Kirche "St. Michael" Osterbuch

Geschichtliches

Die Pfarrei St. Michael in Osterbuch wurde um das Jahr 1289 gegründet. Das Recht, die Geistlichen zu ernennen, teilten sich abwechselnd das Heilig Geist Spital in Augsburg, die Marschalken von Pappenheim und das Kloster Holzen. Ursprünglich stand die Kirche oben auf dem Kirchberg. Sie war baufällig und feucht geworden. So wurde der Neubau der Kirche an jetziger Stelle 1768 begonnen und 1769 die Kirche von Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden geweiht.

Der Kirchenführer des Landesamtes für Denkmalpflege bezeichnet unsere Kirche als reizvollster Kirchenraum der Spätrokokozeit im alten Landkreis Wertingen.

Kurze Beschreibung der Kirche

Beim Betreten des Gotteshauses fällt unser Blick auf den Hochaltar aus Stuckmarmor. Das zentrale Altarbild zeigt den Namenspatron der Kirchen, den Heiligen Erzengel Michael, 1770, vom Augsburger Künstler Anton Huber gemalt. Michael kämpft mit dem höllischen Drachen, Offenbarung 12,7. Flankiert wird das Gemälde durch die Statuen des Heiligen Antonius von Padua auf der rechten Seite. Antonius trägt das Jesuskind, das er in einer Vision schauen durfte. Er wurde in Lissabon geboren, wollte in Nordafrika bei den Muslims missionieren. Ein Seesturm verschlug sein Schiff an die Küste Italiens. Der Hl. Franziskus entdeckte seine großen geistlichen Fähigkeiten, und berief ihm zum Lehrer seiner Mönche. Zugleich war Antonius ein überaus berühmter Prediger. Seine Kräfte waren aber erschöpft, so dass er bereits im Alter von 36 Jahren im Jahre 1231 starb und in Padua bestattet wurde. Das Volk verehrt ihn vor allem als Helfer, Verlorenes wieder zu finden.

Auf der linken Seite steht die Statue des Heiligen Josef, der Pflegevater des Jesuskindes, das er in den Armen trägt. Der vergoldete Tabernakel wurde erst 1906 im neubarocken Stil hinzugefügt. Er ist das Zentrum der Kirche, die Wohnung Gottes unter uns Menschen. Er verbirgt den Leib des Herrn, der im verwandelten Brot in der Heiligen Kommunion in unser Leben eingeht. Wie der Tabernakel, so tragen der Heilige Antonius und der Hl. Josef Jesus auf den Armen. Das Herz Gottes schlägt für uns. Daher zeigt das Ölbild, 1906 von A. Bischof, im oberen Abschluss des Altares die Herzen Jesu und Mariens.

Das Deckenbild des Chorraums verweist uns auf das undurchschaubare Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, 1768 von Johann Joseph Anton Huber aus Augsburg gemalt. Umgeben von einem kreisförmigen Wolkenkranz lagert Christus mit dem Kreuz auf einer lichten Wolke und Gottvater mit der Weltkugel und dem Zepter, darüber schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, während unten drei Anbetungsengel Tag und Nacht Gott die Ehre erweisen. Sie schwingen das Weihrauchfass. Der Rauch stellt auch unsere Gebete dar. Im Sanctus der Heiligen Messe dürfen wir einstimmen in den ewigen Lobpreis der Engel. Umgeben ist diese himmlische Szene von den Brustbildern der 4 Evangelisten. Sie blicken auf das göttliche Geheimnis. Am Chorbogen links der Evangelist Matthäus mit dem Attribut eines Engels. Er beginnt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu, in dem wiederholt Engel als Gottesboten erscheinen.

Dahinter der Evangelist Markus mit seinem Attribut dem Löwen. Denn er beginnt sein Evangelium mit dem Rufer in der Wüste, Johannes der Täufer, symbolische Löwe, der in der Wüste brüllt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Evangelist Lukas mit dem Attribut des Stieres. Denn er beginnt sein Evangelium mit dem Priester Zacharias, der gerade ein Rauchopfer im Tempel darbrachte, und der der Vater des Täufers Johannes ist.

Am Chorbogen der Evangelist Johannes mit dem Adler. Denn in seinem überaus geistigen Evangelium schwebt er bereits in himmlischen Gefilden.

Alle vier Evangelisten verkünden die Worte und Taten des Herrn, der am Schluss des Matthäusevangeliums den Taufbefehl gab. Alle Menschen auf den Namen des Dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Diese Botschaft trugen die Apostel in die Welt hinaus. Auf der linken Seite der Chorwand der Heilige Petrus mit dem Schlüssel in der Hand. Jesus übertrug ihm den Dienst des Papstes, indem er sprach: Dir übergebe ich die Schlüssel des Himmels. Was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein ..... (Mt 16,19f). Auf der rechten Seite der Völkerapostel der Heilige Paulus. Ihm verdanken auch wir unseren Glauben. Denn er brachte das Evangelium nach Europa. Das Schwert weist auf seinen Tod als Blutzeuge durch Enthauptung unter Kaiser Nero um das Jahr 69.

Im Langhaus imponiert das großartige Deckenbild, ebenfalls von J.A. Huber 1768. Unten der schmale felsige Streifen deutet die Erde an. Darüber schweben Wolkenbänke, die auf den Himmel verweisen. Oben steht kampfbereit der Erzengel Michael mit Schild und Flammenschwert in der Schlachtreihe der guten Engel. Wie ein Knäuel stürzen die gefallenen Engel unter Anführung des Luzifers in den Abgrund. Dieses Hauptgemälde ist umgeben von den Bildern der 4 lateinischen Kirchenvätern. Papst Gregor, d. Gr. mit Tiara. + 604. Er entstammte einer römischen Adelsfamilie, war zunächst Stadtpräfekt von Rom. Er zog sich ins Andreaskloster zurück. Wurde aber Papst von 590 bis 604. Er versuchte mit den germanischen Völkern Kontakt aufzunehmen und sandte Missionare nach England. Aus seinem Erbe gründete er 7 Klöster. Hieronymus mit Totenkopf + 420. Er war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Er übersetzte die gesamte Heilige Schrift ins Lateinische, Vulgata. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zeitweise in einer Höhle bei Bethlehem später in einem dortigen Kloster. Er lebte in strengster Enthaltsamkeit, den Totenkopf ständig vor Augen.

Ambrosius mit Bienenstock + 397. Er war der berühmte Bischof von Mailand. Seine Predigten faszinierten auch Augustinus, der sich von Ambrosius taufen ließ. Vor allem regelte er die Liturgie. Er ist der Vater des Kirchengesanges. Das Te Deum, der Ambrosianische Lobgesang, stammte von ihm. Seine Worte waren dem Geist so süß, wie der Honig der Zunge.

Augustinus mit Liebespfeil, + 430. War zunächst Professor der Sprachwissenschaft. Nach seiner Bekehrung wollte er ein klösterliches Leben ganz für Gott führen. Doch wurde er zum Bischof von Hippo in Nordafrika gewählt. Er verfasste sehr viele theologische Schriften und gilt daher als der größte lateinische Kirchenvater. Vor allem schrieb er viel über den Glauben, der die Liebe ist: Gott, du hast uns aus Liebe erschaffen. Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.

Über dem Chorbogen ist das Wappen der Holzener Äbtissin Hildegard Freiin von Schmidlin mit dem Chronogramm - übersetzt: DEM DREIFALTIGEN UND EINEM GOTT UND DEM HEILIGEN MICHAEL.

Die Seitenaltäre sind meisterhaft in Scheinarchitektur von J.A. Huber aus Augsburg 1770 gemalt. Das linke Altarbild zeigt die Gottesmutter Maria als Immaculata, Unbefleckte. Darüber im Auszug des Altars der Heilige Wendelin. Er war irischer oder schottischer Königssohn. Doch er entsagte dem Luxusleben und ging in die Einsamkeit der Vogesen. Das Wort Gottes und Gebet waren seine geistliche Nahrung. Durch Viehhüten verdiente er seinen Lebensunterhalt und die Tiere blieben gesund und gediehen prächtig. Die Leute kamen zum Einsiedler, wenn ihr Vieh krank war oder Tierseuchen sich ausbreiteten. Er wurde Abt im Kloster Tholey, wo er 617 starb. Daraus entstand das heutige St. Endel im Saarland. Er wurde bei uns als großer Nothelfer in Tiernöten angerufen. Der rechte Seitenaltar zeigt im Altarbild die Mutter Anna und ihrer Tochter Maria. Sie lehrte ihrem Kind die Liebe zur Heiligen Schrift und zu Gott. Darüber im Auszug des Altares der Heilige Georg. Er war römischer Offizier und wurde unter Kaiser Diokletian um 320 grausam gefoltert und dann enthauptet. Eine Legende erzählt, Georg habe einen Drachen, dem Menschenopfer dargebracht werden musste, mit seiner Lanze tödlich verletzt, so dass sich daraufhin die Heiden zum christlichen Glauben bekehrt hätten.

Die Kanzel, 1768, zeigt oben zwei Puten mit den Gesetztestafeln des Mose: Jesus sagte: Es wird kein Jota des Gesetztes aufgehoben. Der Prediger verkündet den Herrn, der den Geist des Gesetzes bis zur Lebenshingabe erfüllt hat.

Der Taufstein, ebenfalls 1768, wird bekrönt durch den monstranzartigen Deckel aus dem Jahre 1906. Chorgestühl, um 1768. Die Kirchenbänke, um 1730, wurden von einer anderen Kirche übernommen.

Die Schleifladenorgel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, erfüllt auch heute noch ihren Dienst zum Lobpreis Gottes.

Die Figuren der 12 Apostel, um 1740, in polierweiß von 1828, stammen aus der Pfarrkirche von Langweid und wurden von dort 1787 übernommen, da Langweid eine neue Kirche baute. Ursprünglich waren die Figuren farbig gefasst. Die Kirche ist auf dem Fundament der Apostel gebaut. Daher werden die 12 Apostelleuchter bei der Kircheneinweihung mit Chrisam vom Bischof gesalbt.

Die großen Gemälde an den Wänden des Langhauses stammen vom Dom zu Augsburg, und wurden dort 1864 infolge der Regotisierung des Domes entfernt und nach Osterbuch gebracht. Rechte Wand: der Heilige Diözesanpatron Ulrich Bischof von Augsburg von 923 - 973. Seinem Einsatz ist der Sieg über die plündernden Ungarn im Jahre 955 auf dem Lechfeld zu verdanken. Von Caspar Strauß, Augsburg, 1658. Auf der linken gegenüberliegenden Seite die Heilige Bistumspatronin und BlutzeuginAfra. Sie soll aus Zypern stammen - Afra = Afrikanerin. Augsburg beherbergte damals eine römische Garnison. Afra bediente die Soldaten als Priesterin der Venus mit ihrem Leib. Der aus Spanien flüchtende Bischof Narzissius kehrte aus Unkenntnis in diesem Lokal ein. Durch das Gebet des Bischofs wurde Afra aus den christlichen Glauben aufmerksam. Sie bekehrte sich zum Christentum. Während der letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurde sie zum Tode durch Verbrennen auf einer Insel des Lechs verurteilt. Sie starb um 300. Bild von Johann Christoph Storer aus Augsburg, 1658. Ihr Leib ist in der Basilika St. Ulrich und Afra beigesetzt.

Die Kreuzwegstationen stammen aus der Zeit um 1770.

Nach der Liturgiereform des Vaticanum II wurden der Volksaltar als Ort der Opferfeier und der Ambo als Ort des Wortes Gottes im Jahre 1983 harmonisch eingefügt.

Östlich der Kirche, im Abhang des Kirchberges, lädt Sie die Lourdes-Grotte aus Tuffstein zum stillen Verweilen ein. Mit Liebe haben unsere Vorfahren sie im Jahre 1930 erbaut und unsere Gläubigen erhalten und schmücken sie zur Ehre Mariens.

Danke, für Ihr Interesse. Im Gebet sind wir verbunden.

 

Erstellt:

Anton Wagner, Pfarrer (+ 29.07.2020)

Pfarrer Dr. Joseph Kaniamparambil

Kirchenpfleger Friedrich Dirr