Ein tolles Ministrantenprojekt!

Projekttage zu "Laudato si"

05.10.2020 15:01

Passend zu Erntedank und dem Fest des Hl. Franziskus von Assisi fand der Abschluss der Projekttage „Laudato si“ der Ministranten in der Pfarreiengemeinschaft Dietkirch statt. Die Veranstaltung am 4. Oktober bündelte noch einmal wie unter einem Brennglas die gemachten Erfahrungen, Gespräche und Zukunftswünsche der jungen Menschen. 

Zum Abschluss der Projekttage pflanzen die Ministranten einen Apfelbaum. Aber damit ist es noch lange nicht vorbei. (Foto: Claudia Possi)

Beim Podiumsgespräch im Rahmen der Projekttage zur Umweltenzyklika „Laudato si“ am 23. September in der Gemeindehalle Kutzenhausen folgte eine buntgemischte Zahl von 40 Interessierten der Einladung, in Bezug auf unsere Nahrungsmittel in Pfarrei und Kommune der Nachhaltigkeit auf den Zahn zu fühlen. Die Podiumsgäste Johannes Enzler (Bund Naturschutz), Janika Pondorf (Fridays for Future) und Andrea Kaufmann-Fichtner (Umweltbeauftragte des Bistums Augsburg) stellten zunächst die Hintergründe ihres beruflichen und ehrenamtlichen Engagements für das „gemeinsame Haus“, unsere Erde dar.

„Lebensmittel haben nicht den Stellenwert, der ihnen gebühren würde“, so Enzler. „Die Klimabelastung vieler Nahrungsmittel hat einen großen Klimarucksack zur Folge.“ Auch die Frage nach den kirchlichen Flächen der Pfarreien in der PG Dietkirch wurde gestellt. Dient die Verpachtung dem Schöpfungsauftrag, die Erde gut zu verwalten? Fazit: Ein komplexes Thema, wo es gilt, dass sowohl Einzelpersonen in ihrem Kaufverhalten wie auch der Handel in die Pflicht genommen werden müssen. Der Königsweg in Bezug auf Lebensmittel lautet saisonal, regional, möglichst ökologisch, das Tierwohl im Blick und auch eine Veränderung von Essverhalten.

Bei der Radwallfahrt am 28. September 2020 gab es drei Stationen. Sehr informativ war der Besuch bei Biobauer Ellenrieder in Ustersbach, der sehr engagiert und eindrücklich den 30 Radlern schilderte, wie ein gesunder Boden durch Mehrfruchtfolge kultiviert werden kann. Weiter ging es nach Wollishausen zu Bauer Zott, bei dem im Hofladen lokale Nahrungsmittel erworben werden können. Auch hier ist die Achtung vor allen Bauern, die unsere Heimat Stauden und Reischenau mit viel zeitlichem und ideellem Einsatz kultivieren, gestiegen. Den Abschluss bildete die Backstube in Oberschönenfeld. Schwester Gratia berichtete von der Tradition des Brotbackens in der Abtei. Sie schilderte anschaulich, wie alle vier Elemente die Grundlage für ein gutes Brot sind und Jesus nicht zufällig in der Eucharistie Brot als sein bleibendes Zeichen für sich an uns eingesetzt hat.

Rund vierzig Interessierte nahmen an der Podiumsdiskussion teil, und das trotz Corona (Foto: Claudia Possi)

Spezielle Wunschzettel an Lokalpolitik und die Pfarrgemeinde

Die Wunschzettel, die die Oberministranten an politische wie kirchliche Verantwortungsträger bei der Abschlussveranstaltung überreichten, gingen an Herrn Bürgermeister Reiter und seine Kollegen in Kutzenhausen und Gessertshausen, an das Pastoralteam, den Pastoralrat, den Diözesanreferenten der Diözese Augsburg für die Ministrantenpastoral, Harald Weber, sowie die Katholische Jugendstelle Augsburg, die durch den Jugendseelsorger Gabriel Bucher und die Referentin Julia Schmidt vertreten war. Damit setzten die Ministranten keinen Schlusspunkt, sondern einen Doppelpunkt, einfordert weiterhin aktiv im Gespräch zu bleiben.

Uta Sirch, Oberministranten aus Margertshausen, die Bürgermeister Willi Reiter den Wunschzettel überreichte, sagte unter anderem: „Vielen Jugendlichen ist das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit wichtig! Wir wünschen uns, dass sich Politiker, aber auch Erwachsene, nicht angegriffen fühlen, sondern als Entscheidungsträger und Wähler unsere Sorge um unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen ernst nehmen und sich nicht hinter Floskeln verstecken! Im Gespräch mit Landwirten und Betreibern, die direkt vor Ort Lebensmittel verkaufen, war in den Projekttagen immer wieder die hohe Hürde der Bürokratie, und wieviel Zeit diese kostet, Thema. Wir bitten die Lokalpolitiker, sich auf Kreis-, Landtags- und Bundesebene einzusetzen, dass die Bürokratie sinnvoll auf das rechte Maß verändert wird, für Landwirte, für Kleinunternehmer und eigentlich für viele andere Bereiche mehr, zum Beispiel im Gesundheits- und Pflegebereich.“

Das Seelsorgeteam, der Pastoralrat und die Kirchenverwaltungen wurden aufgefordert, den Auftrag von Papst Franziskus an alle Christen in dem Lehrschreiben „Laudato si“ in den Pfarreien wirklich umzusetzen. Peter Hart, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Kutzenhausen, zitierte Papst Franziskus, dass Umweltschutz immer auch ein sozialer Auftrag den Schwächsten unserer Gesellschaft gegenüber sei. Denn die Sorge um das „gemeinsame Haus“ und um die schwächsten Brüder und Schwestern gehörten zusammen. Auch diesen Gedanken nahmen die Minis auf und beteiligten sich an der „Soli Brot Aktion“ von Misereor. 97 Euro konnten dadurch eingenommen werden. Diözesanreferent Harald Weber ermutigte die Minis deshalb, weiterhin die Erwachsenen zu „nerven“ mit ihren Gedanken und Zukunftswünschen.

Als Erinnerung an die Projekttage pflanzten abschließend die Oberministranten einen Apfelbaum in der Grünanlage beim Pfarrheim Dietkirch. Im Laufe der Zeit sollen verschiedene Apfelsorten jeweils für alle Minis der sieben Pfarreien in der PG Dietkirch aufgepfropft werden. Eine Holztafel erinnert an diese erfüllten Tage! (Text: Claudia Possi)