Kirche "St. Elisabeth" Laugna

Geschichtliches

Seit dem 11. Jahrhundert siedelten sich hier Menschen an. Zunächst wurde Laugna vom Dorfadel verwaltet und geschützt. Diese Herren bauten sie 2 Kilometer südlich die Burg und übernahmen das Wappentier, einen Bock. So entstand die Burg Bocksberg mit den Rittern von Bocksberg, die 1190 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurden. Durch Besitzschenkungen wechselten die Besitzer. So waren auch die Klöster Heilig Kreuz und Ulrich und Afra in Augsburg eine Zeitlang Besitzer. Vielleicht stand daher zuerst eine romanische Heilig Kreuz Kirche in Laugna. Denn im Turmbereich finden sich noch Nagelfluh-Quader, die auf diese Zeit hinweisen.

Die spätgotische Kirche zu Laugna. Mit Sicherheit stand seit der Spätgotik im 16. Jahrhundert hier eine Kirche. Der Taufstein trägt die Jahreszahl 1517. Diese Kirche dürfte spätestens 1690 abgebrochen worden sein, um einer neuen Kirche Platz zu machen.

Die barocke Kirche zu Laugna. Offenbar wurde die gotische Kirche zu klein, so dass unsere Vorfahren abbrachen und unsere heutige Kirche im Stil des Barocks erbauten. Sie wurde im Jahre 1720 eingeweiht, allerdings noch im unfertigen Zustand.

1735 waren die Stückarbeiten vollendet, wahrscheinlich von B. Suiter aus Dillingen. Aus der gotischen Vorgängerkirche wurden einige Figuren und Reliefs übernommen, die uns sehr wertvoll sind.

Die Renovierung im Jahre 1870. Anlässlich dieser Renovierung entfernten unsere Vorfahren den barocken Hauptaltar. Der neue Altar war nach dem damaligen künstlerischem Empfinden in Neuromanisch bzw. im Nazarener Stil erbaut. Auch die barocken Deckenbilder im Chor wurden durch Nazarener Bilder übermalt. Da aber das Geld fehlte, blieben die barocken Seitenaltäre und die gotischen Figuren und Reliefs zum Glück erhalten.

Die zweite Restaurierung im Jahre 1908. Diese entspricht dem heutigen Erscheinungsbild der Kirche. Nach langem Ringen entschieden sich die Verantwortlichen, den Hauptaltar und die Mehrzahl der Deckengemälden im Stil des Barocks auszustatten, zumal die noch vorhandene Stuckierung im Originalzustand erhalten war. Dadurch entstand die gelungene Harmonie der heutigen Kirche. Auch wurde damals der Haupteingang von Süden auf Westen verlegt, sowie eine zweite Empore eingezogen und der Boden der Kirche um 35 Zentimeter gesenkt.

Kurze Beschreibung der Kirche. Durch den Haupteingang im Westen, betreten wir die Kirche. Der Altar zeigt, wie bei den meisten alten Kirchen nach Osten, Christus, der aufgehenden Sonne entgegen. Die Kirche hat die Heilige Elisabeth von Thüringen als Patronin. Vermutlich war die Vorgängerkirche auch dem Heiligen Kreuz geweiht, wie die Ausmalung des Kirchenschiffes uns zeigt. Denn in Donauwörth und in Biberbach finden wir Heilig-Kreuz-Kirchen, außerdem gehörte Laugna einige Zeit dem Kloster Heilig Kreuz in Augsburg. Dennoch bildet die Bilderfolge eine Einheit: Am Kreuz wurden wir gerechtfertigt, die Heilige Elisabeth lebte die Worte Jesu: Barmherzigkeit will ich nicht Opfer. Ihre radikale Barmherzigkeit war selbst ein fortwährendes Opfer.

Die Heilige Elisabeth von Thüringen. Die Apsis der Kirche widmet sich vorwiegend der Kirchenpatronin, der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie wurde 1207 in Ungarn geboren, kam mit 5 Jahren auf die Wartburg, heiratete mit 14 Jahren den Landgrafen Ludwig von Thüringen, hatte 3 Kinder. Ihr Gemahl starb auf einem Kreuzzug, so dass Elisabeth schon in jungen Jahren Witwe war. Infolge ihrer großen Mildtätigkeit erregte sie Anstoß am Hof und wurde mit ihren Kindern vertrieben. Sie gründete in Marburg ein Spital, verrichtete dort die niedrigsten Dienste und starb bereits im Alter von 24 Jahren. Schon 4 Jahre später wurde sie heilig gesprochen.

Der Hochaltar. Ursprünglich stand in der gotischen Kirche ein spätgotischer Altar, von dem nur noch Weniges erhalten blieb. Auch der ursprüngliche barocke Altar blieb nicht erhalten.

Nach langem Ringen wurde 1908 der Hochaltar vom bekannten Altarbauer Saumweber aus Günzburg erstellt. Die ursprünglich aus der gotischen Vorgängerkirche übernommene Kreuzigungsgruppe um 1520 wird neuerdings wie die beiden Assistenzfiguren dem Ulmer Bildhauer Daniel Mauch zugeschrieben. Auf der linken Seite steht der Heilige Papst Urban. Er regierte von 222 bis 230 nach Christus, verfügte, dass die Kelche aus Silber oder Gold sein mussten. Daher trägt er einen Kelch, der als Weinglas missdeutet wurde und den Heiligen zum Patron der Winzer machte. Rechts der Heilige Leonhard mit der Kette, bzw. nach anderer Meinung der Heilige Benedikt, dem offenbar das Buch der Benediktusregel aus der Hand gefallen ist.

Links neben dem Tabernakel der Heilige Martin und rechts die Heilige Elisabeth. Ebenfalls um 1500. Beide sind Vorbilder für die Barmherzigkeit, die sich im Opfer zeigt.

Oben im Auszug des Altares sehen wir als Übergang zu den Fresken als Ölgemälde die Kirchenpatronin St. Elisabeth, 1908.

Das Deckenfresko stammt aus der Zeit der Nazarener um 1870, von einem unbekannten Künstler. Das Mittelbild zeigt die Erhebung der Gebeine der Hl. Elisabeth durch Kaiser Friedrich II im Jahre 1236. Die umgebenden Bilder schildern Szenen aus dem Leben der Heiligen. Von rechts nach links: Ankunft der kleinen Elisabeth mit 5 Jahren auf der Wartburg im Jahre 1211; das berühmte Rosenwunder; die Verabschiedung ihres Mannes Landgraf Ludwig zum Kreuzzug, auf dem er 1227 stirbt; die Vertreibung der Heiligen mit ihren 3 Kindern aus der Wartburg nach dem Tode ihres Mannes durch ihren Schwager Heinrich Raspe; Jesus erscheint der Heiligen und tröstet sie; der Tod der Heiligen Elisabeth, zwei Engel singen das Gloria. Außerdem sehen wir über dem Altar das ungarische Wappen und beim Chorbogen das des Hochstiftes Augsburg, das damals das Patronatsrecht der Kirche ausübte. Auf der Westseite des Chorbogens die Wappen: Fugger - das Reichsstift St. Ulrich und Afra, Augsburg - Bayern-Pfalz-Neuburg/Herren von Aybling.

Das Oratorium auf der rechten Seite, der Südseite, war den Fuggern vorbehalten. An der Brüstung sehen wir die Werke der Barmherzigkeit nach Matthäus 25: von rechts nach links: Kranke heilen, Blinde führen; Gefangene besuchen; auf der gegenüberliegenden Seite ist das Oratorium für das Gesinde: Nackte bekleiden; Durstige tränken; Hungernde speisen. Diese Werke setzte die Heilige in ihrem nur 24 Jahren dauernden Leben in die Tat um.

An der Außenwand sehen wir die barocken Figuren rechts den Heiligen Rochus, um 1730 links den Heiligen Nepomuk, ebenfalls um 1730.

Das neubarocke Chorgestühl aus dem Jahre 1908.

Das Kirchenschiff wurde 1720 erbaut. Der barocke Stuck ist erhalten, während die Fresken wahrscheinlich übermalt wurden oder zum Teil gar keine vorhanden waren. Die jetzige Ausmalung geschah im Jahre 1908 durch den bekannten Schweizer Freskenmaler J. Huwyler. Der allerdings 1933 vor den Nazis fliehen musste und in die Schweiz zurückkehrte, weil er jüdischer Abstammung war.

Den Deckenfresken dienten zum Teil barocke Vorlagen, die der Künstler verwendete. Sie zeigen von vorne Osten nach Westen gehend: die Auffindung des Hl. Kreuzes durch Kaiserin Helena im Jahre 328.

Mittelbild: Der Sieg des Kaisers Konstantin im Zeichen des Kreuzes an der Milvischen Brücke über den Gegenkaiser Maxentius im Jahre 312.

Westliches Bild: Kaiser Heraklius bringt das von den Persern geraubte Kreuz nach Jerusalem zurück und zeigt es dem Volk am 21.3.630, daher das heutige Fest Kreuzerhöhung.

Diese Fresken sind umgeben von 8 Szenen, die entweder auf das Kreuz oder auf Jesus Christus verweisen. Wieder von rechts nach links, südlich beginnend: Die Verstoßung der Hagar mit ihrem Sohn Ismael durch Abraham, Genesis 21: Jesus wird von seinen Gegnern verstoßen! Mose erhöht die Schlange als Zeichen der Rettung vom tödlichen Schlangenbiss, Numeri 21: Jesus am Kreuz unser Retter! Josef wird von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft! Kain tötet seinen Bruder Abel aus Neid, Genesis 4. Aus Neid verurteilten sie Jesus!

Gegenüberliegende Seite: Abraham opfert seinen Sohn Isaak; Genesis 22: Gott opfert seinen eigenen Sohn! Mose begegnet Gott im brennenden Dornbusch, Exodus 3; Jesus auf dem Berg der Verklärung! Rut begegnet ihren Wohltäter und späteren Mann Boas und fügt sich so in den Stammbaum des Messias ein, Rut 4: Jesus in der Reihe der Barmherzigen! Tobias heilt mit der Galle des Fisches seinen blinden Vater Tobit, Tobit 11: Jesus heilt die Blinden und unsere Leiden!

Die Seitenaltäre sind noch im Originalzustand aus der Zeit von 1691 erhalten geblieben. Der rechte Seitenaltar, südlich, der Marienaltar, zeigt die Spätgotische Marienstatue um 1691. Im Auszug sehen wir Maria und ihre Mutter Anna, Neubarock 1908.

Der linke Seitenaltar, nördlich, zeigt die Herz-Jesu-Statue, neubarock um 1908. Im Auszug sehen wir die Hl. Maria Magdalena, 1908, während auf dem Altartisch die wertvolle spätgotische Pieta ruht, um 1691.

Gleich daneben steht der sehr schöne Epitaph aus rotem Salzburger Marmor des damaligen Grundherrn Ritter Rieder, der in voller Rüstung dargestellt ist, mit der Inschrift in gotischen Kleinbuchstaben: Anno dom. 1488 an unsers. hern Fronleichnams tag starb Andreas Rieder von Pocksberg, dem got gnedig sein wel.

Daneben auf der gleichen Wand das große Ölgemälde mit dem großen Sohn von Laugna: Bartholomäus Holzhauser, dem Erneuerer des Weltpriestertums und Gründer der nach ihm benannten Bartholomäer.

Kniend verehrt er den gekreuzigten Heiland. Das kleinere Ölgemälde, um 1630, zeigt die Familie Holzhauser mit ihren 11 Kindern und die Eltern, die ebenfalls betend vor einem lichten Kreuz knien. Der fünfte Sohn ist Barthololäus, geboren 1613, gestorben 1658 in Bingen. Vater Holzhauser widmete dieses Bild seiner zu früh verstorbenen Frau Katharina.

Auf der gegenüberliegenden Wand steht die neugotische Sandsteinplatte als Gedenkstein an Bartholomäus Holzhauser, gestiftet von den Laugnaern im Jahre 1858 anlässlich seines 200. Todestages.

Gleich daneben die wertvolle Kanzel um 1670. Die 4 Evangelisten Gemälde Öl auf Leinwand um 1670. Auf der Rückseite der gute Hirte, Öl auf Leinwand spätes 19. Jahrhundert. Oben der Posaunenengel, um 1670.

Zu erwähnen ist auch der Taufstein auf der linken Seite des Chores aus dem Jahre 1517. In ihm wurde auch Bartholomäus Holzhauser getauft, auch heute noch taufen wir darin unsere Kinder.

Die Vorderseiten der Kirchenbänke stammen noch aus der barocken Kirche 1720.

Die Kreuzwegstationen sind Gipsreliefs, um 1870, in byzanisierten Rahmen.

Nach der Liturgiereform in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Kommunionbänke entfernt. Der Volksaltar und der Ambo von edlen Stiftern der Pfarrei geschenkt.

 

Wir danken Ihnen, liebe Kirchenbesucher, für Ihr Interesse und laden Sie noch ein zu einem kurzen Verweilen im Gebet. Unsere Kirche ist sonntags nachmittags geöffnet. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Kirche mit einer Alarmanlage sichern müssen.

Wir wünschen Ihnen ein frohes Wiedersehen.

 

Verfasser: Pfarrer Anton Wagner (+ 29.07.2020)

Ihr Kirchenpfleger Wilhelm Kotschner, Laugna