Studientag in St. Ottilien

"Die Energiewende ist gewollt"

09.11.2013 11:18

Die Diözese Augsburg ist nicht nur Unterzeichnerin der Klimaallianz Bayern, sondern sie steht auch aktiv hinter der Energiewende in Deutschland. Um sich ein Bild der verschiedenen Aktivitäten zu verschaffen, hat der Arbeitskreis „Schöpfung bewahren“ im November 2013 in St. Ottilien einen Studientag veranstaltet.

Erzabt Wolfgang Öxler eröffnete den Tag mit einem geistlichen Impuls (Foto: Christoph Wessel)

Es werde schon viel getan, betonte Finanzdirektor Dr. Klaus Donaubauer. Er war einer von insgesamt sieben Referenten, die bei diesem ersten Studientag des Arbeitskreises "Schöpfung bewahren" am 9. November 2013 dabei waren und Projekte zur Energiewende vorstellten. Über 60 Personen aus Kirchenverwaltungen, Pfarrgemeinderäten und kirchlichen Einrichtungen waren der Einladung gefolgt.

Mit einem geistlichen Impuls eröffnete Erzabt Wolfgang Öxler den Tag: „Die Energiewende erfordert vor allem eine Wende in den Herzen der Menschen“, so der Erzabt. „Unser verschwenderischer Lebensstil hat Auswirkungen auf das Leben der Menschen in den armen Ländern der Welt. Christliches Handeln muss sich von der Frage nach Gerechtigkeit leiten lassen.“

Energiewende ist notwendig und gewollt

Dass eine Energiewende weg von fossilen Brennstoffen zu regenerativ erzeugter Energie dringend notwendig sei, verdeutlichte Prof. Dr. Wolfgang Mauch von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München. Es gehe nicht nur um bessere Technik, sondern um mehr Effizienz. Das größte Potential stecke im Bereich der Wärmeenergieversorgung und in der Dämmung.

Im Bistum Augsburg ist die Energiewende auch gewollt. Dr. Klaus Donaubauer belegte diesen Willen anhand eines Bündels von Maßnahmen im Bistumsbereich. „Die Diözese hat im Jahr 2008 für ein bistumsweites Energie- und CO2-Programm 4,0 Millionen Euro bereitgestellt. Für alle kirchlichen Gebäude im Kernbestand der Pfarreien wurden kostenfreie Energieberatungen angeboten. Viele haben davon Gebrauch gemacht“, so Donaubauer.

Sofortmaßnahmen zur energetischen Optimierung werden dabei zu fast hundert Prozent finanziert, größere Maßnahmen über den Regelzuschuss hinaus gefördert. Ab 2014 werde der von den rund 1.000 Pfarreien und sonstigen diözesanen Einrichtungen bezogene Strom zu hundert Prozent aus Wasserkraftwerken in Bayerisch-Schwaben gewonnen, kündigte er an. Auf zahlreichen Gebäuden des Bistums Augsburg gebe es Fotovoltaikanlagen. Bei Planungen Neubauten und Renovierungen würden energetische Fragen vorangestellt.   

Praxisbeispiele aus der Diözese vorgestellt

Fünf weitere Beiträge zur Umsetzung der Energiewende wurden am Nachmittag vorgestellt: Bruder Josef Götz OSB, Cellerar und Verantwortlicher für die Liegenschaften des Klosters Sankt Ottilien, führte zusammen mit Prof. Mauch und Eugen Schäfer durch die Energiezentrale mit Hackschnitzelheizung und Biogasanlage.

Wie kirchliches Umweltmanagement funktioniert und wie man damit Menschen nicht nur aus der Gemeinde, sondern sogar religionsübergreifend ansprechen kann, zeigten Pfarrer Josef Kirchensteiner und Mitglieder des Umweltteams der Pfarrei Christkönig in Penzberg. 

Fotovoltaik auf dem Kirchendach? „Das gibt es in der Diözese!“, berichtete Max König aus der Pfarrei Straßberg bei Bobingen. Ermöglicht wurde dies durch die Beharrlichkeit des Umweltteams im Umgang mit zahlreichen Widerständen. Seit September 2012 konnten mit der dieser Anlage schon 45 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Pfarreien Heilig Kreuz in Straßberg und Christkönig Penzberg sind nach EMAS III zertifiziert.

Auch die Energiezentrale der Erzabtei wurde besichtigt (Foto: Christoph Wessel)

EnergieVision nennt sich eine christliche Genossenschaft, die nachhaltige Energieprojekte finanziert. „Ein Teil der Rendite fließt in soziale und kirchliche Projekte in der Region“, so der Vorsitzende, Pastoralreferent Dr. Thomas Wienhardt. Zahlreiche Einzelpersonen und Kirchenstiftungen bringen sich seit Gründung im Jahr 2012 finanziell und auch ehrenamtlich mit ihrer Fachexpertise ein. 

Die Aktivitäten des Katholischen Frauenbundes und der Kindertagesstätte Janusz Korczak in Haunstetten stellten Sabine Slawik und Ursula Mai vor. Ihr Schwerpunkt liegt vor allem im Bildungsbereich. Schon bei Kindern werden von Anfang an über Hören und Tun die Themen „fair und nachhaltig“ grundgelegt. Der Frauenbund hatte in mehreren Jahresthemen das Stoffgebiet „Nachhaltigkeit“ aufgegriffen.

Christoph Wessel, Umweltbeauftragter in der Diözese, und Anton Stegmair von der Abteilung Mission-Entwicklung-Frieden, die diesen ersten Studientag vorbereitet haben, teilten mit, dass es weitere solche Veranstaltungen geben werde. (Text: Christoph Wessel)