Mastodon
Dreijährige Ausbildung für Priester aus der Weltkirche

„Meine Heimat ist dort, wo ich gerade bin“ - Zu Besuch bei Kaplan Solomon in Neusäß

16.11.2016 11:04

Manchmal hat es Solomon John Essiet bis spät in die Nacht getan: Vokabeln gelernt, Verben konjugiert, Grammatikregeln einstudiert. Drei Jahre ist es mittlerweile her, seit er seine afrikanische Heimat Nigeria in Richtung Deutschland verlassen hat. Inzwischen ist er seit zwei Jahren Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Neusäß. Mit der deutschen Sprache kommt er mittlerweile bestens zurecht.

Kaplan Solomon John Essiet. (Foto: Maria Steber/pba)

Das Schwerste sei es damals gewesen, in ein Land zu kommen, ohne dessen Sprache zu können und niemanden zu kennen, erinnert sich der junge Kaplan an seinen Anfang hier in Deutschland. „Mein erster Herzenswunsch war damals, Deutsch zu lernen, um mit den Menschen kommunizieren zu können. Ein Priester muss sprechen können. Wenn die Verständigung nicht richtig funktioniert, entstehen Missverständnisse“, ist sich Kaplan Essiet sicher.  

Wie alle Priester, die aus der Weltkirche ins Bistum Augsburg kommen, hat deshalb auch Solomon Essiet zunächst sieben Monate lang auf einer Sprachschule Deutsch gelernt. „Wenn ein ausländischer Priester von seiner Ordensgemeinschaft oder von seinem Bischof freigestellt ist für den Dienst in der Diözese Augsburg, wird er durch eine dreijährige Ausbildung in die Arbeit im Bistum eingeführt“, erklärt dazu Domvikar Martin Riß, der für die Ausbildung der ausländischen Priester im Bistum Augsburg verantwortlich ist.  

Nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache, sondern auch der Erwerb des Führerscheins, die Einführung in Kultur und Pastoral in der Diözese Augsburg, das Kennenlernen diözesaner Einrichtungen, die Hospitation im Religionsunterricht und die Einführung in die Verwaltung einer Kirchenstiftung mit Bau-, Finanz- und Personalrecht gehören zu den festen Bestandteilen der drei Ausbildungsjahre. „Unser Bestreben ist es, die Mitbrüder an die Hand zu nehmen, damit sie sich hier gut zurechtfinden und wir so gemeinsam unseren Dienst tun können. Schon in meiner Heimatpfarrei, später dann im Pastoralkurs und vor allem auch in meiner jetzigen Tätigkeit durfte und darf ich Mitbrüdern aus dem Ausland begegnen, die mich auf meinem Weg begleitet und bestärkt haben und so freue ich mich, dass ich nun ein wenig von dem zurückgeben kann, was ich selbst empfangen durfte,“ so Domvikar Martin Riß.  

Generalvikar Harald Heinrich (Mitte) hat im September gemeinsam mit Domvikar Martin Riß (rechts) und Pater Babu Pereppadan (links) Priester aus der Weltkirche zu ihrem Dienstbeginn im Bistum begrüßt. (Foto: Nicolas Schnall/pba)

Kaplan Solomon Essiet schätzt diese Form der Einführung ganz besonders. Gerade im Rückblick auf seine Anfangszeit erinnere er sich an manche Herausforderung: „Als ich noch keinen Führerschein hatte, haben mich einzelne Pfarreimitglieder zu Terminen und Messen gefahren.“ Noch heute sei er ihnen dafür dankbar: „Die Menschen hier haben mich sehr herzlich aufgenommen. Anfangs haben sie mir sogar beim Vorbereiten der Predigt geholfen“, erinnert er sich und ist froh darüber, noch nie mit irgendeiner Form der Diskriminierung konfrontiert gewesen zu sein. „Einmal hat sich ein Mann bei der Krankenkommunion  ausdrücklich  gewünscht, von mir beerdigt zu werden. Das hat mich überrascht, gefreut und in meiner Arbeit bestätigt.“

Auch wenn es einige Unterschiede im Glaubensleben gibt, Heimweh hat Kaplan Solomon Essiet selten. „Meine Heimat ist dort, wo ich gerade bin“, lautet seine Devise. Und diese Devise lebt er auch: „Wenn ich koche, dann koche ich deutsch“, sagt er mit einem Schmunzeln. Mit dem schwäbischen Dialekt kommt er darüber hinaus auch schon ganz gut zurecht. Und manchmal habe er sich dabei sogar schon selbst ertappt. Dann nämlich, wenn ihm das Wort „bissle“ ganz locker über die Lippen rutscht.

Maria Steber