Grundlagen & Herausforderungen

Buch über „Christliche Umweltethik“ erschienen

11.06.2021 08:15

Der Münchner Sozialethiker Markus Vogt beschäftigt sich seit langem mit Fragen der Umweltethik und der Schöpfungstheologie. Beim Verlag Herder ist nun von ihm die „Christliche Umweltethik“ erschienen – ein Buch, das Maßstäbe setzt.

Markus Vogt setzt mit seinem Buch Maßstäbe (Grafik: Herder)

Wie Vogt im Vorwort seiner Umweltethik schreibt, sei diese „das Resümee von zehn Jahren intensiver Forschung“. Im Falle Vogts, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, reichen diese zehn Jahre aber bei weitem nicht aus. Die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt sind ein wichtiger Forschungsschwerpunkt für ihn, mit dem Vogt, Jahrgang 1962, schon seit gut dreißig Jahren wissenschaftlich befasst ist.

So kann seine neue Publikation mit gutem Recht auch als neues „Standardwerk“ in Sachen Umweltethik und Schöpfungstheologie bezeichnet werden. Allein das Literaturverzeichnis des insgesamt 784 Seiten langen Bandes umfasst 74 Seiten, was wiederum ein Beleg für seine ausgiebige wissenschaftliche Befassung mit der Materie ist.

Der Autor widmet sich der Thematik in insgesamt vier Teilen. Zunächst einmal geht es ihm, ganz Wissenschaftler, um methodische, empirische und gesellschaftstheoretische Grundfragen, bevor er sich in einem zweiten Teil theologischen und kirchenamtlichen – er meint damit insbesondere Äußerungen der Päpste - Zugängen widmet. In einem dritten Teil erschließt Vogt dem Leser ethisch-systematische Zugänge, bevor er schließlich ausgewählten Handlungsfeldern der Umweltethik nachgeht.

Gerade beim Blick auf diesen vierten, gut 200 Seiten umfassenden Teil wird auch gut die Herangehensweise des Autors deutlich: Er widmet sich darin einzelnen Themenfeldern wie etwa den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, grüner Gentechnik oder Fragen der Lebensführung und des Konsums. Alle diese Abschnitte lassen sich auch unabhängig voneinander lesen, so wie dies auch bei den ersten drei Teilen und den insgesamt 22 Kapiteln der Fall ist.

Gut verdeutlichen lässt sich dieser Zugang zum Beispiel am Kapitel über die Tierethik: Bevor er damit überhaupt beginnt, ist ihm wie auch den anderen Kapiteln eine kurze Zusammenfassung des Inhalts vorangestellt. Der Thematik selbst nähert sich Vogt dann zunächst mit einem Blick auf deren Aktualität, bevor er sich mit philosophisch-ethischen und schöpfungstheologischen Aspekten hierzu befasst. Daraus leitet er abschließend ethische Kriterien für den praktischen Tierschutz ab sowie ein Plädoyer für den Erhalt der Artenvielfalt.

Dieses Beispiel zeigt: Der Leser braucht sich keine Sorgen zu machen, sich dieses doch sehr umfangreiche Werk wie einen Roman Seite für Seite erschließen zu müssen. Das zwölf Seiten lange Inhaltsverzeichnis gibt zudem sehr detailliert Auskunft darüber, was ihn in den einzelnen Kapiteln erwartet.

Positiv hervorzuheben ist außerdem die Sprache Vogts. Seine „Christliche Umweltethik“ ist einerseits wissenschaftlich fundiert, andererseits aber so geschrieben, dass sie auch von Nicht-Wissenschaftlern gut gelesen und nachvollzogen werden kann. Dazu trägt auch bei, dass sich Vogt bei den Fußzeilen sehr zurückhält. Diese enthalten, wie sich das für einen Wissenschaftler gehört, präzise Literatur- und Quellenangaben. Aber sie beschränken sich auf das Wesentliche und sind kurz. Sie sind das, was sie sind und sein sollen: Fußzeilen und keine langatmigen separaten Abhandlungen.

Wer sich intensiver mit Fragen der Umweltethik und der Schöpfungstheologie befassen will, der ist mit diesem Werk bestens bedient. Markus Vogt präsentiert damit ein Kompendium, in dem er die verschiedensten Facetten der Thematik bündelt und dem Leser aus seiner sozialethischen Perspektive heraus auch Lösungsansätze bietet. Den Wert dieses Werks unterstreicht der Verlag auch dadurch, dass er es als gebundene Ausgabe vorlegt. So wirkt es auch rein äußerlich als ein Buch, mit dem intensiv „gearbeitet“ werden kann. (Text: Karl-Georg Michel)

 

Markus Vogt, Christliche Umweltethik. Grundlagen und zentrale Herausforderungen, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2021, 784 Seiten, 48 Euro (zum selben Preis auch als eBook erhältlich)

Beim Verlag Herder gibt es weitere Informationen zum Buch, außerdem das Inhaltsverzeichnis und eine kurze Leseprobe.