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18.03.2015 18:26

Donnerstag, 12. März, 12.30 Uhr in der Unterkirche Schwabmünchen: Die Kommunionkinder der Klasse 3a/b der Grundschule Schwabmünchen sitzen auf Gebetsschemeln vor dem Altar, zusammen mit ihrem Religionslehrer, Diakon Winfried Eichele. Die Gitarre auf dem Schoß stimmt Eichele zum ersten Lied an. „Wir feiern heute ein Fest“ singen bald alle auswendig mit, ein „Kommunionsschlager, den alle kennen“, sagt Eichele kurz. Danach erklärt er den Schülern, was eine Monstranz ist, er wirft Fragen in die Runde, die Kinder tragen ihre Fürbitten vor, sie tanzen gemeinsam. Es ist Donnerstag, der letzte Tag der Gebetswoche der Pfarrei - nach fast neun Tagen durchgängigen Gebets geht sie am Abend mit einer Festmesse zu Ende.

Unterschiedliche Gruppen und Personen haben die die ganze Woche lang Tag und Nacht vor dem Allerheiligsten verweilt - so wie Winfried Eichele eben mit seiner Kommunionklasse. Er ist in die Unterkirche gekommen, weil er es wichtig finde, Kinder früh ans Gebet heranzuführen. Die Gebetswoche sei eine gute Plattform dafür, sagt Eichele. „Hier bietet sich die Möglichkeit, dass die Schüler den Glauben sinnenhaft erfahren können, ohne viele Worte“, betont der Diakon. Den Glauben sinnenhaft erfahren – dieser Gedanke hat auch Andreas Würstle von der Glaubenswoche überzeugt. „Man konnte in ruhiger Atmosphäre zu sich kommen, musste nichts leisten, konnte einfach nur mal dasitzen und über sich selber nachdenken.“ Das Spirituelle des Christseins sei da ganz besonders zum Tragen gekommen, findet der Dreißigjährige. Auch selbst hat Würstle sich aktiv an der Gebetswoche beteiligt, hat ein Taizegebet vorbereitet am Freitagabend.„Schon vorab, zum Einüben der Musikstücke, kamen über 25 Leute und beim Gebet selbst war dann die ganze Kirche über voll. Damit hätten wir wirklich nicht gerechnet“. Eine Erklärung dafür, kann Würstle nicht ausmachen. Die Tatsache jedoch, dass man hier kommen und gehen könne, wann und wie man will, sei jedoch schon etwas, was gut in unsere Zeit passe, findet er. Gekommen ist auch Irmgard Federhofer. Warum? „Ich wollte wissen, was sich hinter dem Wort Taizegebet versteckt“, sagt die Siebzigjährige. Gefallen habe ihr es gut, die Musik und die Stille im Kerzenschein, besonders aber, dass die Aktion von so vielen jungen Menschen ausgehe, beschreibt sie.

Ob die Schüler der Kommunionklasse 3a/b so eine besondere Art des Gebets schon mal erlebt hätten? „Nein“, sagen sie fast einstimmig. Wie es ihnen gegangen ist? „Ich habe Gottes Kraft gespürt“, sagt Dominik. Wie genau? Er überlegt und zuckt mit den Schultern. In Worte fassen kann er es nicht.

Pfarrer Christoph Leutgäb ist noch immer fasziniert, wie viele Gruppen sich an der Gebetspräsenz beteiligt haben: „Die Woche hat gezeigt, wie viele betende Menschen es in Schwabmünchen gibt. Selbst in den Nachtstunden waren mehr Leute da, als eingetragen“, sagt Leutgäb begeistert und dankbar.

Mehr als einmal eingetragen hat sich auch Elke Esswein. Bewusst immer nachts, sagt sie: „Ich habe die Stille der Nacht gesucht, das Gespräch mit Gott und mir selbst.“ In der Nacht sei die Atmosphäre nochmal anders, einfach ruhiger, beschreibt die konvertierte Katholikin.

Mit eindrücklichen Predigtworten von Generalvikar Harald Heinrich ging die Gebetswoche im Rahmen einer Festmesse zu Ende. Das Wichtigste in unserem Glauben sei, so Heinrich, an die Quelle unseres Lebens zu gehen „Wer sich dem Allerheiligsten aussetzt, setzt sich der Liebe Gottes, seiner Fürsorge und Liebe aus.“ Mit guten Aussichten für die Schwabmünchner schloss er: „Wenn es hier weiterhin Menschen gibt, die Gott ihre Sehnsucht anvertrauen, wird Schwabmünchen eine gute Zukunft haben“, so der Generalvikar.

Von Maria Steber