, 1750. Vor ihm sitzt ein nackter Bettler.

Die Fastenbilder, um 1750,  werden während der Fastenzeit vor die Altäre gehängt, gleichsam zum Sinnefasten. Daher verzichten wir in der Fastenzeit auf Blumenschmuck in der Kirche und verhängen die Altäre mit den Fastenbildern, die das Leiden des Herrn schildern. Das Bild auf dem Hauptaltar zeigt Jesus am Kreuz mit seiner Mutter und den Hl. Johannes und Magdalena am Fuße des Kreuzes. Die Bilder der Seitenaltäre zeigen die Dornenkrönung Jesu, die Schergen ergötzen sich an den Leiden des Herrn, und die Geißelung Jesu, die die Schergen mit Freude vollziehen.

Auf einer Vortragsstange steht die Figur des Hl. Isidor, um 1720, gefaßt von B. Kuen. Er wird zur jährlich stattfindenden Tiersegnung mitgetragen. Der Hl. Isidor war Landwirt in der Nähe von Madrid. Er erfüllte seine Pflichten. Engel halfen ihm beim Arbeiten, während er zur täglichen Heiligen Messe ging. Er half den  Armen, soviel er konnte. Er starb 1170 und galt bei den Bauern als ihr Schutzpatron.

Am Gestühl steht die Fahne der Immaculata, um 1720. Maria trägt die Lilie der Jungfräulichkeit in der Hand. Ihr Fuß zertritt die teuflische Schlange, die noch den Apfel im Rachen trägt, wie schon nach dem Sündenfall geoffenbart ward. Die Rückseite zeigt den Hl. Joseph mit dem Jesusknaben auf dem Arm und in der Hand die Lilie der Unschuld.

Außen auf der Nordseite beim Sakristeieingang rechts die wertvolle Ölbergnische. Jesus ringt in seinem Angstleiden mit  dem himmlischen Vater. Er sendet einen Engel, der ihn stärkt. Seine Jünger im Hintergrund vor dem Panorama von Jerusalem liegend schlafen. Zu ihnen wird der Herr sagen: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in der Versuchung fallet. Drunter sehen wir Arme Seelen im Fegefeuer. Sehnsüchtig warten sie auf ihre Erlösung, die sich in diesen Stunden vollziehen wird. Sie blicken auf das dornengekrönte Herz, das über ihnen schwebt. An den Außenwänden ist noch ein Kreuz angebracht. Außerdem sind einige Grabdenkmäler in die Kirchenmauer eingelassen von 1777 bis 1866.

Die Kirche wurde 2009 außen renoviert.

 

Text: Pfarrer Anton Wagner

Foto: Rita Eggert