Burgstallkapelle

 Foto: Anita Greinwald

Am äußersten Südrand von Alt-Kissing liegt direkt auf der östlichen Hangkante des Lechrains die Kapelle „Zur Schmerzhaften Muttergottes“, besser bekannt als „Burgstallkapelle“.

 

Baugeschichte

Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, der Teil einer mittelalterlichen Burg war, haben die Kissinger unter ihren jesuitischen Grundherren dieses Marienheiligtum (1685) geschaffen. Dieser Bau in seiner Kreuz-Kuppel-Komposition entwickelte sich bald zu einem  der beliebtesten Wallfahrtsorte der Umgebung.

Bei der letzten Renovierung (1984) wurde die Burgstallkapelle weitgehend in ihrer Fassung von 1730 wieder hergestellt.

Beachtlich ist auch die stattliche Steintreppe, die auf gemauerten Bögen ruhend, zur Gnadenkapelle hinauf führt. Auch die „Gruftkapelle“ unter dem ersten Treppen-Bogen mit dem „Geißelheiland“ (1743, Joh. Caspar Öberle) lädt die Besucher zum Gebet ein.

Nördlich des Hügels, im Bereich der ehemaligen Vorburg, ist ein Kalvarienberg (1906) angelegt und ein Kriegerdenkmal (1922 bzw. 1956) erinnert an die Gefallenen der beiden Weltkriege.

 

Innenraum

Im Innenraum ist die ganze Ausdruckskraft des bayrischen Barocks spürbar. Die frühen, baugebundenen Stuckaturen lassen einen der Schmuzer-Brüder als Künstler vermuten, die späteren, dekorativen, kurvigen Bandelwerkfüllungen (1730) stammen von Matthias Lotter. Die Fresken (um 1735) aus dem Umkreis des Matthäus Günther zeigen den Weg von der Kindheit Jesu bis zu seiner Leidensgeschichte und schließlich die Krönung Mariens.

Im Zentrum des Barockaltares sehen wir die überlebensgroße Figur der Schmerzensmutter (um 1865), flankiert von den gotisierenden Figuren der Märtyrer Laurentius und Stephanus (16. Jh.). Ein kunstvolles Schmiedeeisengitter (1751) schließt den Altarraum ab.

Nach einer purifizierenden Restaurierung (1865), bei der die ursprüngliche Madonna durch die jetztige ersetzt wurde, ließ die große Wallfahrtsbewegung auf Kissings „Heiligen Berg“ deutlich nach.

Erst im Jahr 1945 wurde sie wieder belebt, als Kissing in den letzten Kriegstagen nach Anrufung der Muttergottes vor drohender Zerstörung bewahrt wurde. Gemäß einem Gelübde ziehen seitdem die Kissinger von Mai bis Oktober einmal im Monat in einer Prozession zum Burgstall, um Dank zu sagen für Rettung in großer Gefahr.

Überregionale Beachtung findet auch die historische Weihnachtskrippe im Burgstall.

Ausführlichere Informationen sind dem „Kirchenführer“ zu entnehmen, der in allen Kissinger Kirchen ausliegt.

Text: Hanns Merkl

 

Katholisch1.TV zeigt ein Video zur Burgstallkapelle. Hier geht es zur Website.

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