Klimastammtisch Marktoberdorf

"Als Christen für die Schöpfung einsetzen"

07.05.2021 08:14

Der Klimastammtisch der Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf ist ein niederschwelliger Einstieg, um der Verantwortung für die Schöpfung gerecht zu werden. Florian Kautzky, PGR-Vorsitzender in Marktoberdorf, will den Menschen damit auch Ängste nehmen. Karl-Georg Michel hat mit ihm über sein Engagement gesprochen.

Florian Kautzky, Initiator des Klimastammtisches (Foto: privat)

Wie kamen Sie auf die Idee für den Klimastammtisch?

Meine Tochter hat sich in der Fridays for future-Bewegung sehr engagiert und unter anderem den ersten FFF-Streik in Augsburg initiiert. Das hat mich dazu veranlasst, mich selber intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Die wissenschaftlichen Daten, die ich dabei zum Klimawandel recherchiert habe, sind erschütternd. Deshalb engagiere ich mich unter anderem auch bei Parents for Future, aber auch als Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Marktoberdorf dafür.

Dieses Thema kann uns also auch als Christen nicht egal sein?

Ganz im Gegenteil! Wir haben als Christen sogar die Pflicht, uns für die Bewahrung der Schöpfung und damit auch für den Klimaschutz einzusetzen. Das geht aus der biblischen Schöpfungsgeschichte ganz klar als Auftrag hervor. Aber in den letzten Jahrzehnten haben wir das nicht getan, wir haben die Schöpfung sogar immer weiter zerstört. Wir haben unseren Auftrag, den wir von Gott bekommen haben, nicht erfüllt.

Was können wir tun, um diesem Auftrag auch als Gemeinden zu entsprechen?

Globale Veränderungen sind unbedingt notwendig. Aber es kommt auch auf jeden Einzelnen von uns an. Also das Gute tun, bevor es zu spät ist und nicht darauf warten, dass andere damit anfangen, hat Papst Franziskus einmal gewarnt. Deshalb haben wir das Thema der Schöpfungsverantwortung in unserer Pfarreiengemeinschaft zunehmend in den Mittelpunkt gestellt, auch während unserer Gottesdienste und bis hin zu einem Aufruf, sich am internationalen Klimastreik zu beteiligen. 2020 hatten wir in der Fastenzeit ein Projekt zum Klimafasten, das wir wegen Corona unterbrochen und dann im Advent fortgesetzt haben. In einer Klausurtagung des Pfarrgemeinderats Anfang 2020 ist dann auch die Idee mit unserem Klimastammtisch entstanden.

Mit diesem Motiv wird in Marktoberdorf für den Klimastammtisch geworben (Grafik: pixabay)

Worum geht es Ihnen damit?

Viele Menschen haben gerade Ängste wegen des Klimawandels. Als Christen möchten wir sie damit nicht allein lassen. Zugleich sehen wir darin die Chance, mit anderen in Kontakt kommen, die sich ebenfalls für die Umwelt engagieren, auch wenn sie nicht kirchlich sozialisiert sind. Wir greifen damit ein Anliegen von Papst Franziskus auf und gehen an die Ränder.

Und der Klimastammtisch ist ein Mittel dazu?

Ja, wir wollen damit einen niederschwelligen Einstieg schaffen. Zunächst gab es ihn noch live im Pfarrheim, mittlerweile treffen wir uns wegen der Pandemie digital. Das hat sich gerade wegen der Möglichkeit, zwischendurch Kleingruppen zu bilden, auch sehr gut bewährt. Immerhin erreichen wir damit teils über 30 Teilnehmer.

Welche Themen greifen Sie auf?

Eigentlich vieles von dem, was wir bereits zuvor etwa während Gottesdiensten thematisiert haben. So ging es bei unserem ersten Stammtisch um unsere inneren Beweggründe. Was brauche ich wirklich, um erfüllt leben zu können? Wir können uns dabei von Papst Franziskus leiten lassen. 

Gerade die Enzyklika Laudato si‘ hat da viele Anregungen. Aber wir laden zu den Stammtischen auch externe Fachleute ein, etwa zu Themen wie Divestment oder zur Frage, was wirklich grüner Strom ist. Bei uns in Marktoberdorf gibt es ein Reparatur-Café, einen kostenlosen Reparatur-Service. Das war auch schon mal Thema des Stammtisches.

Sie sprechen immer von „wir“. Wer sind eigentlich die Organisatoren?

Wir sind ein Team von Engagierten in der Pfarreiengemeinschaft, das aus dem Pfarrgemeinderat heraus entstanden, aber weit darüber hinausgewachsen ist.  Wichtig ist uns dabei auch die Homepage unserer Pfarreiengemeinschaft, wo es einen eigenen Reiter „Schöpfung“ gibt (https://www.pg-mod.de/schoepfung). Da haben wir sogar ein Video eingestellt und die

Bier und Verantwortung für die Schöpfung passen gut zusammen (Foto: Florian Kautzky)

ser Bereich ist noch immer am Wachsen. Denn es ist uns ein wichtiges Anliegen, andere teilhaben zu lassen. Gerne geben wir unsere Erfahrungen deshalb auch an andere Pfarrgemeinden weiter.

 

Ergänzende Informationen:

Den Klimastammtisch gibt es seit Herbst 2020. Er findet jeden dritten Freitag im Monat abends um 20.00 Uhr statt. Trafen sich die Teilnehmer zunächst im Pfarrheim, lädt die Pfarreieigemeinschaft inzwischen zu einem digitalen Format ein. Die Teilnahme ist kostenlos. Infos zu den aktuellen Themen gibt es jeweils immer vorab auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft (www.pg-mod.de)