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Oase der Artenvielfalt

Der „Hortus Bavariae“ in Reinhartshausen

29.06.2025 11:13

In Reinhartshausen bei Bobingen haben Andrea und Achim Renninger einen ganz besonderen Garten gestaltet: ihren „Hortus Bavariae“. Unser Fachbereich hatte Ende Juni zu einer Besichtigung dieses ganz besonderen „Bayerischen Gartens“ eingeladen.

Die Ertragszone ist als Bauerngarten gestaltet.

Wie uns Achim Renninger während der zweistündigen Tour durch seinen rund 1.700 Quadratmeter großen Garten erklärte, hat dieser vor allem die Förderung der Artenvielfalt zum Ziel. Denn es gibt zum Beispiel den wunderschönen Schwalbenschwanz-Schmetterling, dessen Raupen zum Überleben Wilde Möhre, Fenchel oder Dill benötigen. „Gibt es diese Wirtspflanzen nicht mehr, wird auch der entsprechende Schmetterling aus unserer Landschaft verschwinden“, gab uns Renninger zu bedenken. Verbunden mit der Frage: „Aber wo finden Sie diese Pflanzen heute noch in einem Garten?“

Drei Zonen, die miteinander vernetzt sind

Um diese Idee umzusetzen, ist sein Garten in drei Zonen eingeteilt: eine Puffer-, eine Hot-Spot und in eine Ertragszone. Diese drei Bereiche sind miteinander vernetzt und bieten so Menschen, Tieren und Pflanzen Heimat. Ziel der Pufferzone ist es, den Garten und vor allem seine tierischen Bewohner vor äußeren Einflüssen zu schützen. Hier finden sich zum Beispiel heimische Sträucher oder auch Steinmauern. In der Hot-Spot-Zone ist der Boden mager, also nährstoffarm. Aber genau das fördert eine große Pflanzenvielfalt. In der Ertragszone schließlich werden, wie der Namen schon sagt, Obst und Gemüse angebaut. Was bei der Mahd der Hot-Spot-Zone anfällt, kann hier als Mulch, also Dünger verwertet werden.

Die drei Zonen sind vernetzt und mit kleinen Wegen miteinander verbunden. Überall surren Insekten. Auf dem Stängel einer Mohnblume zeigt uns Achim Renninger die Larvenhaut eines Marienkäfers. Schon solche haben orangene Markierungen auf dem Rücken und sollten in jedem Garten gerne gesehen sein, auch wenn sie mit ihren borstigen Härchen ein wenig gefährlich aussehen. Aber als biologische Schädlingsbekämpfer ernähren sie sich von Blatt- und Schildläusen.

Auch mehrere Holzstapel gibt es im Hortus Bavariae. Dort zeigt uns Achim Renninger ein langes Loch, das eine Blau-schwarze Holzbiene tief ins Holz gebohrt hat. Auf diesen dicken Brummer, noch fetter als eine Hummel und größte heimische Bienenart, sind die beiden Gartenbesitzer besonders stolz. „Heuer haben wir zum ersten Mal eine bei uns gesehen.“ Wobei die Mühe um Artenvielfalt nicht immer mit Erfolg gekrönt ist. „Eidechsen haben wir keine“, bedauern Renningers mit einem Hinweis auf Katzen, die diesen Amphibien keine Chance lassen.

Im Außenbereich bieten Hecken und Holzpalisaden Schutz.

Immer wieder fällt bei der Besichtigung der Name Markus Gastl. Auf ihn geht die Idee zurück, Elemente des klassischen, an einer möglichst großen Artenvielfalt orientierten Naturgartens mit solchen der Permakultur zu verbinden, die sich dem Gedanken der Mischkultur verschrieben hat. Markus Gastl hat die „Hortus-Bewegung“ gegründet und selber den ersten solchen Garten angelegt. Diesem Netzwerk haben sich inzwischen hunderte Gärten angeschlossen, in Deutschland und Europa ebenso wie einige in den Vereinigten Staaten.

Es war faszinierend und auch inspirierend, wie „schön“ und wie anders solch ein „Hortus“ aussehen kann, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen ihren Platz haben dürfen. Um Gedanken daraus umzusetzen, braucht es aber keinen großen Garten. „Auch auf einem Balkon lässt sich das umsetzen“, ermuntert uns Renninger. Ein guter Anfang wäre, die mitunter zwar schönen, aber nektarlosen Zierblumen gegen heimische Varianten zu ersetzen. Wenn diese mehrjährig sind oder sich versamen können, wird sogar der Geldbeutel geschont.

(Text: Karl-Georg Michel / Fotos: Achim Renninger)

  

Mehr Infos zum Hortus Bavariae Garten gibt es über folgenden Link. Auf Nachfrage bieten Renningers gerne Besichtigungen und Führungen an. Auch eine Facebook-Seite gibt es. Sie ist über den zweiten Link zu erreichen. 

https://hortus-netzwerk.de/hortus-bavariae/
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