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Porträt

Diözesaner Flüchtlingsbeauftragter: „Vernetzung der Flüchtlingsarbeit ist zentrales Thema für mich“

26.10.2015 10:00

Zwei Orte in Augsburg, ein Thema: hier der Besuch in einem der ältesten deutschen Flüchtlingsheime in der Calmbergstraße, da ein Vortrag über das vielschichtige Thema „Flüchtlinge in Deutschland“ bei der Dekanatskonferenz im Pfarrheim Heiligste Dreifaltigkeit in der Ulmer Straße. Nur wenige Minuten und sechs Kilometer liegen zwischen den beiden Nachmittagsterminen des neuen diözesanen Flüchtlingsbeauftragten Diakon Ralf Eger.

Diakon Ralf Eger (Foto: Nicolas Schnall)

Einerseits trifft er auf eine Unterkunft mit mehr als 100 Männern aus aller Herren Länder mit dem Aufenthaltsstatus „Duldung“; auf Caritas-Asylsozialberater und Ehrenamtliche, die für diese Menschen Hoffnungsträger sein wollen. Andererseits hören ihm rund zwei Dutzend Pfarrer, Diakone, Pastoralreferent/-innen und Gemeindereferent/-innen zu, die in den Pfarreien Verantwortung tragen – auch für Flüchtlinge. Auf den ersten Blick ein krasser Kontrast. Und doch sind es zwei wesentliche und zusammengehörende Seiten der einen Medaille kirchlicher Flüchtlingsarbeit.

Diese Hoffnungs- und Verantwortungsträger immer enger zusammenzubringen sieht Diakon Eger als eine seiner Hauptaufgaben. „Die Vernetzung der Flüchtlingsarbeit in der Diözese ist das zentrale Thema für mich“, betont er. Und dabei muss Eger nicht erst bei Null anfangen. Er habe in den letzten Wochen Ehrenamtliche in den Asyl-Helferkreisen kennengelernt, die sich mit einer bewundernswerten Beharrlichkeit und Professionalität für Flüchtlinge einsetzten. „Überall stoße ich auf offene Türen für das Thema. Aber die Menschen erwarten auch, dass ich Auskunft gebe und ihre Sorgen ernst nehme“, fasst der 47-jährige gebürtige Kemptener seine Erfahrungen der ersten Wochen als diözesaner Flüchtlingsbeauftragter zusammen.

Ganz fremd war ihm sein neues Arbeitsfeld nicht. Aufgewachsen in einer Familie, die Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebt hat, sei für ihn das Thema immer schon präsent gewesen. Zudem beschäftigte er sich schon in den

Praktische Hilfe. (Foto: Peter Weidemann, www.pfarrbriefservice.de)

vergangenen Monaten als Ansprechpartner für den Flüchtlingshelferkreis in der Pfarrei Heilig Geist in Durach mit den drängenden Fragen: Wie kann kurz- und langfristig bezahlbarer Wohnraum für Asylbewerber geschaffen werden? Wo können Sprachkurse zur besseren Integration angeboten werden? Wer kann Flüchtlinge zu Behörden begleiten? Fragen, die den Ständigen Diakon und Vater von zwei Kindern so auf den Nägeln brennen, dass er sich nun seit Oktober bistumsweit für deren Beantwortung stark macht.

Einem Phänomen ist er auch schon begegnet: diffuser Angst vor dem Fremden. „Deshalb ist es wichtig, das kennenzulernen, was wir nicht kennen“, wirbt Eger für eine neue Kennenlernkultur in den Pfarreien und versucht dadurch Hemmschwellen abzubauen. „Je breiter wir uns aufstellen, desto besser.“ Wenn sich aus jeder Pfarrei Menschen in Asylhelferkreisen engagierten und Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen geschaffen würden, wäre schon viel gewonnen, so Eger. Dabei dürfte es auch nicht die vorrangigste Rolle spielen, ob die Flüchtlinge aus religiösen, politischen oder ethnischen Gründen bei uns Asyl beantragen. Denn eines steht für Diakon Eger außer Frage: „In der Not sollte die Religion des Hilfesuchenden nicht das erste Kriterium sein, ob und wie intensiv wir uns um diese Menschen kümmern.“

Nicolas Schnall