Kirche "St. Peter" Hirschbach

Geschichtliches

Der Kirchensatz, die  Kircheneinnahmen, war im Mittelalter Eigentum einer gewissen Familie Burggraf. 1396 gelangte er an die Kapelle St. Ulrich in Dillingen und 1446 an die Augsburger Bischöfe. Damals stand schon eine Kirche in Hirschbach, von der nichts mehr vorhanden ist.

In den Jahren 1720/24 wurde an ihrer Statt eine größere Kirche von Baumeister Johann Georg Reßle aus Wertingen errichtet.

Auch diese Kirche wurde abgebrochen und 1922 durch einen Neubau ersetzt nach den Plänen von Architekt A. Ungewitter aus Augsburg. 1924 wurde die Kirche neu ausgestattet, wobei alte Stücke mit verwendet wurden. In diesem Jahr wurde auch der Stuck angebracht, der sich an die Formen der Vorgängerkirche von 1720 anlehnt.

 

Ausstattung der Kirche

Der neubarocke Hochaltar von 1927 zeigt in der Mitte das Ölbild von G. Glötzle, 1927. Jesus übergibt Petrus die Schlüssel mit den Worten:

Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Matthäus 16.19.

 

Auf der linken Seite des Altares steht die Figur des Pflegevaters Jesus, des Hl. Josef, um 1730. Er trägt die Lilie als Symbol der Unschuld in der Hand.

Auf der gegenüberliegenden Seite die Figur des Hl. Johannes Nepomuk, ebenfalls um 1730, in der Kleidung eines Geistlichen, mit Birett, liebevoll ein Kreuz umfassend, das auf dem Zweig der Siegespalme ruht. Im Bildhintergrund die Königsstadt Prag mit der Brücke über die Moldau. Er war Generalvikar in Prag, ein hochgebildeter und berühmter Prediger, Beichtvater der Königin. Doch König Wenzel IV war nicht nur ein jähzorniger, grausamer, tyrannischer Herrscher, sondern auch überaus eifersüchtig. Er wollte von Johannes Nepomuk erfahren, was die Königin gebeichtet habe. Als der Priester, getreu dem Beichtgeheimnis, jede Aussage verweigerte, wurde er grausam gefoltert. Der König soll selbst mit brennenden Fackeln ihn gepeinigt haben. Schließlich ließ er ihn gefesselt von der Brücke in den Fluss Moldau werfen, wo er ertrank. Das war im Jahre 1393. Auf wunderbare Weise fing der Leichnam des Heiligen zu leuchten an und wurde an Land gespült. In einer feierlichen Prozession führte das Volk Nepomuk zum Dom, wo er seine letzte Ruhe fand. Er gilt als der Patron der Schiffer, Müller und ist bei uns vor allem als Brückenheiliger bekannt.

In der Mitte der Tabernakel. Dort werden die Heiligen Hostien für die Krankenkommunionen aufbewahrt. Dort weilt Christus Tag und Nacht in unserer Mitte. Um diese ständige Gegenwart sichtbar zu machen, brennt immer die rote Ewiglichtlampe.

Auf der rechten Seite, an der Westwand des Chores, wurde die Figur der Hl. Barbara aufgestellt. Die Heilige lebte in Kleinasien. Ihr angesehener Vater wollte sie mit einem reichen jungen Mann vermählen. Sie widersetzte sich diesen Ansinnen. Der Vater sperrte sie in einem Turm ein, während er verreiste. Als er zurückkam eröffnete sie ihm, dass sie Christin geworden sein. Trotz guten Zuredens blieb sie ihrem Glauben treu. Der Vater selbst zerrte sie vor den Richter. Sie wurde schrecklich gefoltert, schließlich erdolchte der Vater aus Wurt mit eigener Hand seine tapfere Tochter. Das war zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Maximilian Daja im Jahre 306. Die Heilige trägt eine goldene Krone, Zeichen ihrer durchgehaltenen Treue im Glauben und ihres Martyriums. Außerdem trägt sie einen goldenen Kelch, Zeichen der übernatürlichen Stärkung, die sie aus dem Glauben erhielt. Barbara zählt zu den 14 Nothelfern und wurde von unseren Vorfahren angerufen gegen einen jähen und unvorhergesehenen Tod, sowie als Patronin der Sterbenden, weil sie die Seelen sicher zum Thron Gottes führt.

Auf der gegenüberliegenden Chorseite steht die Figur des Heiligen Aloisius. Er hält ebenfalls die Lilie der Unschuld in der Hand, der engelreine Jüngling aus dem Fürstenhause des Markgrafen von Gonzaga bei Mantua. Er entsagte sowohl dem damals luxuriösen Hofleben als auch seiner glänzenden Karriere und wurde Jesuit. Dort verrichtete er die niedrigsten Hausarbeiten, obwohl seine Gesundheit angegriffen war. Als dann im Jahre 1591 die Pest in Rom ausbrach, pflegte er Pestkranke mit ganzer Kraft. Er steckte sich dabei an und starb noch im gleichen Jahre.

Auf der gleichen Seite die Kanzel, um 1750, sie wurde 1941 mit Emblemen und blumigen Ornamenten bemalt. Auf dem Schalldeckel ruhen zwei Putten und ein größerer Engel, ebenfalls um 1750.

Zum Abschluss des Chores der Volksaltar und der Ambo. Nach der Liturgiereform des Vaticanum II ca. 1970, wurden sie nötig. Sie sind die wichtigsten liturgischen Orte der heutigen Liturgie. Denn vom Ambo wird das Wort Gottes verkündet, auf dem Altar das Lebensopfer Jesu bei jeder Heiligen Messe gefeiert.

Der Altar zeigt das Flachrelief vom Reichen Fischfang. Petrus steht noch im Wasser und bekennt: Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder, Lukas 5,8. Der Ambo zeigt einen Hirsch im Wasser und daneben den Psalmvers: Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir., Psalm 42,2. Diese Sehnsucht nach Gott sollte uns das Wort Gottes hören lassen und uns zum Haus Gottes ziehen.

Der linke Seitenaltar neubarock, 1941, zeigt auf dem Ölbild, 1860, den Hl. Antonius von Padua, der das Jesukind trägt, das er in einer Vision schauen durfte. Er wurde in Lissabon geboren, wollte in Nordafrika bei den Muslims missionieren. Der Hl. Franziskus entdeckte seine großen geistlichen Fähigkeiten, und berief ihn zum Lehrer seiner Mönche. Zugleich war Antonius ein überaus berühmter Prediger. Seine Kräfte waren aber erschöpft, so dass er bereits im Alter von 36 Jahren im Jahre 1231 starb und in Padua bestattet wurde. Das Volk verehrt ihn vor allem als Helfer, Verlorenes wieder zu finden.

Der kelchförmige Taufstein vor dem Antoniusaltar ist mit Holz verkleidet und bemalt, um 1720. Der hölzerne Deckel trägt die wertvolle Skulpturengruppe der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes, um 1720.

Auf der gleichen Wandseite steht die Figur des Hl. Sebastian, um 1720, an einem Baum gebunden, von Pfeilen durchbohrt. Er war Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers Diokletian. Als solcher hatte er Zugang zu den Christen in den Gefängnissen, die wegen ihres Glaubens eingekerkert waren. Das erfuhr der Kaiser. Weil Sebastian nicht den Göttern opferte, ließ der Kaiser ihn durch Erschießen im Jahre 303 hinrichten. Sebastian gilt als der Schutzpatron der Soldaten, der Schützen und Helfer gegen Pestkrankheiten.

Ebenfalls auf der Ostwand, dem Eingang näher, steht die Figur des Hl. Florian, um 1720. Er lebte als römischer Offizier im heutigen St. Pölten, Österreich. Bei der letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurde er grausam gefoltert. Und weil er standhaft blieb wurde er mit einem schweren Stein um den Hals in die reißende Enns geworfen. Auf wunderbare Weise wurde sein Leichnam ans Ufer gespült, so dass die Christen ihn bergen konnten. Er ist der Patron der Feuerwehren und Nothelfer gegen Feuer und Wasser, Stürme, Unfruchtbarkeit der Felder und Dürre.

Darunter hängt das Ölbild des Kirchenpatrons des Hl. Petrus: Jesus übergibt dem Hl. Petrus die Vollmacht des Hirtenamtes, wie das Johannesevangelium berichtet, 15,14ff:

Als sie Gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal frage er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt; dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Der rechte Seitenaltar, neubarock, 1941, zeigt die Mutter Anna. Ölbild ebenfalls 1860. Die Hl. Anna war die Mutter Mariens, also die Großmutter des Jesukindes. Sie führte Maria in die Geheimnisse des Wortes Gottes ein, das sie in ihrem Leib Wohnung geben durfte. Die Bibel berichtet nichts von ihr und ihrem Manne, dem Hl. Joachim. Anna heißt übersetzt aus dem Hebräischen: Gnade, Liebe, Gebet. Die Legende berichtet, zusammen mit ihrem Manne haben sie ihr Vermögen in drei Teile aufgeteilt: je ein Teil für den Tempel, für die Armen und für ihren Lebensunterhalt. Das gläubige Volk verehrt die Hl. Anna vor allem als Patronin der Mütter.

Auf der gleichen Westwand hängt die eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe, um 1730. Jesus hängt am Kreuz, darunter trauern seine Mutter Maria, sein Jünger Johannes und Maria Magdalena.

Weiter dem Eingang entgegen auf der gleichen Wand steht die Figur des Hl. Leonhard, um 1720. Er trägt eine zerbrochene Kette. Der Heilige Leonhard lebte im 6. Jahrhundert und stammte aus einem edlen fränkischen Geschlecht. Er wurde Priester und Bischof. Zog sich jedoch in die Einsamkeit bei Limoges zurück. Aus seiner Einsiedelei entstand dieses berühmte Kloster, dem er als Abt vorstand. Den Bauern in seiner Umgebung half er bei den Viehkrankheiten. Daher wurde er der Patron der Tiere, besonders der Pferde. Ihm lagen auch die Gefangenen sehr am Herzen. Den Entlassenen gab er Land, so dass sie resozialisiert wurden. Die Kette, das Attribut des Heiligen, verweist darauf, wurde allerdings später als zerbrochene Tierkette missverstanden. Er starb im Jahre 559. Beliebt sind die Tiersegnung und Pferdeumritte an seinem Festtag.

Ebenfalls auf der Westwand dem Eingang entgegen steht die Figur des Hl. Wendelin, um 1720. Er war ein irischer oder schottischer Königssohn. Doch er entsagte dem Luxusleben und ging in die Einsamkeit der Vogesen. Das Wort Gottes und das Gebet waren seine geistliche Nahrung. Durch Viehhüten verdiente er seinen Lebensunterhalt und die Tiere blieben gesund und gediehen prächtig. Das Schaf zu seinen Füßen erinnert daran. Die Leute kamen zum Einsiedler, wenn ihr Vieh krank war oder Tierseuchen sich ausbreiteten. Er wurde Abt im Kloster Tholey, wo er 617 starb. Daraus entstand das heutige St. Wendel im Saarland. Er wurde bei uns als großer Nothelfer in Tiernöten angerufen.

Die Kreuzwegstationen stammen aus der Zeit um 1880. Es ist ein heilsamer Brauch, den Kreuzweg vor allem in der Fastenzeit betend abzuschreiten. So können wir das Leiden des Herrn noch tiefer verinnerlichen.

Neuerdings wurden auch zwei Statuen der Mutter Gottes restauriert und vorläufig auf den Seitenaltar gestellt, bis der endgültige Platz gefunden ist. Spätes 19. Jahrhundert.

Außen an der Kirchenmauer sind einige Grabplatten verstorbener früherer Pfarrer eingelassen. Sie reichen bis 1839 zurück.

Doch ganz besonders wertvoll sind die Ölbergfiguren, um 1780, an der Südseite der Außenwand. Christus leidet. Der Vater sendet ihm den Engel mit stärkendem Kelch, während die Jünger schlafen.

Die Lourdes-Grotte südöstlich der Kirche beim Hinabsteigen ins Dorf stammt aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts. Sie wurde von den Gläubigen in den letzten Jahren restauriert. Immer brennen Lichter vor der Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes. Vom 11. Februar 1858 bis 16. Juli 1858 erschien Maria de 14 jährigen Bernadette Soubirous 18 mal. Sie bat, eine Kapelle zu bauen und in Prozessionen hierher zu ziehen. Die Menschen mögen Buße tun. Maria offenbarte ihren Namen: Ich bin die Unbefleckte Empfängnis. Auf ihr Geheiß grub Bernadette in der Erscheinungsgrotte von Massabielle nach Wasser. Viele Menschen baden sich auch heute noch im Lourdeswasser. Es geschehen immer wieder wunderbare Krankenheilungen. Bernadette trat in ein Kloster in Nevers ein. Dort starb sie 1879. Ihr Leichnam blieb unverwest. 1933 wurde sie heilig gesprochen.

Beim Hinabsteigen zum Dorfplatz steht das alte Pfarrhaus, um 1700. Im Erdgeschoß befinden sich pfarrliche Räume.

 

Kirchenführer wurde von Pfarrer Anton Wagner (+) verfasst.