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Bericht zum Vortrag von Dr. phil. Dr. theol. Monika Renz, Musik- und Psychotherapeutin FSP zum Thema:

05.04.2022 06:20

 „Hinübergehen“ – Das Ich stirbt in ein Du hinein

 

Ihre praktischen Erfahrungen und ihre Forschungstätigkeit in den Bereichen Sterben, Spiritualität und deren tiefenpsychologische Deutung haben Monika Renz zu einer Pionierin der Sterbeforschung gemacht. Ihre Vorträge und Veröffentlichungen finden international Beachtung. Mehr als 1000 Sterbende hat Monika Renz, Leiterin der Psychoonkologie im Kantonsspital St. Gallen, während Ihrer Arbeit begleitet. In ihren Ausführungen fordert sie auf, das Sterben neu zu denken.

Gleich zu Beginn des Vortrages fragt Monika Renz in die Runde. „Was ist gutes, würdiges Sterben?“ Sie entfaltet dreierlei Erfahrungen von Würde: Würde, weil Menschen würdig behandelt werden, Würde als Reifekriterium und Würde als das Unantastbare jedes Menschen.

Renz zitiert Immanuel Kant: Menschen besitzen die Fähigkeit zu vernünftigem und moralischen Handeln. Ihm zufolge besitzen Menschen aufgrund des Personseins einen unvergleichlichen Wert, eine Würde.

Gutes Sterben meint daher einverstandenes, erlebtes Sterben. Es gilt wahrzunehmen „was ist“. Es gilt, der Endlichkeit ins Auge zu schauen. Von jedem Menschen bleibt etwas. Jeder Mensch besitzt eine personale Größe und Würde, auch im Sterben.

Sterbende machen ganz unterschiedliche Erfahrungen. Es bricht etwas ein und kommt ihnen entgegen, damit kommt für manche Menschen der Begriff „Gott“ ins Spiel. 

In der heutigen Zeit wird nicht mehr das Sterben tabuisiert, sondern das Leiden.  Das muss, so Monika Renz, enttabuisiert werden, dann gibt es eine spirituelle Erfahrung und Gemeinschaft wird erlebt. Das ist Leben, einfach leben.

Das „Ich stirbt in ein Du hinein“ meint nach Monika Renz, ein bezogen sein außerhalb von Strukturen, ein nicht verschlossen sein, sondern offen für eine transzendente Beziehung.

Sterbende überschreiten eine Bewusstseinsschwelle bei der es ein Davor, ein Hindurch und ein Danach gibt.

Was aber ist das Andere? Man weiß es nicht, aber es ist Beziehung da. Ein schwingungsmäßig erfahrenes DU; eine Wahrnehmungsverschiebung in einen anderen Zustand hinein.

Spirituelle Erfahrungen im Sterben sind eine häufige Erfahrung.

Am Ende Ihres Vortags geht Monika Renz der Frage nach: „Was hilft Menschen gut zu sterben?“

Es hilft wohl, danach zu fragen, was noch erledigt werden will, was losgelassen werden muss, was noch durchgestanden, was noch gefunden werden will.

Bedenkenswert war der letzte Gedanke von Monika Renz: „Der Mensch stirbt als Kind, als Narr, als Realist oder als Mystiker.“

Für die 100 Interessierten, ob in Präsenz oder Online, war es eine neue, suchende, hintergründige Deutung einer Ordnung, einem Ganzen, an dem alle Menschen Anteil haben, auch im Tod.

Für manche Hörerinnen und Hörer war der Vortrag „schwere Kost“, aber auf jeden Fall bedenkens- und nachdenkenswert.

 

Rita Sieber, Gemeindereferentin