Öko-Audit EMAS

"Etwas für die Bewahrung der Schöpfung tun"

11.01.2021 12:27

Die Zwölf ist eine biblische Zahl. So lange, zwölf Jahre, widmet sich die Pfarrei Heilig Kreuz in Straßberg nun schon ihrem EMAS-Projekt. Jakob Vellinger ist Umweltbeauftragter der Pfarrei und kirchlicher Umweltmanagementtrainier. Im Gespräch mit Karl-Georg Michel, Umweltbeauftragter unserer Diözese, hat er wichtige Fragen zu EMAS beantwortet.

Foto: Archiv Pfarrei

EMAS, das ist ein recht komplizierter Begriff. Was ist darunter zu verstehen?

Das ist gar nicht so kompliziert. Für uns bedeutet dieses Kürzel ganz einfach „Engagierte Menschen aus Straßberg“. Aber eigentlich steht dahinter die Kurzbezeichnung „Eco-Management and Audit Scheme“, was wiederum das Öko-Audit der Europäischen Union ist.

Aber trotzdem, warum braucht das eine Pfarrei?

Weil wir bei uns etwas für die Bewahrung der Schöpfung tun wollten. Deshalb haben wir im Jahr 2008 Christian Sachs zu uns eingeladen. Er leitet in der Katholischen Akademie Bayern den Bereich für Bauwesen, Technik und IT und hatte dort EMAS zusammen mit unserem Pfarrer Dr. Florian Schuller bereits erfolgreich eingeführt. Herr Sachs hat uns damals in einem Gottesdienst erläutert, warum wir uns gerade als Christen für nachhaltiges Wirtschaften, für einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung stark machen und entsprechend vorbildlich handeln sollten. Christian Sachs hat uns mit seiner Leidenschaft und seinem hohen, persönlichen Engagement für EMAS begeistert.

Wie ging es dann weiter?

Nach der Begegnung mit ihm haben wir in unserer Pfarrei recht schnell zwei Grundentscheidungen getroffen: Erstens, wir streben eine offizielle Validierung nach der strengen EU-Norm EMAS an – mit all dem, was da an Projektbeschreibungen, Nachhaltigkeitszielen und externem Audit dazu gehört. Zweitens, wir bauen eine Photovoltaikanlage, da das Dach unserer Kirche dazu bestens geeignet ist, von der Ausrichtung, vom Neigungswinkel und von der Tatsache her, dass es kaum ansichtig ist.

Und am Ende kam dann eine EMAS-Zertifizierung raus?

Ja, die haben wir seit dem 17. September 2009 und sie wurde seitdem mehrmals erneuert oder „validiert“, wie der technisch richtige Begriff lautet. Rückblickend auf diese Jahre kann ich sagen: Der große Einsatz so Vieler hat sich gelohnt. Wir sind stolz, die erste Pfarrei der Diözese Augsburg zu sein, die sich nach EMAS validieren ließ, und wir waren auch die erste mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Kirchendach.

… die dadurch natürlich etwas Besonderes ist. Welche Erfahrungen konnten Sie damit inzwischen sammeln?

Zunächst einmal möchte ich sagen: Wir haben sie damals mit ausdrücklicher, persönlicher Genehmigung durch Bischof Walter Mixa auf den Weg gebracht. Wir sind ihm dafür bleibend dankbar. Die Anlage ist seit 2012 in Betrieb, sie hat bis zum Jahresende 2020 über 500 Megawattstunden elektrische Energie erzeugt. Dadurch konnten mehr als 300 Tonnen CO2 eingespart werden. Oder vielleicht auch so gerechnet: Um diese Menge an CO2 zu binden, hätten seitdem 28.500 Bäume gepflanzt werden müssen. Straßberg liegt ja am Tor zu den Stauden und ist von viel Wald umgehen. Da kann ich nur sagen: Das ist schon ziemlich viel Holz …

Sie haben es eben schon angedeutet. EMAS ist sehr anspruchsvoll und setzt das Engagement Vieler voraus. Wie sieht das in Straßberg aus, mal ganz konkret an ein paar Beispielen?

Das ist ein sehr wichtiger Hinweis. Wir haben bei uns auch die Mühen der langen Strecke erlebt. Aber trotzdem bleiben wir dran! Als konkrete Beispiele für diesen Weg, auf den wir uns mit EMAS gemacht haben, könnte ich nennen: Wir haben die Beleuchtung unserer Kirche und des Pfarrheims auf LED umgestellt und neue Fenster mit besserer Dämmung eingebaut. Auch wenn wir dadurch bereits enorme Einsparungen erreichen konnten, haben wir sowohl den Stromverbrauch als auch die Heizenergie weiter im ständigen Fokus. Ein weiteres Beispiel: Nachdem EMAS ja ein Öko-Audit ist, wollten wir konkret Lebensraum von Pflanzen und Tieren erhalten und verbessern. So wurde hinter der Kirche ein Blühstreifen angelegt. Einer von uns, Ottmar Vellinger, hat selber ein Insektenhotel gebastelt. Er hat es sogar auf einer Veranstaltung der Diözese vorgestellt, was uns erfreulicherweise viele Nachfragen von Zuhörern brachte, die auch so was bauen wollten, zum Beispiel die Katholische Hochschulgemeinde in Augsburg.

Aber EMAS ist mehr, es zielt auf unser Denken und Handeln ab. Wie sieht es da bei Ihnen in der Pfarrei aus?

Hier ist uns zunächst die Bildungs- und Pastoralarbeit wichtig. Wir thematisieren regelmäßig Umweltthemen in der Kinderkirche, bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, in Gottesdiensten/Andachten und bei unserer jährlichen Fußwallfahrt. Auch über Artikel im Pfarrbrief, auf der neuen Webseite der Pfarreiengemeinschaft und über Berichterstattungen sowohl in Print- als auch in Digitalmedien erreichen wir zahlreiche Menschen mit unserer Arbeit. Wichtig ist außerdem der ökumenische Austausch mit anderen Gemeinden: Wir möchten die kirchliche Umweltarbeit durch den Aufbau von Netzwerken stärken und weiter ausbauen. Das reicht aber bis hin zur Planung unserer Veranstaltungen: Bei Einkäufen und Beschaffungen berücksichtigen wir regionale, saisonale und nachhaltige Produkte. Dass der Abfall fachgerecht und umweltgerecht getrennt wird, sollte inzwischen eine Selbstverständlichkeit sein. Unser Ziel ist es, Abfall zu vermeiden, wo immer es geht.

Wenn Sie auf diese zwölf Jahre zurückblicken, wie sieht dann Ihr Fazit aus?

Natürlich war und ist es anstrengend, eine offizielle Validierung nach der strengen EU-Norm EMAS zu erhalten, also mit Projektbeschreibungen, Nachhaltigkeitszielen und externem Audit. Aber wir haben hier in Straßberg das Glück, dass wir jederzeit auf die Unterstützung kompetenter Menschen mit fundiertem Fachwissen zählen können. In diesen Jahren hat sich, wie ich es eben beschrieben habe, in unserer Pfarrgemeinde vieles getan. Ohne die Vorgaben von EMAS hätten wir dies alles nicht so ernsthaft geprüft, bewertet und geändert.
Sie würden diesen Weg mit EMAS also auf jeden Fall wieder beschreiten?
Ja, und wir können trotz des großen Aufwands nur jede Gemeinde ermutigen, diesen Weg auch zu gehen. Für unsere Schöpfung und für die, die nach uns kommen, lohnt es sich auf jeden Fall! Und so gehen wir - das Straßberger EMAS-Team - nach wie vor motiviert in das 12. EMAS-Jahr. Wir freuen uns über jede und jeden, die sich gemeinsam mit uns oder im eigenen Umfeld für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Ergänzende Informationen

zur Pfarrei Heilig Kreuz und deren EMAS-Projekt gibt es auf deren Website.

EMAS ist die Kurzbezeichnung für „Eco-Management and Audit Scheme“, auch bekannt als EU-Öko-Audit oder Öko-Audit. EMAS wurde von der Europäischen Union entwickelt und ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. EMAS basiert auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung. Auf ihr wurde 1992 in Rio de Janeiro die Erklärung für eine nachhaltige ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung verabschiedet, die sogenannte „Agenda 21“.
Ausführliche Infos zu EMAS gibt es auf folgender Internet-Seite.

Haben auch Sie Interesse an EMAS oder einer Zertifizierung des Schöpfungsengagements Ihrer Pfarrei? Die Diözese bietet ab Herbst 2021 unter dem Motto „Heute für morgen handeln“ dazu erneut einen Ausbildungskurs an. Er musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.