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Erstmals im Kloster Roggenburg

Organistenkurs des Amts für Kirchenmusik 2016

13.09.2016 15:00

Wer singt nach einem langen Tag in der Kirche – Kadenzen, Harmonisieren, Improvisieren an der Orgel – noch nach dem Abendessen im Chor  ? Genau, die 34 Teilnehmer des diesjährigen Organistenkurses tun genau dies. Sogar ganz auf sich gestellt mit einem Chorleiter aus den eigenen Reihen. Thema sind Marienlieder aus dem neuen Chorbuch zum Diözesanteil des Gotteslobs – Anlass ist eine Messe in der Klosterkirche Roggenburg zum Fest Mariä Geburt am 8. September.

Die Teilnehmer/innen vor dem Hochaltar der Klosterkirche Roggenburg

Ja, zum ersten Mal seit Organistengedenken fand der Organistenkurs nicht in der Wies statt, sondern im Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur beim Kloster Roggenburg.

Das bedeutete für die Teilnehmer einerseits die großartige Möglichkeit , an der 5-manualigen Orgel der Klosterkirche zu spielen, andererseits aber auch etwas Mühe. Denn nur je eine Gruppe- Anfänger oder Fortgeschrittene – konnte an der Roggenburger Orgel unterrichtet werden. Die andere Gruppe musste zum Unterricht an die nicht zu verachtende Holzhey -Orgel der Kirche Mariä Geburt in Schießen.

Der Platz auf den Emporen war etwas eng. Dennoch gelang es Basilika -Organist Axel Flierl ( Fortgeschrittene) sowie Pater Stefan Kling (Anfänger ) in den allermeisten Fällen, die Aufmerksamkeit ihrer Schüler über viele Stunden hinweg zu erhalten. Man befasste sich mit Reger, dessen Todesjahres ( 1916) in diesem Jahr gedacht wird. Der große Komponist hat mit Op. 135 a – seinen kleinen Choralverspielen – auch für Wald- und Wiesenorganisten etwas Feines geschaffen – das mittlerweile in einer tonartmäßig dem Gotteslob entsprechenden Ausgabe vorliegt.

Selbstverständlich wurden wie immer Intonationen in Form von Concerti, Ritornellen, Bicinien sowie Harmonisationen von Chorälen vorgestellt und geübt. Daneben beschäftigte man sich vorausschauend mit Weihnachtsmusik aus Süddeutschland.

Ein Höhepunkt war am Donnerstag Nachmittag die Fahrt zur historischen Orgel im Gabelbach. Historisch fürwahr . Die Orgel wurde 1609 ursprünglich für die Barfüßerkirche in Augsburg von Marx Günzer gebaut und versieht – neben einer alltagstauglichen modernen Orgel – nach zahlreichen Um- und Einbauten nun in Gabelbach ihren Dienst.

Am Abend wurde die Messe in der Klosterkirche vom Kurs gestaltet durch Chorgesang und Orgelspiel sehr vieler Kursteilnehmer. Anschließend führte Pater Stefan durch seine Kirche und einige Räume im Kloster, so fachkundig und witzig, dass es keine Minute langweilig war. Auch allerlei Skurriles wurde erwähnt. Z.B ist an einem Deckengemälde ein kleines Bierfässchen mit der Aufschrift HB  ( also Hofbräuhaus ) an den Rand gemalt – der Münchner Künstler drückte damit wohl seine Sehnsucht nach dem heimischen Getränk aus.

Gewisse Ermüdungserscheinungen am letzten Kursvormittag wurden dadurch aufgefangen, dass ein kleines Konzert der Teilnehmer füreinander improvisiert wurde. Dabei gab es auch sehr schöne Musik für Orgel und verschiedene Flöten und brillantes Spiel von sehr Fortgeschrittenen.

Zum Abschluss wurde die Frage diskutiert : Roggenburg oder Wies ? Für die allermeisten gab die prächtige Orgel in Roggenburg für dieses den Ausschlag.

Cornelia Kellerer

P. Stefan Kling mit Kursteilnehmer/innen an der historischen Orgel von 1609 in Gabelbach