Bericht zum Vortrag "Ja, zum Leben mit Demenz" mit Helga Rohra
„Ja“ zum Leben – trotz Demenz
Dies ist nicht nur einfach der Titel des Buches der Münchner Demenzaktivistin Helga Rohra. Es ist auch ihr Lebensmotto. Dies wurde den insgesamt ca. 60 Zuhörern deutlich, die am 18. September 2020 im Augsburger Haus St. Ulrich gebannt ihren zwei Vorträgen lauschten.
Helga Rohra erhielt mit 54 Jahren die Diagnose, dass sie an der Lewy-Körper-Demenz erkrankt ist. Ihre einzigen Zukunftsaussichten seien, an Parkinson zu erkranken und in ein paar Jahren im Pflegeheim zu leben. „Eine Demenzdiagnose zu erhalten, bedeutet für die meisten Menschen, dass sie ab sofort dem Sonnenuntergang entgegengehen“, meinte Frau Rohra. Damit wollte sie sich aber nicht abfinden. Sie wollte noch viele Sonnenaufgänge erleben. Und so machte sie sich auf den Weg und mobilisierte ihre inneren Ressourcen. Dazu gehören ihr starker Glaube an Gott und die Verantwortung, die sie bis heute für ihren Sohn trägt. Das ist ihr Tipp für alle, die solch eine traumatische Mitteilung erhalten: als erstes erde Dich – besinne Dich Deiner inneren Kräfte. Dieser Kraftquellen müsste man sich aber Zeit seines Lebens immer wieder besinnen, damit sie in Krisenzeiten abrufbar seien, meint Helga Rohra.
Ebenso wird sie nicht müde, weltweit dafür einzutreten, dass mit Demenzkranken geredet wird und nicht über sie. „Wie stellen Sie sich einen Demenzkranken vor?“ war eine ihrer Eingangsfragen. Sie gab selbst die Antwort: „Alt - hilfsbedürftig - verwirrt- im Rollstuhl“. Doch dies sei ein einseitiges Bild von Demenz. Es gibt über 146 verschiedene Arten von Demenz - bei jeder ist ein anderer Teil des Gehirns betroffen. Dies führt zu den unterschiedlichsten Krankheitsverläufen. Dazu kommt noch die Individualität jedes Menschen. Jeder Erkrankte zeigt seine typischen Verhaltensmuster, obwohl die Grunddiagnose dieselbe ist. Doch für alle gilt: Hinter dieser Krankheit, egal welcher Prägung, steht ein Mensch, der geliebt werden möchte, der wünscht, dass man auf das schaut, was er kann und der respektiert werden möchte - der wünscht, dass man mit ihm und nicht über ihn redet.
„Die Diagnose Demenz muss nicht das Ende bedeuten. Es kann der Beginn eines anderen neuen Lebens sein“.
Mehr von Helga Rohra unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Helga_Rohra
Margaretha Wachter, Gemeindereferentin