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Großer Bildungstag

Bericht zu unserem Großen Bildungstag

 

Vortrag von Dr. Marianne Koch bildet den Auftakt zum 9. Großen Bildungstag der Altenseelsorge für Ehrenamtliche und Hauptberufliche in der Seniorenarbeit

Am 26. und 27.09.2025 fand zum neunten Mal der Große Bildungstag für Ehrenamtliche und Hauptberufliche in der Seniorenarbeit des Fachbereichs Altenseelsorge statt.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Haus Sankt Ulrich begrüßte Diözesan-Altenseelsorger Robert Ischwang am Freitagabend, 26.09.2025, das Publikum zum Vortragsabend mit Dr. Marianne Koch. 350 Teilnehmende lauschten den lebendigen Worten von Dr. Koch vor Ort aufmerksam und begeistert. Zahlreiche Interessierte, die leider keinen Platz gefunden hatten, konnten online an der Veranstaltung teilnehmen.

Gerührt von der freundlichen und überschwänglichen Begrüßung durch Gemeindereferentin Rita Sieber und das Publikum begann Frau Dr. Koch die Lesung aus ihrem neusten Buch „Mit Verstand altern. Wie es gelingt geistig fit und lebendig zu bleiben.“

Ohne auszusparen, dass das Alter auch mit schwerwiegenden Erscheinungen wie dem Verlust geliebter Menschen und Einsamkeit sowie körperlichen und geistigen Einschränkungen einhergehen kann, gelang es ihr, Mut zu machen mit einem positiven, zuversichtlichen Blick auf das Alter als interessanten Lebensabschnitt  zu schauen, damit ein Altern in Lebendigkeit, Vielfalt und voller Reichtum gelingen kann und das Alter zu einem „wertvollen Teil des ganzen Lebens“[1] wird. Denn unsere persönliche Überzeugung und unser eigner Blick auf das Alter, präge die Art wie wir altern, so Koch.

Sie machte in ihrem Vortrag immer wieder ganz klar auf diese Chance aufmerksam heute deutlich länger körperlich und geistig fit bleiben zu können. Gleichzeitig betonte Frau Dr. Koch aber auch, dass dies des Zutuns jeder und jedes einzelnen bedarf. Sie ging dabei in anschaulicher und zugänglicher Sprache auf das Wunderwerk unserer Nervenzellen ein, wie wir Erlebnisse verarbeiten, speichern und erinnern, die Gedächtnisleistung im Alter. Sie stellte sich und die Zuhörerinnen und Zuhörer vor die Frage, wann man denn alt sei. Lediglich eine Altersveränderung scheint ihr dabei allgemeingültig zu sein: Im Alter lernten wir langsamer, bewegten uns langsamer, passten uns langsamer an die Umgebung an und der Antrieb würde zögerlicher. Dem – so Koch – gelte es entgegenzuwirken, nicht beim „Muss das denn jetzt sein?“ stehen zu bleiben, sondern aktiv zu bleiben oder zu werden, um nicht abzubauen.

Hier setzte sie dann auch einen klaren biografischen Bezug: Vermutlich habe es ihr geholfen noch heute –  Frau Dr. Koch durfte in diesem Jahr ihren 94. Geburtstag feiern – so fit zu sein, dass sie noch mit 40 Jahren das medizinische Staatsexamen machte und anschließend den Facharzt für Innere Medizin, das habe ihr Gehirn strapaziert und gefordert. Auch davon, dass sie mit 68 begonnen habe medizinische Bücher zu schreiben, würde sie heute geistig profitieren. Die Treppen im Haus hielten sie fit, ebenso wie ihr geliebter Hund und die Spaziergänge mit ihm, aber auch die konsequente und gute Ernährung.

So referierte sie anschließend über die positive Wirkung regelmäßiger und ausreichender körperlicher Bewegung, eines guten Schlafes, von Prävention mittels Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sowie ausgewogener Ernährung. Sie machte Mut Neues erleben zu wollen, geistig beweglich zu bleiben und soziale Kompetenzen zu erweitern: Ein Netzwerk aus Freunden und Familie, gute Gespräche, der Umgang mit Ängsten und ein gutes Leben am Lebensende dank Palliativmedizin können das Leben im Alter lebenswert machen.

An den Vortrag schloss sich ein Podiumsgespräch an. Diakon und Diözesan-Altenseelsorger Robert Ischwang moderierte das Gespräch mit Sr. Bernhild Schuster (OSF), Leitung eines Konvents der Dillinger Franziskanerinnen, Franz-Reinhard Daffner (Domkapitular i.R.), der langjährigen Klinikseelsorgerin und Seelsorgerin im Hospiz Josefa Britzelmeier-Nann (Pastoralreferentin i.R.)  sowie dem ehemaligen Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Augsburg, Dr. Jens Schneider. Das Podium griff die Inhalte des Vortrags mit Bezug zum eigenen Leben und Wirken der Teilnehmenden auf.  Sr. Bernhild nahm u.a. humorvoll und tiefgründig auf die soziale Komponente des Klosterlebens in Gebets- und Mahlgemeinschaft sowie der Rekreation Bezug. Franz-Reinhard Daffner benannte den Glauben als Ressource für das Älterwerden.  Josefa Britzelmeier-Nann, berichtete autobiografisch, wie ihr ein guter Eintritt in die Rente gelungen ist. Aus ihrer Arbeit als langjährige Klinikseelsorgerin auf der Palliativstation und derzeit als Seelsorgerin im Hospiz sprach Sie von der Bedeutung, die es in den letzten Tagen hat, diesen Tagen mehr Leben zu schenken, Leben voll Qualität. Dr. Jens Schneider griff gelingendes Altern mit Blick auf seine Tätigkeit und Projekte mit Menschen mit Demenz auf, neben Ausflügen, Museumsbesuchen, Demenzgottesdiensten und musiktherapeutischem Singkreis, die Menschen oft aus Ihrer Einsamkeit holen, da sich soziale Netzwerke bilden, hob er den Chor „Grenzenlos“ hervor. In diesem Chor singen Seniorinnen und Senioren mit und ohne Demenz.

An die 70 Sängerinnen und Sänger eben dieses Chores „Grenzenlos“ unter der Leitung von Martina Hellmann, Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg, umrahmten und begleiteten den Abend. Mit ihren schwungvoll und mitreißend vorgetragenen Liedern animierte der Chor schon zu Beginn die Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal zum Mitsingen und zauberte vielen ein Lächeln aufs Gesicht. Mit ihrem Schlusslied „Liebeskummer lohnt sich nicht“, gelang es dem Chor, dass die Teilnehmenden singend, klatschend und auf dem Podium sogar sitztanzend den Abend beschlossen. Frau Dr. Koch hatte zuvor in ihrem Schlusswort betont, dass sie von der Resonanz an diesem Abend und den berichteten Projekten überwältigt sei. Sie dankte dem Publikum für das unglaubliche Echo.

 

Am 2. Tag des Großen Bildungstages gab es für die 140 Ehren- und Hauptamtlichen in der Seniorenarbeit das in bewährter Weise breitgefächerte Workshopangebot.

Nach einem spirituellen Tagesbeginn in der Kapelle des Haus Sankt Ulrich, die von Gemeindereferentin Margaretha Wachter und Pastoralreferentin Anna Lottes gestaltet wurde, konnten die Teilnehmenden am Vormittag wie am Nachmittag je einen Workshop belegen. Die Auswahl der Workshops umfasste Angebote wie sicher unterwegs mit dem Rollator, ganzheitliches Musizieren, Sitztänze, Sanfte Bewegungen, für den Lebensweg des Alters, Neurokinetik – Köpfchen in Bewegung, Atmung, Körperweisheit und heilsame Berührung, Selbstbestimmt im Alter – ein spiritueller Übungskurs, Gottesdienste gestalten für Menschen mit Demenz, Queere Menschen im Alter begleiten und kreatives Gestalten. Im Foyer kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Pausen zum regen Austausch untereinander und mit dem Team der Altenseelsorge zusammen. Ebenso gab es die Möglichkeit sich an zahlreichen Ständen in aktueller Literatur – ein Dank für die Auswahl an buch7.de – , Medienangeboten der AV-Medienzentrale, des Sankt Michaelsbundes sowie den Publikationen der Altenseelsorge zu blättern. 

Ein „Markt der Möglichkeiten“ in der Mittagszeit bot Gelegenheit sich zu verschiedenen Themen zu informieren: So war die Polizei mit einem Beratungsstand zum Thema Schockanrufe, Enkeltrick u.a.  anwesend, das Thema Queere Menschen im Alter war durch die Queersensible Pastoral im Bistum Augsburg und Schwubis - Psychosoziale Beratungsstelle für schwule und bisexuelle Männer (cis*trans*inter*nb) in Schwaben vertreten, Angebote für Menschen mit Demenz, das Kursangebot „Lebenslang Aktiv“ (LeA) und Biografiearbeit sowie Prävention sexualisierter Gewalt wurden vom Team der Altenseelsorge vertreten.

Auch das Ende eines sehr reichen und gelungenen Tages stellten die Referentinnen der Altenseelsorge in einer Abschlussandacht unter Gottes Segen. Diakon Robert Ischwang dankte allen Teilnehmenden für Ihr Kommen und seinem Team für die Vorbereitung und Durchführung dieses Großen Bildungstages 2025.

Der nächste Große Bildungstag ist für 24./25. September 2027 geplant.

 

Anna Lottes
Pastoralreferentin in der Altenseelsorge

[1] Koch, Marianne, Dr. med., 62024: Mit Verstand altern. Wie es gelingt geistig fit und lebendig zu bleiben. dtv Verlagsgesellschaft mbH Co. KG, München. S. 11