Ist die ganze Welt krank?

Die tieferen Ursachen von Corona bedenken!

27.05.2021 08:46

Die beiden kirchlichen Hilfswerke MISEREOR und Brot für die Welt sowie das Global Policy Forum warnen in einem 12-seitigen Briefing davor, nur die Symptome der Corona-Krise zu behandeln, ohne deren tiefere Ursachen zu berücksichtigen. Sie plädieren für einen One Health Ansatz, der das Zusammenspiel der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in den Blick nimmt.

Es geht um die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. (Foto: Ajay Kumar Singh/pixabay)

„Die Staatengemeinschaft darf sich bei der Bekämpfung der Corona-Krise und der Prävention künftiger Pandemien nicht nur auf technisch-medizinische Lösungen wie Impfstoffe verlassen. Wir müssen die strukturellen Ursachen globaler Gesundheitsprobleme stärker angehen“, fordert deshalb Ellen Schmitt. Sie ist Fachreferentin für Gesundheit beim Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR. „Corona hat die Menschen in Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem, ungesicherten Jobs und großen sozialen Ungleichheiten besonders stark getroffen.“

Die drei Organisationen haben ein 12-seitiges Briefing erstellt, in dem sie ihre Positionen wissenschaftlich fundiert darlegen. So führe der Raubbau an Wäldern dazu, dass die Rückzugsgebiete für Wildtiere schrumpfen, was wiederum die Übertragung von Krankheitserregern von Tieren auf den Menschen und umgekehrt begünstige. 

Ein wesentlicher Treiber für die Entstehung von Zoonosen wie COVID-19, aber auch anderen Erkrankungen seien Eingriffe des Menschen in die Natur. Diese würden sehr eng mit den gegenwärtig nicht nachhaltigen Landwirtschafts- und Ernährungssystemen zusammenhängen.

Als Beispiel für eine solche Übernutzung der Natur nennen die drei Organisationen die Zerstörung von Wäldern wie im Amazonas-Raum zur Gewinnung neuer Futterflächen. „Wir müssen endlich dahin kommen, sichere und gesunde Lebensmittel auf umweltverträgliche Weise zu produzieren und die biologische Vielfalt zu schützen. Die Agrarökologie bietet hierfür den geeigneten Ansatz. Sie hat das Ziel, Lebensmittel nicht auf Kosten des Tierwohls und der Umwelt zu erzeugen“, erklärt Stig Tanzmann, Referent Landwirtschaft von Brot für die Welt.

Hier will der „One Health-Ansatz“ Abhilfe schaffen. Er nimmt genau dieses Zusammenspiel der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, also dem gesamten Ökosystem, in den Blick und fordert interdisziplinäres und intersektorales Handeln. Dieser ganzheitliche Ansatz wird von der Bundesregierung als geeignet für die Prävention und Reaktion auf zukünftige Pandemien angesehen. „Tatsächlich bietet ‚One Health‘ auch die Chance, weitere Gesundheitsgefahren wie etwa die negativen Auswirkungen des Klimawandels, die chronische, nicht-übertragbare Erkrankungen begünstigen, anzugehen und das Wohlergehen von Mensch, Tier und Umwelt insgesamt besser in Einklang zu bringen“, sagt Karolin Seitz, Leiterin Programm Wirtschaft und Menschenrechte beim Global Policy Forum.

Sie ist auch die Verfasserin des Briefings. Veröffentlicht wurde es im Mai anlässlich des Weltgesundheitsgipfels der G20-Staaten sowie der Weltgesundheitsversammlung. Die drei Organisationen wollen damit an die Bundesregierung appellieren, sich bei diesen internationalen Treffen für eine globale nachhaltige Gesundheits-, Ernährungs- und Umweltpolitik einzusetzen. (Text: Pressemitteilung/kgm)

 

Karolin Seitz, Wege aus der globalen Gesundheitskrise. Mit dem One Health Ansatz für gesunde Menschen, gesunde Tiere und eine gesunde Umwelt weltweit.

Das Briefing ist auch als PDF-Datei erhältlich. Sie finden diese am Ende der hier verlinkten Seite.