Demenz - unser Auftrag als Kirche

Hoher Dom zu Augsburg, Foto: Robert Ischwang

 

Das 5-Säulen-Modell des deutschen Psychologen Hilarion Petzold erklärt, dass unsere innere seelische Stabilität von fünf Säulen aufrechterhalten wird:  

  • Arbeit und Leistung 
  • Materielle Sicherheit 
  • Soziales Netz und Beziehungen 
  • Körper und Gesundheit 
  • Werte und Sinn 

Je älter ein Mensch wird, umso mehr Säulen werden wackeliger oder stürzen ganz zusammen. Die Säule „Werte und Sinn“ mit zu stützen, zu der auch die Spiritualität und Religiosität zählen, ist ureigenste Aufgabe der Kirche. Deshalb sind wir als Kirche aufgerufen zu überlegen, mit welchen Angeboten wir die Spiritualität eines Erkrankten, aber auch ihrer Angehörigen, Betreuern und Pflegern stärken können.  

"Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm." 1Kor 12,24-27 

Am Beispiel der "Demenzsensiblen Pfarrgemeinde" wird dies deutlich:

"Demenzsensible Pfarrgemeinde", das ist mehr, als das Augenmerk in der pastoralen Arbeit nur auf die Probleme von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen zu legen. In der Beschäftigung mit der Komplexität dieses Themas wird man merken, dass die Probleme, aber auch die Chancen, für viele Bereiche des Gemeindelebens gelten. 

In der Auseinandersetzung mit der Frage: "Was bedeutet demenzsensible Pfarrgemeinde?" kann die Antwort ein Zukunftsbild von Kirche sein, das eine moderne Beschreibung des Kommens des Reiches Gottes auf Erden zeigt: 

Kein Kranker braucht sich mehr seiner Krankheit zu schämen - Angehörige müssen sich nicht in Isolation begeben, weil niemand mehr mit ihnen spricht. Gottesdienste werden mit allen Sinnen erlebbar, verständlich und lebendig gefeiert. Alte, Junge, Kranke, Gesunde, Menschen mit Einschränkungen treffen sich an gemeinsamen Plätzen und entdecken neue Seiten am anderen. Nachbarn entdecken den Nachbarn neu - Einsamkeit wird zum Alleinsein. Ängste weichen der Neugierde – Neugierde wird zum aufrichtigen Interesse am anderen. Dieses Eintauchen in die Lebenswelt der anderen kann zu einem eigenen tiefen Bewusst-Werden des Wichtigen im Leben führen. Dieses “Neuentdecken” braucht Zeit. Doch diese Zeit wird nicht als verloren betrachtet, sondern als Geschenk. Es wird einem eine essentielle Grunderfahrung geschenkt: Gott wird im Gegenüber erfahrbar. 

In den nachstehenden Links erhalten Sie Tipps für den Aufbau einer nicht nur demenzsensiblen, sondern einer sensiblen Pfarrgemeinde: 

www.ekd.de/eafa/best-practice/demenzsensible_kirchengemeinde.html