Die Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit in Niederraunau

 

Geschichte der Pfarrkirche

Die erste heute bekannte urkundliche Erwähnung befindet sich in einer 

Urkunde aus dem Jahr 1067. Daraus erfahren wir, dass Graf Schwigger von Balzhausen und Schwabeck die damals zu Ehren des Hl. Michael geweihte Kirche, die ihm sein Schwiegervater Adelgoz vererbte, dem neu gegründeten Kollegiatstift St. Peter in Augsburg unter Bischof Embrico geschenkt habe. Die Kirche ist damit die älteste erhaltene Kirche des Kammeltales.
Wie bei der Renovierung der Raumschale im Jahr 2001 ersichtlich wurde, ist das Gemäuer der Apsis noch aus Quadersteinen errichtet. Dies dürfte dem Zustand der Erbauung entsprechen.
Ein sicheres Zeugnis an der rechten Chorschulter der Kirche belegt, dass 1617 der ursprünglich vierseitige Kirchturm zu seiner heutigen Gestalt aufgestockt und mit vier Glocken ausgestattet wurde. Das heutige Erdgeschoss des Turmes entspricht mit seiner mächtigen Mauerstärke und dem Gewölbe einem erhaltenen romanischen Fluchtturm. Die heutige Höhe des Turms bis zum Knauf oberhalb der Kuppel misst 46 Meter - nicht nur für den damaligen Markt Raunau, sondern auch heute noch ein dominierendes Wahrzeichen. Seit 1996 läuten wieder 4 Bronzeglocken, nachdem sie whd. des Krieges durch Stahlglocken ersetzt worden waren. Hier sind sie zu hören:

http://www.glockenklaenge.de/orte/bay/niederraunau.html

Während der Phase des Kirchenneubaus ab1620 blieb die Apsis erhalten. Das heutige Langhaus wurde ab 1627 - also während des dreissigjährigen Krieges - erbaut und am 1. November 1629 die Kirche zu Ehren Unserer Lieben Frau geweiht. Um den Kirchenneubau verdient gemacht hat sich Marquard von Freyberg, der dazu ein beträchtliches Vermögen vermachte. Ihm verdankt die Pfarrkirche auch das aus Adneter Marmor gefertigte Taufbecken aus dem Jahr 1621 sowie das Weihwasserbecken aus demselben Jahr. Letztlich hat er dem Markt Niederraunau auch das Wappen, ein Lindenbaum auf silbernem und blauen Hintergrund, verliehen.
Nachdem das Ausgestaltung des Kirchenraums und die Ausstattungen bei wiederholten Renovierungen während der letzten Jahrhunderte immer wieder wechselten und Altertümer zum Großteil verloren gegangen sind, haben sich die Kirchenverwaltungen bemüht, in drei Innenrenovierungen (1962-66, 1978-81, 2001-10) das historische Erbe zu bewahren und mit den liturgischen Reformen in Einklang zu bringen. In den Jahren 2001 bis 2006 wurde durch eine umfassende Renovierung der Raumschale sowie die neue Altarraumgestaltung nach Plänen von Prof. F.B. Weißhaar und dank intensiver Mitwirkung von Pfarrangehörigen die heutige Innengestaltung geschaffen. Von 2009-10 wurden Teile der Kirchhofmauer erneuert, eine umfangreiche Dachsanierung und die Renovierung des Langhauses wie des Turmes durchgeführt.

 

Altarraum seit 2006
Details der Pfarrkirche Hlgst. Dreifaltigkeit in Niederraunau

 

Putto rechts vom Kreuz: ISTE REDEMPTOR DEVS: Dieser da ist der Erlöser Gott DIe Buchstaben I D M D V ergeben als römische Zahlen gelesen die Zahl 2006, das Jahr der Altarweihe.

 

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind - da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18, 20)

Die Deckengemälde unserer Pfarrkirche zeigen fünf Familienszenen. Jedes der Bilder läßt den Bezug zu der Verheißung herstellen: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Vier Familienszenen wurden als zusammengehöriger Zyklus 1882 von Joseph Stehle gemalt. Die vom alten Eingang her erste Szene - heute über der Orgel - war übertüncht, wurde bei der Kirchenrenovierung 2001 von K. Funk unter Kalkschichten aufgefunden und daraufhin freigelegt. Es fand sich ein gut erhaltenes Fresko wohl aus derselben Zeit wie die Bilder an den Brüstungen der Emporen (um 1720-1730).

Joachim, Maria als Kind und Anna

Vom heutigen seitlichen Eingang her das erste Bild zeigt die Familie, in der Maria aufgewachsen ist. Maria kniet in der Mitte des Bildes und schmiegt sich an ihre Mutter Anna. Anna und Joachim sind die Großeltern von Jesus. Besonders Joachim ist auf dem Bild schon etwas älter. Der Legende nach bekamen sie Maria erst nach langem Warten auf ein Kind.
Anna lächelt ihre Tochter Maria recht lieb an, während sie von einem Buch aufblickt, aus der sie Maria etwas vorzulesen scheint. Ein weiteres Buch lehnt zugeschlagen am Boden. Das geschlossene Buch könnte das Alte Testament sein, das offene das Neue Testament, das mit Maria und ihrem Kind Jesus beginnen wird.
Anna und Joachim haben die Hoffnung auf ein Kind nicht aufgegeben. Sie haben an die Zukunft geglaubt. Und sie haben diesen Glauben und ihre Zuversicht an Maria weitergegeben.

Maria und ihre Mutter Anna

Sie haben Maria auch Zuwendung, Nähe und Geborgenheit spüren lassen. Diese Erfahrungen konnte Maria ihrem Sohn Jesus weitergeben.

Elisabeth, Zacharias und Johannes

Auf dem Weg im Mittelgang zur Apsis zeigt das nächste Bild die Familie von Johannes dem Täufer. Seine Mutter Elisabeth und sein Vater Zacharias sind beide schon älter und hatten immer noch kein Kind.
Eines Tages erscheint Zacharias, während er als Priester im Tempel Dienst hatte, ein Engel. Der Engel Gabriel sagt, er sei von Gott gesandt, um mit Zacharias zu reden. Dabei kündigt er ihm an, dass er und seine Frau Elisabeth endlich ein Kind bekommen werden.  Dem Zacharias verschlägt es dabei regelrecht die Sprache.
Elisabeth freut sich, als sie mit Johannes schwanger war, und sagte: "Der Herr hat an mich gedacht und mich vor den Augen der Menschen nicht blamiert."
Auf dem Bild verläßt Johannes gerade sein Elternhaus, um als Täufer aufzutreten und auf Jesus, der als Lamm dargestellt wird, vorzubereiten.

Elisabeth und Zacharias sind in ihrer Sorge um ein eigenes Kind zusammengeblieben, sie haben den Glauben an Gott nicht aus lauter Verzweiflung sein lassen. Und sie haben ihren Sohn Johannes in diesem Glauben aufgezogen. Mit seiner Verkündigung ist Johannes dann Jesus begegnet.

Maria, Jesus und Joseph

Das dritte Bild auf dem Weg im Mittelgang zur Apsis zeigt Jesus mit seinen Eltern. Sie befinden sich offensichtlich auf der Rückkehr von der Wallfahrt nach Jerusalem. Jesus trägt ein Schriftband in seinen Händen. Darauf steht: Ich habe mich an dem er(freut), ins Haus des Herrn zu gehen.
Wie wir wissen, waren Maria und Josef ziemlich schockiert, als sie ihn nach mehreren Tagen aufgeregter Suche endlich im Tempel fanden. Jesus gab damals seinen verängstigten Eltern eine nicht gerade freundliche Antwort: „Wie konntet ihr mich suchen?“ „Dann aber ging er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam“, wie es bei Lukas heißt.
Von Maria, die hier auf dem Bild recht nachdenklich wirkt, sagt Lukas: „Sie bewahrte alles in ihrem Herzen.“

Mit Maria und Josef haben öfters die Engel gesprochen. Sie haben Jesus für diesen Glauben aufgezogen, den er uns dann verkündet hat. Sie haben ihm das Gefühl der Geborgenheit vermittelt, die er uns wünscht und die er von seinem Vater erfährt. Bringen Sie das erste Bild mit dem dritten in Verbindung: Maria schmiegt sich an ihre Mutter. Diese Erfahrung von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit gibt sie an ihr Kind weiter. Jesus steht zwischen seinen Eltern und damit ganz unter dem Schutz seiner Eltern.

Heilige Dreifaltigkeit

Das Bild direkt in der Apsis zeigt eine 4. Familie, nämlich links Jesus, den Sohn Gottes, rechts seinen Gott-Vater und in der Mitte den Heiligen Geist als Taube.
Gott Vater hält seinem Sohn die Weltkugel hin, auf der Adam und Eva unter dem Baum des Paradieses zu sehen sind. Jesus greift nach der Erdkugel an der Stelle, wo aus ihr und dem Stamm des Paradiesbaumes das Kreuz herauswächst.

Die Schöpfung im Blick

In der göttlichen Familie ist es wie in der menschlichen: Hier finden wir Zusammengehörigkeit, Geborgenheit, Interesse für andere. Ja, im Zentrum des Interesses der drei göttlichen Personen steht die Welt von Anfang an. Schauen Sie! Gott bietet sich uns an, er kommt, wenn wir ihn bitten, wenn wir freudig an ihn denken, wenn wir trotz Verzweiflung einen kleinen Funken Hoffnung nicht aufgeben, und er kommt, wenn wir uns versöhnen.
Unter der Heiligen Dreifaltigkeit spannt sich ein weiter Regenbogen mit der dreifachen Inschrift „Friede“. Darunter hält ein Engel ein Schriftband, das uns erklärt: „Ratschluß der ewigen Liebe“ ist es, unter den Menschen Frieden zu stiften.

Heimkehr des verloren geglaubten und wiedergefundenen Sohnes

Das wiedergefundene Bild stellt die Heimkehr des verlorenen Sohnes dar. Dieser ließ sich das Erbe ausbezahlen und verließ sein Elternhaus. Als er das ganze Vermögen aufgebraucht hatte, kam er in seiner Not wieder nach Hause.

Die Begegnung mit seinem Vater, der ihn herzlich umarmt, sehen wir. Im Hintergrund drängelt sich eine große Schar von Gästen, die sicherlich nicht nur freundlich über den Heimgekehrten reden. Der Vater aber freut sich riesig und hat drei Stühle frei gehalten, einen für sich und zwei für seine beiden Söhne.

Hier auf diesem Bild, das heute etwas versteckt ist und deshalb gesucht werden muß, da sind drei leere Stühle: es sind drei freie Plätze. Wenn sie vor diesen Plätzen am Tisch, auf dem das Mahl gerichtet ist, stehen, darf Ihnen die Idee kommen: Da ist ein Platz für mich!

Kann es etwas schöneres geben, als diese Erfahrung, wenn sie die Kirche betreten oder verlassen: Nicht ein Monsignore oder ein Bischof, nein Gott selbst hat mir einen Platz angeboten gleich neben sich, er hat mir nicht nur etwas zugeflüstert wie beim Stehempfang und mich dann stehen lassen. Ja, er hat mich an seinen Tisch gebeten! Sagen sie dies weiter!

Klemens Funk